Naturwissenschaft

Warum Altruismus kein Egoismus ist: hedonistisches und eudämonistisches Glück

Die UtilitaristInnen sind ja ExpertInnen bei Glücksgefühlen. Sie können sie addieren, und zwar sogar jene von verschiedenen Wesen, und dann subtrahieren sie Leid und dann maximieren sie das Ganze und dann wissen sie, wie ethisch richtig zu handeln ist. In diesem Bild ist das Leid eineR RassistIn (z.B. wenn jemand leidet, weil subjektiv „zu viele“ Menschen mit anderer Hautfarbe in seiner/ihrer Umgebung leben) und das Leid eines Opfers von Rassismus (z.B. durch Ausgrenzung und Abwertung) numerisch grundsätzlich gleich einzubeziehen. Und Ähnliches gilt für Glücksgefühle. Altruismus gäbe es gar nicht, alles sei letztendlich Egoismus. Auch AltruistInnen würden sich nur egoistisch selbst befriedigen, indem sie ihre Lust, anderen zu helfen, ausleben.

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Anthropozentrismus in den Naturwissenschaften? Ein Leserbrief an New Scientist

An Letters@newscientist.com

Dear editors,

I am bewildered, to say the least, by the amount of naive anthropocentrism, which I came across reading your issues 3019 and 3020 from May 2015. It starts with an article suggesting that reality is a fiction of human consciousness. Well, reality might be a fiction of MY consciousness, but what could be so special about the consciousness of a particular group of apes that should give rise to reality collectively? What do all humans alive right now have in common that could merrit such a strange conclusion? I live with a dog, and quite frankly my conscious experience of nature, affection and social support has much more in common with his than with the one of most other humans I have ever met – not talking about those, which I have not met and will never meet, who live in totally different environments and cultures.
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Kommentar zu Kim Socha „Animal Liberation and Atheism“

Kim Socha ist Universitätsprofessorin für Englisch an der Indiana University of Pennsylvania in den USA und Tierbefreiungsaktivistin. Sie hat mir netter Weise ihr neues Buch zu Tierbefreiung und Atheismus geschickt, um es zu kommentieren. Laut einer Studie von 2010, die im Buch zitiert wird, sind weltweit 32% aller Menschen ChristInnen, 23% Moslems, 15% HinduistInnen, 7% BuddhistInnen, 6% AnhängerInnen von Naturreligionen, 0,2% JüdInnen und 1% zugehörig zu anderen Religionsgemeinschaften. D.h. immerhin, dass 16% der Menschen agnostisch oder atheistisch eingestellt wären. Doch Socha geht es darum, zu zeigen, dass ausnahmslos alle Religionen anthropozentrisch und speziesistisch sind, es lasse sich ganz grundsätzlich nicht religiös für Tierbefreiung argumentieren. Die Autorin benutzt dafür als Metapher die Sage von Prokrustes. Dieser Riese der griechischen Mythologie ließ Wanderer zwar bei sich übernachten, passte sie aber in der Größe seinem Bett an, indem er ihnen die Beine abhackte oder sie streckte, anstatt für sie eine passende Schlafstätte zu finden. Das, so Socha, zeichne auch alle religiösen Argumente für Tiere aus: die Bibel z.B. würde gestreckt oder beschnitten, um tierfreundlich interpretierbar zu werden, man deute das Neue Testament so um, dass Jesus vegan wird, usw. Wer gegen alle Formen der Unterdrückung von Tieren ist, müsse jede Religion fallen lassen, aber auch umgekehrt, wer AtheistIn ist, müsse für Tierbefreiung sein. Letzteres folge aus der evolutionären Verwandtschaft von Tier und Mensch.
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Speziesismus: psychoanalytische Kulturtheorie und Sozialwissenschaft

Ich wundere mich oft über religiöse Personen, die ständig von übernatürlichen Ereignissen sprechen, die sie beeinflussen sollen, und nach denen sie sich in ihrem Handeln richten, ohne dass sie auch nur im Entferntesten etwas darüber wissen könnten. Natürlich ist allen selbst überlassen, was sie glauben wollen, aber dennoch bin ich immer wieder ehrlich überrascht, wie überzeugt jemand von etwas sein kann, ohne den geringsten Beleg dafür zu haben. Zunehmend muss ich nun sehen, dass sich diese Haltung nicht auf religiöse Menschen bzw. TheologInnen beschränkt. In einigen Bereichen der sogenannten Geistes“wissenschaften“, namentlich in den Kultur- und Sozial“wissenschaften“, ist man offenbar auch ohne weiteres zu Ähnlichem in der Lage.

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Der Anthropozentrismus der Sozialwissenschaften

Als Naturwissenschaftler war ich kürzlich auf meiner ersten sozialwissenschaftlichen Konferenz. Mein spontaner  Eindruck: ein esoterisches und kein wissenschaftliches Treffen. Das deshalb, weil überhaupt keine empirischen Fakten präsentiert wurden, keine Statistik, wie ich es mir erwartet hätte, und keine in irgendeiner Form belegbaren oder überprüfbaren Aussagen. Dazu gab es ständig Seitenhiebe auf die Naturwissenschaften, als wäre das ein Erkennungsmerkmal „dazu“ zu gehören. Da wurde gesagt: „Das Schönheitsideal in der Mode ändert sich wie die Paradigmen in der Naturwissenschaft, abhängig davon, wer Macht und Einfluss hat.“ Oder: „Der Unterschied zwischen Pseudowissenschaft und Naturwissenschaft ist schwer zu definieren, vielleicht gibt es keinen.“ Und: „Die Mathematik wurde auf die Natur gepresst, um diese dem menschlichen Willen zu unterwerfen.“
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Ist das Atom ein Perpetuum Mobile? – Abschied vom epistemologischen Anthropozentrismus

AtomLange hat man dieses Gespenst verfolgt und zu fangen versucht, das Perpetuum mobile, ein sich immer bewegendes und Arbeit leistendes, physikalisches System. Aber, ähnlich wie die Goldherstellung in der Alchemie, wurde ein Perpetuum mobile nie gefunden. Es widerspricht dem Naturgesetz der Energieerhaltung. Doch dreht sich im Wasserstoffatom nicht ein Elektron wie ein Perpetuum mobile ewig um ein Proton im Atomkern, ohne Energie zu verlieren?
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Kants a priori, Anthropozentrismus und Tierschutz

Malerei von Hartmut Kiewert, auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe ausgestellt

Malerei von Hartmut Kiewert, auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe ausgestellt

Gerade noch scheinbar rein akademisch über Kant und sein a priori philosophiert, siehe http://www.martinballuch.com/?p=3499, holt mich schon die Realität ein. Auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe trägt eine Universitätsprofessorin aus Finnland vor. Ihre These: dass wir die Leidensfähigkeit für so einen wichtigen ethischen Wert halten, sei nur menschliche Intuition, nicht mehr. Ja, „all thinking, all knowledge is human intuition, there can be no understanding of an objective reality“. Und diese Ansicht würden heute immer mehr AkademikerInnen teilen. Ihre Schlussfolgerung in Sachen Tierschutz: alle unsere Werte seien anthropozentrisch und dürften daher nicht auf nichtmenschliche Tiere angewandt werden. Es sei also nur anthropozentrisch zu sagen, ich möchte all jenen, die Leiden empfinden können, kein Leid zufügen.
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Die Zahlen – eine komplexe Welt

Okternionen geometrisch dargestellt

Okternionen geometrisch dargestellt

Nehme ich von drei Äpfeln zwei weg, bleibt einer übrig. Gebe ich zwei Äpfel zu einem hinzu, erhalte ich drei. Konkrete Dinge lassen sich zählen und voneinander abziehen oder zusammenaddieren. Man nennt diese Zahlenfolge mit der Addition und Subtraktion die natürlichen Zahlen eins, zwei, drei usw. Diese Zahlen können wir darstellen, indem wir zumindest zwei verschiedene Symbole benutzen, z.B. 1 und 2 (d.i. die binäre Darstellung: drei = 11, vier = 12, fünf = 111 usw.). Leichter und für uns gebräuchlich ist die Dezimaldarstellung mit 10 verschiedenen Symbolen 0,1,..9. Aber die Darstellungsform ist egal, wesentlich ist die Substanz dahinter: drei – zwei = eins, in allen Darstellungen, egal mit welchen Symbolen. Die Wirklichkeit muss darstellungsunabhängig sein.
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Kant, die klassische Logik und die Quantenwelt

P1000379Das größte Mysterium dieser Welt war für mich immer schon die Frage, wieso die Mathematik so unheimlich gut in die physikalische Welt passt. Ja, meinem Eindruck nach scheint die Welt eher mathematisch als physikalisch zu existieren. Wer die mathematische Beschreibung nur für ein Modell der Wirklichkeit hält, das lediglich so ungefähr den Experimenten entspricht, den würde ich gerne Fragen ob z.B. die Erhaltungsgrößen Energie und Impuls nur so ungefähr oder nicht doch exakt erhalten sind. Ist da nicht die mathematische Gleichung, die diese Erhaltung exakt beschreibt, der Wirklichkeit näher, als das Experiment (also die Erfahrung), das immer mit einem Fehler behaftet ist?
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Ein großer Triumph der Naturwissenschaft: das Higgs Boson wurde gefunden!

Das Buch von Oxford University Press kann ich nur empfehlen!

Das Buch von Oxford University Press kann ich nur empfehlen!

Der Mensch neigt dazu, wie vermutlich die meisten anderen Tiere, Vorgänge teleologisch zu interpretieren. D.h. er erwartet hinter jedem Vorgang ein agierendes Subjekt, das den Vorgang absichtlich ausgelöst hat und dadurch etwas Konkretes bezweckt. Diese Erwartungshaltung hilft vielleicht unter üblichen Bedingungen, Gefahren abzuwenden und Subjekte zu besänftigen oder abzulenken. Aber es führt auch oft ins Abseits.

Man wandert in der Landschaft in einem Unwetter und plötzlich schlägt ein Blitz neben einem ein. Ohne weitere Information geht der betroffene Mensch dann davon aus, ein ziemlich mächtiges Subjekt wird diesen Blitz geschleudert und damit etwas bezweckt haben. War es eine Warnung? Habe ich in letzter Zeit etwas falsch gemacht? In verwerflichen Tierversuchen hat sich gezeigt, dass Ratten gegenüber unkontrollierbaren Ereignissen im Käfig alle möglichen Rituale entwickeln, von denen sie offenbar hoffen, dass sie dazu führen, dass sich schöne Ereignisse eher wiederholen und schlimme Ereignisse eher nicht. Ähnlich beim Menschen: der Wetterzauber soll den Blitz abweisen, in den Raunächten wird das Haus geräuchert, um Blitze vom Haus abzuwenden, vielleicht betet man innig zu einem oder mehreren GöttInnen und nimmt sich fest vor, etwas, von dem man vermutet diese GöttInnen mögen es nicht, auch nicht mehr zu tun.
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