Beim VGT gibt’s einen sehr großen Gender Pay Gap!

Zum Weltfrauentag wurde überall vom Gender Pay Gap gesprochen, das ist die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Stundenlohn für Männer und dem für Frauen. Diese Zahl wird als sehr signifikant angesehen, als der Beweis, dass Frauen in unserer Gesellschaft unterdrückt werden. Die Medien waren voll davon. Zum Beispiel schrieb Doris Knecht in ihrer Kolumne im Kurier vom 8. März 2015 vom Gender Pay Gap: „Solange das so ist, soll keiner behaupten, die Frauen seien doch eh längst gleichberechtigt. Solange das so ist, soll keiner sagen, eine Quote brauche es nicht.“

Solange es den Gender Pay Gap gebe, brauche nicht über Benachteiligung von Männern diskutiert werden, über Wehrpflicht, oder dass Männer 5 Jahre später in Pension gehen müssen, aber 7 Jahre kürzer leben. Das ist sozusagen nur die Retourkutsche für den Gender Pay Gap, die Rückzahlung dafür, dass Frauen um 3 Monate pro Jahr länger arbeiten müssten, um denselben Lohn zu bekommen. In derselben Ausgabe des Kurier wird man deshalb auch „in der Frauenzone“ willkommen geheißen. Es müsse Räume geben, aus denen Männer ausgeschlossen sind, wie z.B. an Frauentagen im Schwimmbad oder im Frauenbereich im Fitnessstudio. Wozu eigentlich, fragt die Autorin Julia Schenk Frauen, die sie dort antrifft, werde man von Männern dreckig angegafft? Mitnichten, ist die Antwort, Männer seien nur laut und würden im Schwimmbad so viel herumspritzen, oder nur unter Frauen sei es einfach netter im Fitnessstudio, wo Männer doch so nach Schweiß stinken.

Klassischer Sexismus, würde ich meinen, Männer auszuschließen, weil man das Vorurteil hat, sie würden stinken, laut sein und Wasser verspritzen. Wie wärs mit Frauenbetretungsverboten, weil sie so laut kichern, ihren lästigen Weibertratsch führen und nach Parfüm riechen? Aber solange es den Gender Pay Gap gibt, darf darüber nicht diskutiert werden, solange gibt es eben keine Gleichberechtigung.

Ich habe mir deshalb die Buchhaltung beim VGT angeschaut, und tatsächlich: auch wir haben einen Gender Pay Gap. Einen sehr großen sogar! Da Frauen und Männer wohl die gleiche Arbeit leisten, werden also auch bei uns Frauen unterbezahlt und unterdrückt, oder? Seltsam ist nur, dass wir eine genderunabhängige Gehaltsregel haben, die für alle gilt, es gibt keine Gehaltsverhandlungen. Das Gehalt ist zu einem kleinen Teil von dem Ausmaß der Verantwortung abhängig, die man übernimmt. Da gibt es 3 Stufen, eine für Zuarbeit bei Kampagnen, eine dafür, dass man die Verantwortung für eine Kampagne übernimmt, und eine, wenn man die Gesamtverantwortung für alle Kampagnen trägt. Die viel größere, zweite Gehaltsdiskrepanz entsteht durch Seniorität, d.i. ein für alle gleicher Anstieg pro Jahr, weil Personen, die lange im Verein sind, viel effektiver arbeiten können.

Nun, der Gender Pay Gap beim VGT ist darauf zurückzuführen, dass die Männer im Schnitt viel länger beim VGT angestellt sind, als die Frauen. Da wir praktisch nie jemanden entlassen und uns auch fast niemand von sich aus verlässt, hängt das praktisch nur damit zusammen, dass einige Frauen  gekündigt haben, weil sie ein Kind bekamen. Der Gender Pay Gap beim VGT ist also darauf zurückzuführen, dass Frauen eher als Männer ihren Job aufgeben, um sich um ihre Kinder zu kümmern und die neu angestellten Personen weniger bekommen als diejenigen, die schon länger dabei sind. Das kann man natürlich auch auf die Genderrolle zurückführen, hört sich aber ganz anders an, als Unterdrückung oder weniger Geld für gleiche Leistung. Ist diese Erklärung auch anderswo anwendbar oder bildet der VGT hier eine Ausnahme?

Am 5. März 2015 präsentierte der Club of Vienna, dessen Mitglied ich bin, auf einer Pressekonferenz in Wien das Ergebnis einer Studie zum Gender Pay Gap. Einer Studie, übrigens, die laut Projektleiterin Christine Bauer-Jelinek nur unter Schwierigkeiten finanziert werden konnte, sagte doch das Sozialministerium trotz aller Gelder für Frauenforschung seine Unterstützung ab, als es gewahr wurde, dass hier unter Umständen Feminismuskritisches geäußert werde. Das Ergebnis der Studie war jedenfalls, dass der Gender Pay Gap nicht als Beweis der Unterdrückung von Frauen herhalten könne. Korrigiere man nämlich nach Arbeitszeit (Teilzeit sei schlechter bezahlt), Lohnniveau in verschiedenen Berufen (in Technik und Industrie werde mehr bezahlt) und Ausbildungsniveau (im Mittel der ArbeitnehmerInnen liege dieser noch bei Männern höher), dann reduziere sich der Gender Pay Gap auf wenige Prozent. Dabei sei er bei BeamtInnen durch die Kollektivverträge praktisch Null, in der Privatwirtschaft ließen sich die verbleibenden Gehaltsunterschiede darauf zurückführen, dass man etwas zögere, junge Frauen anzustellen, weil diese schwanger werden könnten und dadurch dem Betrieb wieder verloren gehen. Die wissenschaftliche Studie dazu findet sich hier: http://www.clubofvienna.org/news-termine/studie-geschlechtergerechtigkeit/.

8 thoughts on “Beim VGT gibt’s einen sehr großen Gender Pay Gap!

  1. Veronika says:

    @Konrad

    „Ich habe absichtlich kein Geschlecht bei der Frage nach Nachwuchs erwähnt weil ja durchaus auch Männer langfristig den Hauptteil der Kinderpflege übernehmen können – spätestens nachdem die Stillzeit vorüber ist. “

    Wer bleibt zu Hause bei den Kindern? Der mehr verdient. Alles andere wäre Schwachsinn.

  2. Veronika says:

    Man hat den Leuten eingeredet man müsse die Arbeit „teilen“, damit es jedem gut geht. In Wahrheit hilft man damit den Betrieben Sozialbeiträge sparen. Aber das Modell setzt sich durch, mit dem Effekt, dass vor allem Frauen nur noch Teilzeit arbeiten müssen. Frauen arbeiten gerne in sozialen Berufen, die sowieso schon schlecht bezahlt werden. Oder sie arbeiten im Handel, was auch mit einem Hungerlohn verbunden ist. Ich weiß von einer diplomierten Krankenschwester die nur Teilzeitangebote bekam, von denen sie nicht hätte leben können. Junge Frauen werden nicht gerne angestellt, weil sie Kinder bekommen könnten. Schließlich werden Kinder auch manchmal krank. Dann will die Mutter sie vielleicht pflegen. Männer werden immer noch als Familienerhalter angesehen, obwohl das im realen Leben schon lange nicht mehr der Fall ist. Schon deshalb werden sie bevorzugt. Arbeitsplätze werden immer rarer. Da setzen sich dann eher die Männer durch, weil sie meistens selbstbewusster sind als Frauen. Sie geben sich kompetent, auch wenn sie total unfähig sind, während die meisten Frauen unsicher sind, auch wenn sie kompetent sind. Deshalb werden sie gerne unterschätzt. Dazu kommt sicher auch eine gewisse Solidarität unter Männern – und die meisten Chefs sind nun einmal männlich. Frauen fehlt diese Solidarität hingegen.

    Es gibt viele verschiedene Gründe weshalb Frauen schlechter bezahlt werden als Männer.

  3. Roswitha says:

    Das Dilemma in wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Ein geschlechtsneutrales Gehaltsschema und trotzdem ein „gender pay gap“. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, keines, das Unternehmen und Organisationen alleine lösen können.
    Warum kündigen nur die Frauen wenn sie Mutter werden? Gibt es im VGT keine Väter?

    http://leftycartoons.com/2011/04/08/the-wage-gap-and-womens-choices/

  4. Konrad says:

    Ich vermute die Frauen haben gekündigt weil sie den Verein nicht finanziell beanspruchen wollten. (Anscheinend war es den Frauen beim VGT bisher wichtiger sich entsprechend viel um ihre Kinder zu kümmern.) Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass Kinderpausen wirklich ein relevanter Faktor für die Unterschiede in den Gehältern sind. Hauptsächlich scheint es um die Rollen und eben um die Dienstjahre zu gehen. (Ich vermute stark, dass sich beim VGT kein Geschlechtsunterschied mehr erkennen lässt, sobald die drei oder vier Angestellten aus der Gleichung genommen werden, die schon am längsten dabei sind.)
    Ich habe absichtlich kein Geschlecht bei der Frage nach Nachwuchs erwähnt weil ja durchaus auch Männer langfristig den Hauptteil der Kinderpflege übernehmen können – spätestens nachdem die Stillzeit vorüber ist. Die Frage nach der Familienplanung kann nur diskriminierend sein wenn sie nicht alle in gleichem Ausmaß betrifft. Das Gesetz geht davon aus, dass nur Frauen davon betroffen sein können. Andernfalls könnte es nicht zu dem Schluss kommen, dass die Nachfrage diskriminierend wäre.
    Allgemein erscheint mir in dem Kontext die Idee der Dinskriminierung ad Absurdum geführt weil sich ja alle aussuchen können, ob sie Kinder zeugen wollen. Eine Andersbehandlung, die sich nicht auf etwas von der betroffenen Person Unbeinflussbares bezieht, ist in meinen Augen keine Diskriminierung. Andernfalls wäre jede beliebige Andersbehandlung eine Diskriminierung. Das wäre aber absurd, da die meisten Anpassungen an individuelle Umstände durchaus vernünftig sind. Ein Problem wird eine Andersbehandlung erst dann, wenn die betroffenen Personen die Ursachen dafür nicht beeinflussen können und wenn die Ungleichbehandlung keinen sachlichen Zusammenhang mit dem Unterschied hat. Es ist beispielsweise keine Diskriminierung wenn für Jobs nur jene Personen in Erwägung gezogen werden, die die dafür nötigen Befähigungen haben. Dennoch ist das natürlich eine deutliche Andersbehandlung gegenüber jenen Leuten, denen diese Befähigungen fehlen.
    Es verblüfft mich, dass Nachwuchs immer noch als ein so hoher gesellschaftlicher Wert gilt, dass den meisten Leuten selbstverständlich erscheint, dass es unmoralisch wäre größtmögliche Verfügbarkeit als Kriterium bei der Jobvergabe zu haben.
    Abgeschafft können solche Erwägungen durch Gesetze ohnehin nicht werden. Womöglich ist sogar eine geringere Entlohnung von Frauen ein Versuch das trotz allem statistisch höhere „Ausfallsrisiko“ etwas auszugleichen. Wenn von vorn herein Verträge erlaubt wären, die Klauseln im Falle von „Nichtverfügbarkeit“ (aus welchen Gründen auch immer) erlauben, gäbe es wohl auch keine Motivation ein eventuelles finanzielles Risiko abzufangen. Durch die Schaffung eines Tabus bzw. „Diskriminierungsverbotes“ wird die Dynamik lediglich in den Untergrund gedrängt, wo sie unartikuliert für dubiose Dynamiken sorgt, die in Ermangelung von klaren Zusammenhängen kaum in den Griff bekommen werden können.
    Freilich können solche Verfügbarkeitsklauseln nur in Erwägung gezogen werden, wenn es eine soziale Lösung für die zu Ausfällen gezwungenen Personen gibt. Sei das nun wegen nötiger Pflege von Angehörigen oder wegen Krankheiten.

  5. Konrad says:

    Mir scheint das Wort Diskrimierung hier schwierig. Es geht zwar eindeutig um ein Vorurteil, aber wie ist es möglich diese Realität wegzudiskutieren? Ich nehme an, dass niemand Verträge sehen will, in denen sich Leute verpflichten müssen – zumindest für eine bestimmte Zeit lang – keine Kinder zu zeugen, wenn sie eine bestimmte Stelle haben wollen. Dass es inziwschen wesentlich mehr Institutionen gibt, die Frauen vorbehalten sind, belegt auch meine Beobachtung. (Damit bestreite ich nicht, dass es so etwas nicht auch umgekehrt gibt bzw. dass noch vor einiger Zeit an vielen Orten Frauen ausgeschlossen waren. Dennoch sehe ich nicht ein wie nun eine Übertreibung in die andere Richtung – praktisch als Rache? – Neutralität herstellen sollte.)
    Martins Beispiel belegt sehr schön, dass reine Zahlenspiele oft in die Irre führen. Immerhin ist das Entlohnungsschema des VGT geschlechtsblind. Was könnte näher am Ideal der Gleichberechtigung sein? Eine explizite Bevorzugung eines Geschlechts – zumindest so lange Frauen das bevorzugte Geschlecht sind…?

  6. Roberta says:

    Konrad, es ist Diskriminierung, so sagt es der Gesetzgeber. Wir brauchen also darüber eigentlich gar nicht diskutieren. https://www.wko.at/Content.Node/service/Frage-nach-Schwangerschaft-ist-nicht-erlaubt.html

  7. Roberta says:

    Als ob es keine reinen Männerzonen gäbe. (nach 2 Minuten googlen hab ich schon ein Männerfitnessstudio in Graz, einen Kochkurs nur für Männer an der VHS und eine Yogaart namens Broga die nur für Männer ist gefunden). Naja, und Burschenaschaften sowiso. Also braucht man nicht darüber zu diskutieren dass es sexistisch sei wenn auch Frauen mal unter sich bleiben wollen. Aber wirklich ausschlaggebend ist der letzte Satz „in der Privatwirtschaft ließen sich die verbleibenden Gehaltsunterschiede darauf zurückführen, dass man etwas zögere, junge Frauen anzustellen, weil diese schwanger werden könnten und dadurch dem Betrieb wieder verloren gehen“. DAS ist absolute Diskriminierung, ganz besonders Frauen gegenüber die keinen Kinderwunsch haben.

  8. Monika says:

    hm, wieso kündigt frau, wenn sie ein Kind bekommt, und geht nicht einfach in Karenz und kommt danach wieder?
    Generell muss auch im öffentlichen Dienst, wo es sicher die geringsten _Gehalts_unterschiede gibt (Anm. das sind keine Kollektivverträge), angeschaut werden: wer bekommt einen höherwertigen Dienstposten, wer bekommt eine Leitungsfunktion? Wer darf Fortbildungen machen? Wer bekommt außerordentliche Vorrückungen oder Remunerationen? etc. etc.

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