Geschichte

Die englische Tierrechtsaktivistin Joan Court ist tot – ein Nachruf

„Granarchists“ nannten wir in England jene älteren Damen mit klassisch englisch aristokratischem „upper class“ accent, die sich mit solcher Vehemenz und Radikalität für Tiere einsetzten, dass man nur staunen konnte. „Granny“ für „ältere Dame“ und „anarchists“ für den radikalen Aktivismus. Sie ketteten sich an, blockierten mit ihrem Körper Kälbertransporte, gingen in wochenlangen Hungerstreik, entblößten ihre Brüste aus Protest und unterstützten andere AktivistInnen mit allem, was sie hatten, bis zur Selbstaufgabe. So habe ich sie jedenfalls in meiner Zeit in England von 1989-1997 erlebt, und so gibt es sie sicherlich heute noch.

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Mein Onkel Rolli, der SS-Wächter im KZ

Einmal, vor ein paar Jahren, stöberte ich im Nachlass meiner Großtante. Eine Kiste voller alter Briefe, darunter ein Briefwechsel mit einer Frau aus Ljubljana, der sich über 7 Jahrzehnte hin zog. Der erste Brief war im Alter von 17 Jahren geschrieben, zu Silvester 1916, am Bahnhof in Wr. Neustadt. Er war der einzige fröhliche Brief. Ab dann wurde der Ton Jahr für Jahr melancholischer, trauriger, ja geradezu depressiv. Ein faszinierendes Dokument der Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert aus subjektiver Perspektive! Doch mitten unter dem Haufen von Briefen fand ich auch einige von Onkel Rolli. Mein Onkel, wohlgemerkt, für die Großtante war er ein Neffe. Seine Briefe sind in eher neutralem Ton verfasst, ohne viel Emotion. Nur manchmal, wenn er von der Zukunft spricht, wird er fröhlicher. Einige Briefe haben als Absendeadresse „Im Osten“ angegeben, offenbar von der Ostfront, in den Jahren 1941-1943. Bei manchen Briefen sagt er explizit dazu, dass er nicht angeben dürfe, wo er sei.

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