11 Jahre danach: Erinnerung an die Bedrohung durch Pelzfarmer in Finnland

Das Bild oben entstammt einer Presseaussendung von Pelzfarmern in Finnland. Die Farmer haben sich selbst, maskiert und bewaffnet, fotografiert und drohen allen TierschützerInnen mit dem Tod, sollten sie ihren Farmen zu nahe zu kommen. Diesen Leute fiel ich damals in die Hände. Jetzt habe ich mich erstmals wieder in die Gegend getraut. 11 Jahre später. Eine ewige Zeit, und trotzdem habe ich mich an alles erinnert. Es war sehr bewegend, die Orte des Geschehens wieder zu sehen, von damals, 2003, in Evijärvi, Finnland.

Im Oktober dieses Jahres war ich allein nach Skandinavien aufgebrochen, um die dortigen Pelzfarmen zu filmen. Erst kurz davor hatten wir in Osteuropa gefilmt, nachdem es in Österreich ja keine Pelzfarmen mehr gegeben hatte und dennoch so viele Menschen Pelz trugen. Auf unsere Veröffentlichung der Zustände in den dortigen Pelzfarmen erklärte die Kürschnerinnung, sie würden nur Pelze aus Skandinavien verarbeiten. Und dort sei man ja im Tierschutz so weit, da sei alles bestens. Ob das wahr war, wollte ich herausfinden.

In Finnland wurde ich von einem Pelzfarmer beim Fotografieren von der Straße aus gesehen und verfolgt. Ich konnte ihm zwar entkommen, doch er informierte offensichtlich die Polizei. Als ich dann alle Filme und Fotos meiner finnischen Recherche mir selbst mit der Post nach Österreich schickte, fing die Polizei alles ab. Das jedenfalls teilte mir die Post auf Nachfrage mit, ohne Gründe zu nennen. Also ging ich im November noch einmal nach Finnland. Diesmal kamen zwei Kollegen mit und wir mieteten uns ein finnisches Auto, um nicht als Ausländer aufzufallen.

Zunächst ging alles gut, doch in der Nähe der Stadt Evijärvi passierte es dann. Einer von uns war beim Auto an einer Tankstelle geblieben, wir anderen zwei zu einer Pelzfarm gegangen. Es war hellichter Tag. Der Fahrer stand neben seinem Auto, als ihn Pelzfarmer umkreisten und bedrohten, letztlich sogar mit einer Waffe. Sie hatten ihn nur vom Aussehen als Ausländer erkannt und verdächtigten ihn, Pelzfarmen auszurecherchieren. Jetzt habe ich dieselbe Tankstelle 11 Jahre danach wieder fotografiert:

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Unglaublich, dass so etwas geschehen kann, auf einer so breiten Straße. Der Fahrer sperrte sich in sein Auto und rief aus Angst die Polizei. Wir zwei waren unterdessen von der Pelzfarm zurückgekehrt und warteten in einem Gebüsch versteckt, wie sich die Situation entwickeln würde. Auch dieses Gebüsch habe ich jetzt wiedergefunden, es ist jenes in der Mitte des Bildes im Hintergrund:

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Letztlich ging der Aktivist, der mit mir zunächst versteckt war, zur Tankstelle zurück, um die Polizei zu beruhigen. Doch dann wurden beide, er und der Fahrer, festgenommen. Ich blieb allein in meinem Versteck zurück. Und es wurde dunkel. Und kalt. Im Herbst in Finnland sieht man zu dieser Zeit 17 Stunden lang die Sonne nicht. Und überall liefen Pelzfarmer umher, die mich mit Scheinwerfern und Taschenlampen suchten, und mir dabei einmal bedrohlich nahe kamen.

Ich beschloss den Film, den ich auf der Pelzfarm gedreht hatte, zu vergraben und durch den Wald in die nächste Stadt zu gehen, nämlich Evijärvi. Ich habe meinen Fluchtweg heute, 11 Jahre später, genau nachvollziehen können. Doch diese Stadt ist sehr klein, es gab kein Hotel und keinen Bahnhof, nur einen Supermarkt. Ich habe ihn jetzt fotografiert.

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Dort ging ich hinein, um mir wenigstens etwas zu essen zu kaufen. Ich wusste noch immer nicht, was ich nun tun sollte, fühlte mich aber halbwegs sicher. Doch das war ein Fehler. Mitten zwischen den Verkaufsregalen traf ich auf einen Mann, der gerade heftig telefonierte, und als er mich sah, erstarrte, dann auffällig weglief und irgendetwas ins Telefon rief. Besorgt verließ ich den Supermarkt. Doch keine 100 m weiter fuhren mehrere Autos voller Männer auf mich zu, die aus den Wagen sprangen und mich mit Knüppeln angriffen. Ich lief davon, wieder in den Supermarkt hinein, zwischen den Regalen durch auf diese Tür zu:

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Dann quer durch einen weiteren Raum zu einer Toilette, die auf dem folgenden Bild in der Mitte im Hintergrund zu sehen ist:

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Dort sperrte ich 2 Türen zu und verbarrikadierte mich. Hier ein aktuelles Foto dieser Türen:

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An diesem Ort verbrachte ich bange 20 Minuten zwischen Leben und Tod! Während die Pelzfarmer mit ihren Waffen an die Türen schlugen, rief ich meine damalige Freundin in Wien an. Was für schreckliche Minuten! Draußen eine Horde verrückt gewordener Schläger, und die einzige vertraute Stimme tausende Kilometer entfernt. Letztlich musste ich auflegen und die Polizei um Hilfe rufen. Die kam auch, schob den Ausweis unter der Tür durch, um mich von ihrer Authentizität zu überzeugen, sodass ich die Türen öffnete, und nahm mich fest. Ich musste dann mehrere Tage und Nächte auf der Polizeistation in Kokkola verbringen, wurde ständig einvernommen und bekam mehr oder weniger gar nichts zu essen, weil man nichts Veganes habe, sagte man mir. Eine lokale Tierschützerin hatte aber von dem Vorfall gehört und einen Nylonsack voller veganer Köstlichkeiten für uns bei der Polizei abgegeben, doch der wurde uns nicht ausgehändigt. Hier ein Foto der Polizeistation:

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Letztlich wurden wir einige Tage darauf gegen Mitternacht freigelassen. Wir kamen bei TierschützerInnen unter. Einer davon brachte den Mut auf, mit mir in der Nacht noch wieder zurück in die Pelzfarmregion zu fahren. Um 4 Uhr früh grub ich den Film aus dem Boden, wo ich ihn versteckt hatte. Am nächsten Tag saß ich im Flugzeug, den Film sicher verwahrt. Ausschnitte daraus sind mittlerweile in vielen Filmen im Internet zu sehen.

Die volle Story:
http://www.vgt.at/filme/fotos/recherchen/skandinavienPelz/story/index.php

Der Film:
http://www.tierrechtsfilme.at/langfilme/pelz_skandinavien/pelz_skandinavien.htm

PS: Ich wurde dann wegen Landfriedensbruch angeklagt, in erster Instanz schuldig aber in zweiter Instanz freigesprochen. Die Polizei musste mir also Jahre später alles Film- und Fotomaterial wieder aushändigen, das sie beschlagnahmt hatte, vor allem in der Post. Doch die Pelzfarmen stehen immer noch …

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8 thoughts on “11 Jahre danach: Erinnerung an die Bedrohung durch Pelzfarmer in Finnland

  1. Doritt says:

    Hallo Martin, Respekt für Deinen Mut, ich hätte den nicht.
    Ich hoffe, es ist für Dich ok, wenn ich diesen Bericht (selbstverständlich als Link mit Originalverweis) auf Facebook poste, um den selbsternannten Gerechten in der aktuellen #savekimi Kampagne (Zitat „man müsste vor die finn. Pelzfarmen ziehen“, #Vier Pfoten soll da hoch und dort kämpfen“)… mal klarzumachen, dass das keine romantische Tierrettungskiste ist… Alles Gute und passt auf Euch auf ! Herzliche Grüße aus Deutschland

  2. Martin Balluch says:

    Ich würde darum bitten, nicht ein Volk in Bausch und Bogen zu verurteilen. Was sollte man dann von uns ÖsterreicherInnen halten, die wir z.B. unseren Wald völlig zerstört haben oder begeistert alle Naziverbrechen des Dritten Reichs mittrugen?

    Ich fahre trotz allem gerne nach Finnland, gehe dort gerne wandern und kenne sehr viele finnische Tierrechts- und MenschenrechtsaktivistInnen, die ich für ihre Arbeit bewundere. Und der Anwalt in Finnland, der mich bei meiner Anklage wegen Filmens von Pelzfarmen vertreten hat, verteidigte mich ohne mich zu kennen kostenlos und erreichte schließlich einen Freispruch. Ich habe ihn dann dafür 1 Woche nach Österreich eingeladen.

    Man muss also zweifellos differenzieren.

  3. Veronika says:

    Die Finnen sind keine Wikinger.

  4. quark says:

    Von einem „Scheißvolk“ zu sprechen und damit anscheinend alle Leute mit finnischer Staatsbürgerschaft zu meinen ist natürlich Rassismus – was denn sonst?
    .
    Gewaltbereite Tierausbeuter_innen sind keine „nationale Besonderheit“ irgendeines Staates, für „inländische“ Aktivist_innen hegen die sicherlich auch nicht mehr Sympathien als für „ausländische“.

    Und Sie – hassen Sie auch alle Tierrechtsaktivist_innen aus Finnland, weil das auch „Wikinger“ sind? *kopfschüttel*
    .
    Meiner Meinung nach täte Herr Balluch gut daran, diese Postings zu löschen, sowas möchte mensch doch nicht im eigenen Blog drin haben. Aber sein Bier.

  5. amor says:

    @ Hans,
    „rassistische Kackscheiße“ schon!!
    Falls du meine Worte wirklich als solche auswertest, solltest du selber versuchen dich mit den finnischen Wikingern auseinander zu setzten. Als Tieraktivist, meine ich.

    Zum Kaffe wirst du bei denen natürlich sehr freundlich eingeladen, wie übrigens überall auf der Welt.
    Aber darum geht es hier nicht!
    Wenn es um den Tierschutz geht, dann sind Finnen brutal, rücksichtslos, primitiv, was nicht ihrem Schein entspricht, den sie gezielt vornehmend nordisch pflegen.

    Macht doch einen Ausflug nach Nykarleby zum Beispiel, wo laut Balluch 350 Pelzfarmen bei 7.000 EinwohnerInnen gibt, drehe ein Video darüber und sag uns danach Bescheid, falls du die Aktion lebend überstehst.
    Wie ausländerfreundlich sie sind, wirst du schon erfahren.
    Amor

  6. hans says:

    amor, so eine rassistische kackscheisse könntest du dir bitte sparen. Sollten rassistische Einträge nicht gelöscht werden?

  7. amor says:

    Ja! so ist es halt mit den modernen Wikingern!!
    In meinem Arbeitsumfeld hatte ich mehrere davon.
    Alle die aus Finnland kamen hielten sich für was besonders.
    Dabei verpassen sie keine Gelegenheit, ihre überdimensionale Körpergröße dominierend und überlegend in ihrer Umgebung zu behaupten und halten eine weizenblonde Haarkultur und kobaltblaue Augen für unabdingbaren Bestandteil der nordischen Rasse.
    Vor allem die Frauen finde ich unausgelastet, falsch und recht cholerisch.

    Ein Scheißvolk, in jeder Hinsicht, und sobald ich wieder einen oder eine als Kollege kriege, meide ich prinzipiell den Umgang mit der Person.

    Die meisten Deutsche aber sind von allen nordischen Völkern am meisten an die Finnen verliebt, und meinen, dass die Lebenskultur der Finnen ein Vorbild für sie sein sollte.
    Amor

  8. jasmin says:

    an dieser stelle muss ich mich einmal bedanken für deinen grenzenlosen mut und den ungebrochenen willen, tierleid zu verringern.

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