Buchrezension

„Gemüseheilige“ – Eine Geschichte des veganen Lebens in Deutschland

Da gibt es schon wieder eine neue Fleischalternative, dort endlich auch vegane Daunen, hier sogar besonders tolles veganes Leder. Wenn man so im Veggieboom lebt, möchte man meinen, die vegane Welt wird gerade erfunden. Insbesondere junge Menschen, die sich der Bewegung anschließen und ihre ersten veganen Flugblätter verteilen, denken sich meiner Erfahrung nach oft, dass diese Bewegung mit ihren Innovationen funkelnagelneu ist – und deshalb bald eine neue Zeit anbricht. Ist aber nicht so. Vegane Fleisch-, Daunen, Leder-, Butter-, Milch- und sonstige -alternativen gibt es schon seit ewiger Zeit. Da ist gar nichts neu. Vielmehr wirkt das eher nach Hamsterrad: alle 100 Jahre flammt der vegane Gedanke neu auf, entwickelt sich, als hätte es ihn nie gegeben, und stirbt dann wieder, um wie Phönix aus der Asche später neu zu entstehen.

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Ziviler Ungehorsam im Dritten Reich? – „Kurt Gerstein oder die Zwiespältigkeit des Guten“

Ziviler Ungehorsam ist ein ganz wesentliches Mittel des Widerstands der Ohnmächtigen und der außerparlamentarischen politischen Kampagnenarbeit in einer Demokratie. Als ich mich in den 1970er und 1980er Jahre für Umwelt- und Tierschutz zu engagieren begann, war ziviler Ungehorsam bei uns hier gerade im Entstehen. Der Spirit der „Alternativbewegung“ hat sich daraus genährt. Es war ein Teil des politischen Selbstverständnisses, offen Gesetze zu brechen und der Staatsmacht dabei in die Augen zu schauen. Eigentlich hatte ich damals gedacht, dass das der neue Politstil wird, im Fahrwasser von Martin Luther King und der 1968er Bewegung, und dass Demokratie in den 2000er Jahren dadurch definiert sein wird. Doch irgendwie stimmt das nicht. Es gibt einen Backlash, erschreckender Weise. Ziviler Ungehorsam wird immer mehr skandalisiert und als radikal verfolgt. Der Staat, insbesondere der Überwachungsstaat, versucht mit scharfer Repression Zivilen Ungehorsam zu verunmöglichen. Und eine neue Generation einer politisch angepassten Jugend, so meine Wahrnehmung, lässt sich davon beeindrucken.

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„Schwein ohne Schwein“ – ein Buch von Veganpionier Charly Schillinger

Fehlt noch ein Weihnachtsgeschenk? Dann kann ich dieses Buch nur empfehlen. Die ersten 27 Seiten sind eine wirklich unterhaltsam geschriebene Zusammenfassung des Weges des Autors bis zum veganen Landgasthaus in Großmugl, irgendwo im Weinviertel. Landgasthaus und vegan ist keine Begriffskombination, die häufig zu finden ist. Bis heute erstaunt, wie er das hinbekommen hat. Und der Weg dorthin war nicht geradlinig. Die restlichen 115 Seiten sind Rezepte für die deftige vegane Hausmannskost dort, mit vielen Tipps und Ideen, wie man es sich einfach machen kann.

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Buch: Chris Moser’s „viva la rebellion“ im Kyrene Verlag

Wer Chris Moser kennenlernt, kann nicht umhin, ihm fasziniert zuzuhören. Er kann erzählen. Authentisch. Und er hat viel zu erzählen. Von einem rebellischen Leben. Aufgewachsen in dem eher provinziellen Landeck, wurde er bald zum landesweit bekannten Graffiti-Aktivisten. Nach entsprechenden Konflikten mit der Behörde, ging er dazu über, seine Kunst auf Ausstellungen statt auf Hausmauern zu platzieren. Daneben nahm er an zahlreichen Protestaktionen teil, darunter seit 2001 auch für Tierrechte im Rahmen des VGT. Als würde das noch nicht den Tag füllen, arbeitet er als Restaurator und lebt mit seinen 3 selbstredend veganen Kindern und seiner Frau in einem uralten Bauernhaus in der Wildschönau in Tirol. Ein Haus, das im Übrigen auch viel Zeit für Pflege benötigt.

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„Secret Manoeuvres in the Dark“ – ein Buch über die unglaubliche Infiltration der Zivilgesellschaft durch Spitzel der Multinationalen Konzerne

Wer die Spitzelaktivität der Polizei in der Tierschutzszene schon für demokratiepolitisch bedenklich und eine Zumutung hält, siehe , den/die wird dieses Buch noch ein stückweit mehr entsetzen. „Secret Manoeuvres in the Dark“ von Eveline Lubbers, 2012 im Verlag PlutoPress erschienen, hat mir die Augen geöffnet. Lubbers ist seit langem als Wissenschaftlerin, aber auch als Journalistin und politische Aktivistin, darin engagiert, die undemokratischen Machenschaften Multinationaler Konzerne aufzudecken. Dazu bietet sie auch Beratung für NGOs an. Und diese würde uns allen helfen, wenn die Fakten betrachtet, die Lubbers für ihr Buch zusammen getragen hat.

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Zum Buch „Tiere klagen an“ vom ehemaligen Tieranwalt in Strafverfahren aus Zürich, Antoine Goetschel

Gut 15 Jahre hat es die Position des „Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen des Kantons Zürich“ bereits gegeben, als Antoine Goetschel sie 2007 für 3 Jahre übernahm. In dieser Zeit stand er in 700 Strafverfahren wegen Tierquälerei auf der Seite der Opfer, der Tiere. Doch das Buch „Tiere klagen an“ im Scherz Verlag, S. Fischer Verlags GesmbH Frankfurt am Main 2012 erschienen, handelt nur peripher von seinen Erfahrungen dabei. Vielmehr stellt der Autor 10 Fragen zu Tierschutz und versucht die LeserInnen dazu zu motivieren, selbst AnwältInnen für Tiere zu werden, und zwar weniger im rechtlichen Sinn sondern im täglichen Leben.

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„Undercover. The true story of Britain’s secret police“ – Ein Buch über die Spitzelpolizei in England

Die Autoren Rob Evans und Paul Lewis haben nicht sehr viel Verständnis für Tierschutz- oder Tierrechtsaktivismus, das ist in ihren Texten deutlich zu spüren. Doch die beiden Journalisten beim Guardian haben mit diesem Buch die unfassbare Geschichte der Spitzeltätigkeit einer Spezialabteilung der Polizei in England in einer Weise an die Öffentlichkeit gebracht, die Gänsehaut hervorruft. In Westeuropa, in einer alten, etablierten Demokratie! Ein „must read“ für jeden politisch aktiven Menschen, und das Ende der Diskussion, warum der Staat in seinem Überwachungswahn dringendst eingeschränkt werden muss. Es zeigt sich nämlich, dass Informationen über kritische Geister immer zu deren Nachteil ausgenutzt werden, und auch um Missstände in der Gesellschaft oder bei Firmen zu vertuschen und den Status Quo um jeden Preis – auch den der Gefährdung des öffentlichen Wohls – zu erhalten.

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Zum Buch „Partner, Freunde und Gefährten“ , Holzhausen-Verlag Wien 2014

AutorInnen: Gabriela Kompatscher-Gufler, Franz Römer, Sonja Schreiner

Tierschutz ist doch ein ganz neues Phänomen in der Menschheitsgeschichte, oder vielleicht nicht? Das mag auf den modernen Tierschutz mit politischem Anspruch gelten, der gesellschaftsverändernd wirken will und Gerechtigkeit für Tiere auch mit gesetzlichen Mitteln einfordert. Doch tierfreundliche Stimmen einzelner Menschen hat es sozusagen schon immer gegeben, ob in der Antike, dem Mittelalter oder dem 19. Jahrhundert. Das beweist dieses schlanke Büchlein von Univ.-Prof. Gabriela Kompatscher-Gufler und ihren KoautorInnen. Hier wurden Texte aus verschiedenen Jahrhunderten aufgespürt, die eine solche Nahbeziehung und Liebe zu Tieren vermitteln, dass einem beim Lesen schon einmal die Tränen in die Augen steigen können.
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„Können Hunde träumen?“, von Stanley Coren im Kynos Verlag

Der Autor gilt zumindest in Amerika als ein anerkannter Experte für Hunde. Er ist ein emeritierter Universitätsprofessor für Psychologie in Kanada und hat einige Bücher über Hunde geschrieben. Im vorliegenden Buch stellt er sich 72 Fragen zu Hunden und beantwortet sie. Dabei merkt man leider heraus, dass dieser Mann aus Amerika kommt. So ist für ihn das Kupieren von Hundeschwänzen selbstverständlich und er begründet es damit, dass Wachhunde sonst von EinbrecherInnen am Schwanz festgehalten werden könnten, und Jagdhunde würden sich sonst beim Laufen durchs Dickicht am Schwanz verletzen!
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„Artgerecht ist nur die Freiheit“ von Hilal Sezgin, Verlag CH Beck 2014

Ich hatte keine großen Erwartungen an dieses Buch, kaufte es nur, weil ich es zufällig in einer Buchhandlung sah und natürlich davon gehört hatte. Foers „Tiere essen“ war für mich auch nicht die große Neuigkeit, vielmehr wunderte ich mich, warum es so viele Menschen lesen, aber nicht z.B. unsere Fleischbroschüre, obwohl, salopp gesprochen, beide zu 80% denselben Inhalt haben. Der Trick scheint zu sein, in der Welt der AutorInnen einen von Tierschutz völlig unabhängigen Namen zu haben und sich selbst als fehlbar, verletzlich und zweifelnd darzustellen, statt im Oberlehrer-Jargon alles mit großer Bestimmtheit besser zu wissen und den moralischen Zeigefinger zu heben. Hilal Sezgins Buch würde so ähnlich sein, dachte ich.
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