Philosophie

Unfassbar: Plädoyer für Tiere als Sachen von Georg Geismann an der Uni Wien!

Seit 1989 steht im Österreichischen Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Zivilrecht, in Paragraph 285a der Satz „Tiere sind keine Sachen“. Zwar, wir wissen es alle, wird das im nächsten Satz desselben Paragraphen relativiert, dass also auf Tiere dennoch bis auf Weiteres das Sachenrecht anzuwenden ist, und zwar wissen wir ebenso, dass § 285 a bisher in allen Gerichtsverfahren, in denen wir ihn zu verwenden versucht haben, keine konkrete Anwendung hatte, er sozusagen als Nullgesetz ohne Konsequenz gehandelt wird, so ist doch unbestritten, dass der parlamentarischen Entscheidung zu § 285a eine politische Botschaft zugrunde liegt: es ist falsch, Tiere als Sachen anzusehen. Tiere sind de facto keine Sachen, sie können fühlen, erleben die Welt subjektiv bewusst und können daher auch bewusste Entscheidungen auf Basis dieser Erlebnisse treffen. D.h. sie haben eine Persönlichkeit, die ihre eigene Sicht auf die Welt bedingt und die ihre Entscheidungen, wie sie handeln wollen, prägt.

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Wildlife suffering – wildlife intervention?

A new proposal is floating through the movement, wildlife intervention to prevent wildlife suffering. If you are new to this topic, you might be forgiven for thinking wildlife suffering is referring to hunting, or trapping, or „pest control“ or car accidents. No, it is not. The proponents of this idea are talking about the, as they call it, „most abundant animal suffering on the planet“, the suffering of wild animals due to interpersonal conflict between themselves, predation and natural hardship. The solution proposed ranges from extending civilizational technologies into the wild to genetic modification of predators so that they become natural vegans. If you think that is a fringe issue, maybe it is, hopefully, actually, but I hear some people are preparing a conference on solely that question in Berlin next year.

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Radical Utilitarianism – a new rift in the animal movement

20 years ago, the primary line of conflict within the animal rights movement was between grassroots groups and big national organisations. The former claimed the latter were too mainstream, only after money and image without being effective, and not idealistic anymore. The other lamented the opposite, too radical, too scruffy, too non-conformist, too violent and without effect as well. The arguments circled around the justification and effectivity of illegal direct action and other than public pressure on the animal abuse industry.

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Tierschutz als Tischsitte – Eindrücke aus dem Nordiska Museet in Stockholm

Mit der Zivilisierung des Bürgertums, mit seinen Tischsitten und dem Ende von Folter und öffentlichen Hinrichtungen, ging auch das Verbannen der Tötung der Tiere aus dem öffentlichen Raum einher. Das mag eine parallele Entwicklung sein, oder Ausdruck ein- und derselben Distanzierung von Tieren und der Natur. Letzterem entsprechend wäre Tierschutz als gesellschaftliches Phänomen gar nicht aufgrund eines höheren Respekts gegenüber Tieren entstanden, sondern nur Ausdruck einer besonderen Form von „Sauberkeit“ bzw. „Anständigkeit“, wie Tischsitten eben. Diesen Verdacht habe ich bereits im Nachwort meines Buches „Der Hund und sein Philosoph“ geäußert.

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Wenn ein Stier einen Torero tötet

Vorgesehen ist das offenbar nicht als möglicher Ausgang dieses lächerlich machohaften, tierquälerischen Spektakels, dass der Stier einmal den Torero tötet, statt umgekehrt. Warum sonst die Aufregung? Rasch wird nicht nur der „Mörder“, wie man den Stier in den spanischen Medien nennt, umgebracht, sondern auch seine Mutter, damit nicht weitere „Mörder“ geboren werden. So hart sind die Herren und Damen Toreros dann offenbar doch nicht.

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Leidminimierung bei Konflikten unter Wildtieren?

Kürzlich bei einer Konferenz über Effektiven Altruismus in Berlin hielt jemand einen Vortrag über das Leid von Wildtieren, wenn sie in der Kälte ohne Heizung in der Wildnis stehen, oder wenn sie sich gegenseitig töten und essen. Dieses Leid, so der Vortragende, sei wesentlich schlimmer weil von der Anzahl betroffener Tiere her größer, als das Leid der sogenannten Nutztiere in Tierfabriken. Seine Tierschutzgruppe würde deshalb wild lebende Paarhufer in Spanien im Winter füttern. Bei einem anderen Vortrag wurde sogar gesagt, es sei gut, wenn ein wilder Wald abgeholzt und zubetoniert werde, weil dann gibt es weniger Lebensraum für Wildtiere und diese leiden doch so viel, sodass es global gesehen weniger Leid bedeutet, wenn es weniger Wildtiere gibt.

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Computer Artificial Intelligence (AI) kann niemals zu Bewusstsein führen

Sie werden doch immer besser, die Computer. Jetzt hat kürzlich das Programm eines Supercomputers sogar einen der weltbesten Go-Spieler, ich glaube aus Südkorea, besiegt. Und ich erinnere mich noch gut, so Ende der 1990er Jahre, als der erste Computer den regierenden Weltmeister im Schach schlug. Na, wer so gescheit ist und so komplexe Probleme lösen kann – noch besser als Menschen – der muss doch Bewusstsein haben, oder?

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Autonomie der primäre Wert: das emotionale Argument

Es wirkt zunächst so plausibel: da leidet jemand, aber wer will schon leiden, also ist es besser, dieser Jemand leidet nicht oder weniger, also ist Leidvermeidung gut. Diese Schlussfolgerung setzt aber nicht nur voraus, dass kein leidensfähiges Lebewesen leiden will, sondern auch, dass es die ethische Verpflichtung gäbe, den Willen leidensfähiger Lebewesen zu ignorieren und sie zu ihrem Glück, nicht leiden zu müssen, zu zwingen, wenn man meint, es besser zu wissen.

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Autonomie der primäre Wert: das theoretische Argument

In letzter Zeit ist es immer öfter zu hören, obwohl ich es schon längst für völlig diskreditiert halte: der primäre Wert in der Ethik sei Leidvermeidung bzw. Leidminimierung. Wirklich seltsam, dass das so vielen Menschen so leicht über die Lippen kommt. Vielleicht minimieren gewisse Tierversuche das Gesamtleid aller Wesen auf der Erde, aber ist das den benutzten Tieren gegenüber gerecht? Warum schließen wir dann Menschenversuche zum Vorteil der Menschheit aus? Tierrechte schützen genau davor, unschuldig für den Vorteil anderer herhalten zu müssen. Tierrechte und Leidminimierung schließen sich also gegenseitig aus. Gar nicht zu reden von Tierbefreiung, d.i. die soziale Befreiung von menschlicher Dominanz und menschlichem Paternalismus. Nun, was soll es sein, Leidvermeidung oder Tierrechte bzw. Tierbefreiung? Ist das einfach Sache der persönlichen Vorliebe?

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Bemerkungen zum Utilitarismus: Leid ist nicht Leid

Wollen wir keine willkürlichen Werte definieren, und keine willkürlichen metaphysischen Annahmen voraussetzen, dann ist der unmittelbarste Zugang zu ethisch gut oder schlecht die Bewertung der Gefühle von Leiden und Glück. Leid fühlt sich definitionsgemäß schlecht an, Glück gut, also ist Leid universal schlecht und Leidvermeidung gut, ebenso wie umgekehrt die Behinderung von Glücksgefühlen schlecht und ihre Vermehrung gut ist. Das beschreibt, in aller Kürze, die scheinbar eingängliche Begründung des Utilitarismus.
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