Buchrezension

Zum Buch „Tiere klagen an“ vom ehemaligen Tieranwalt in Strafverfahren aus Zürich, Antoine Goetschel

Gut 15 Jahre hat es die Position des „Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen des Kantons Zürich“ bereits gegeben, als Antoine Goetschel sie 2007 für 3 Jahre übernahm. In dieser Zeit stand er in 700 Strafverfahren wegen Tierquälerei auf der Seite der Opfer, der Tiere. Doch das Buch „Tiere klagen an“ im Scherz Verlag, S. Fischer Verlags GesmbH Frankfurt am Main 2012 erschienen, handelt nur peripher von seinen Erfahrungen dabei. Vielmehr stellt der Autor 10 Fragen zu Tierschutz und versucht die LeserInnen dazu zu motivieren, selbst AnwältInnen für Tiere zu werden, und zwar weniger im rechtlichen Sinn sondern im täglichen Leben.

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„Undercover. The true story of Britain’s secret police“ – Ein Buch über die Spitzelpolizei in England

Die Autoren Rob Evans und Paul Lewis haben nicht sehr viel Verständnis für Tierschutz- oder Tierrechtsaktivismus, das ist in ihren Texten deutlich zu spüren. Doch die beiden Journalisten beim Guardian haben mit diesem Buch die unfassbare Geschichte der Spitzeltätigkeit einer Spezialabteilung der Polizei in England in einer Weise an die Öffentlichkeit gebracht, die Gänsehaut hervorruft. In Westeuropa, in einer alten, etablierten Demokratie! Ein „must read“ für jeden politisch aktiven Menschen, und das Ende der Diskussion, warum der Staat in seinem Überwachungswahn dringendst eingeschränkt werden muss. Es zeigt sich nämlich, dass Informationen über kritische Geister immer zu deren Nachteil ausgenutzt werden, und auch um Missstände in der Gesellschaft oder bei Firmen zu vertuschen und den Status Quo um jeden Preis – auch den der Gefährdung des öffentlichen Wohls – zu erhalten.

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Zum Buch „Partner, Freunde und Gefährten“ , Holzhausen-Verlag Wien 2014

AutorInnen: Gabriela Kompatscher-Gufler, Franz Römer, Sonja Schreiner

Tierschutz ist doch ein ganz neues Phänomen in der Menschheitsgeschichte, oder vielleicht nicht? Das mag auf den modernen Tierschutz mit politischem Anspruch gelten, der gesellschaftsverändernd wirken will und Gerechtigkeit für Tiere auch mit gesetzlichen Mitteln einfordert. Doch tierfreundliche Stimmen einzelner Menschen hat es sozusagen schon immer gegeben, ob in der Antike, dem Mittelalter oder dem 19. Jahrhundert. Das beweist dieses schlanke Büchlein von Univ.-Prof. Gabriela Kompatscher-Gufler und ihren KoautorInnen. Hier wurden Texte aus verschiedenen Jahrhunderten aufgespürt, die eine solche Nahbeziehung und Liebe zu Tieren vermitteln, dass einem beim Lesen schon einmal die Tränen in die Augen steigen können.
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„Können Hunde träumen?“, von Stanley Coren im Kynos Verlag

Der Autor gilt zumindest in Amerika als ein anerkannter Experte für Hunde. Er ist ein emeritierter Universitätsprofessor für Psychologie in Kanada und hat einige Bücher über Hunde geschrieben. Im vorliegenden Buch stellt er sich 72 Fragen zu Hunden und beantwortet sie. Dabei merkt man leider heraus, dass dieser Mann aus Amerika kommt. So ist für ihn das Kupieren von Hundeschwänzen selbstverständlich und er begründet es damit, dass Wachhunde sonst von EinbrecherInnen am Schwanz festgehalten werden könnten, und Jagdhunde würden sich sonst beim Laufen durchs Dickicht am Schwanz verletzen!
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„Artgerecht ist nur die Freiheit“ von Hilal Sezgin, Verlag CH Beck 2014

Ich hatte keine großen Erwartungen an dieses Buch, kaufte es nur, weil ich es zufällig in einer Buchhandlung sah und natürlich davon gehört hatte. Foers „Tiere essen“ war für mich auch nicht die große Neuigkeit, vielmehr wunderte ich mich, warum es so viele Menschen lesen, aber nicht z.B. unsere Fleischbroschüre, obwohl, salopp gesprochen, beide zu 80% denselben Inhalt haben. Der Trick scheint zu sein, in der Welt der AutorInnen einen von Tierschutz völlig unabhängigen Namen zu haben und sich selbst als fehlbar, verletzlich und zweifelnd darzustellen, statt im Oberlehrer-Jargon alles mit großer Bestimmtheit besser zu wissen und den moralischen Zeigefinger zu heben. Hilal Sezgins Buch würde so ähnlich sein, dachte ich.
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„die einzigartige intelligenz der hunde“, ein Buch von Alwin Schönberger, 2005 im Piper Verlag erschienen

Das obige Bild finde ich sehr beeindruckend: ein Gehirnscan mit Magnetresonanz links eines Hundes und rechts eines Menschen. Spot the difference! Es mag Unterschiede geben, aber am meisten sticht die verhältnismäßig große Ähnlichkeit ins Auge!

Alwin Schönberger, ein Wiener Wissenschaftsjournalist, der durch das Zusammenleben mit einem Hund auf das Thema der Hundeintelligenz gestoßen wurde, schrieb ein Buch über die kognitiven Fähigkeiten dieser Tiere und bietet uns darin eine breite Palette von publizierten Artikeln über wissenschaftliche Versuche, die die Fähigkeit von Hunden zur Problemlösung analysieren. Im Wesentlichen zeigt sich, dass Hunde erstaunlich wenig abstrakt und kausal denken können, aber eine sehr hohe soziale Intelligenz haben, also sehr gut Emotionen in anderen verstehen und darauf reagieren.
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„M.E.“ – Meines Erachtens, ein Buch von Chris Moser im Kyrene Verlag

P1000497Nach „Die Kunst, Widerstand zu leisten“ hat Chris Moser nun ein zweites Buch über politische Kunst und seine Konflikte mit dem Staat nachgeschossen. Als ehemals Angeklagter im Tierschutzprozess und langjähriger Aktivist ist er dafür auch prädestiniert. So wurde Chris schon als Teenager wegen politischer Graffiti angeklagt, bei Globalisierungsprotesten mit Tränengas, Blendgranaten und Gummimunition beschossen, und hat mit seiner Radikalkunst bereits über Jahrzehnte die Gemüter bewegt. Ein rasantes Buch, sehr persönlich geschrieben, das sich leicht liest. Man fliegt mit Chris förmlich durch sein Leben und kann gut nachvollziehen, was ihn bewegt.
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„Jenseits von Gut und Böse“, ein Buch von Michael Schmidt-Salomon

P1060182Michael Schmidt-Salomon ist als Vorstandssprecher der humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung für seine religionskritischen Stellungnahmen bekannt. Zusätzlich vergab diese Stiftung im Juni 2011 einen Ethikpreis an Peter Singer und Paola Cavalieri für deren Einsatz für Rechte von Menschenaffen im Rahmen des Great Ape Projects, er hat also auch eine gewisse Nähe zum Tierrechtsgedanken. All das macht das Buch für mich zunächst interessant. Und tatsächlich kann ich auch die grundsätzliche Stoßrichtung davon unterschreiben, geht es doch darum, die Idee des absolut Guten und Bösen, u.U. personifiziert in Gott und Satan und religiös überfrachtet, abzulehnen.

So weit so gut, doch darüber hinaus finde ich kaum etwas an diesem Buch, dem ich zustimmen könnte. Selbst als rein psychologischer Ratgeber wäre es für mich nicht hilfreich.

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More Than Honey – Buch und Film von Markus Imhoof

Imhoof mag als Sohn einer Imkerfamilie und damit als Bienennutzer dieses Projekt, Buch und Film über Bienen und das Bienensterben zu verfassen, begonnen haben, aber zuletzt steht er auf der Seite der Bienen gegen die Imkerei. Es ist unmöglich, seinen Film zu sehen, ohne mit diesen Tieren mitzufühlen und die Honigproduktion, oder eher den Honigdiebstahl der Menschen zu verurteilen. Fast meint man, dass den Menschen schon Recht geschehe, wenn ihnen jetzt die Bienen wegsterben: Vielleicht zeigt sich in diesem Moment, am Beispiel der Honigbiene, wieder einmal, dass der Mensch sich die Erde nicht ungestraft untertan machen kann; zumal nicht, wenn er seine Macht ohne Maß und Pause ausübt. […] Die Natur kann ohne den Menschen leben, aber der Mensch nicht ohne die Natur.

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Wie das Volk seinen Wald verlor

 

In der Steiermark und in Oberösterreich haben jetzt Jäger aus der ÖVP neue Jagdgesetze geschrieben und von den Landtagen absegnen lassen, die TierschützerInnen aus den Jagdgebieten fernhalten sollen. Elementen der Jägerschaft wird dabei gesetzlich erlaubt, TierschützerInnen festzunehmen und sie sogar über das Jagdgebiet hinaus zu diesem Zweck zu verfolgen. In Österreich gibt es einen riesengroßen Grundbesitz für die Jagd, der zum Großteil in den Händen alter Adelsfamilien und der Großindustrie ist. Wie kam es, dass der Wald der Allgemeinheit entzogen wurde und in den Besitz einzelner Personen überging, die darin zum Vergnügen Tiere töten wollen und dazu filmende TierschützerInnen per Gesetz vertreiben dürfen?

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