Jagd

Wenn „Stücke“ „zeichnen“ – der Film „Safari“ von Ulrich Seidl

„Stücke“ ist der jagdliche Terminus für „Tiere“ und „Zeichnen“ ist das Aufbäumen, wenn sie getroffen werden. Das lernt man in Ulrich Seidls Film. Und noch mehr. Er schieße in einer Afrikanischen Hunting Lodge in Namibia auf Gnus und Gazellen mit besonders großen Hörnern, um sie zu „erlösen“, erklärt ein junger Mann seiner Schwester vor laufender Kamera. Jaja, sterben müssen wir alle, fügt er an. Und der Besitzer der Farm, beim fröhlichen Füttern von Warzenschweinen zu sehen, die dann auch bald zahlenden Jagdgästen zugeführt werden, meint, er müsse sich nicht rechtfertigen. Menschen seien nun einmal schlecht und der Natur würde es viel besser ohne sie gehen, sagt er noch, und führt sich auf wie der ärgste Barbar. Die Farm stammt aus der deutschen Kolonialzeit, die Meinung des Betreibers passt dazu. Scharze seien nun einmal anders. Im Film kommen sie nicht zu Wort. Regisseur Seidl stellt eine Afrikanerin zwischen die Trophäen und die ZuschauerInnen wissen warum.

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Wenn die Jäger überschnappen: Es war einmal in der Obersteiermark …

Im Alter von 4 Jahren habe ich meine erste mehrtägige Bergtour unternommen und bin seither immer wieder unterwegs gewesen, im Mittel 100 Tage im Jahr. Natürlich sind mir dabei auch ab und zu narrische Jäger und Jägerinnen begegnet, wie z.B. einer aus dem Gebüsch sprang und herumschrie, ich solle mich nicht wundern, wenn er mich erschieße, statt dem Hirsch, den er gerade schießen will, wenn ich mich um die Uhrzeit hier aufhalte. Es war 15 Uhr und ich saß mit meiner Mutter auf einer Bank an einer Forststraße neben dem Annakreuz. Ich habe auch Jäger dabei erwischt, wie sie Markierungen von Wanderwegen entfernt haben, gefälschte Schilder „Wildschutzgebiet“ aufgestellt haben, oder generell Wanderer mit falschen Behauptungen von Wegeverboten angegangen sind. Aber was ich an diesem Wochenende in der Obersteiermark erlebt habe, schlägt wirklich dem Fass den Boden aus. So verrückt waren sie noch nie.

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Ein Ethik-Kodex für die Jägerschaft

Auf der jagdlichen Fachtagung in Stainz in der Steiermark im November 2015 forderte Rudolf Winkelmayer einen Paradigmenwechsel in der Jagd. Ausgelöst dürfte diese Ansicht durch mehrere Faktoren sein. Da ist einerseits der Umstand zu nennen, dass die heutigen Jagdgesetze nicht nur keinen Tierschutz kennen, die Ausübung der Jagd ist sogar aus dem Tierschutzgesetz explizit ausgenommen. Zwar könnte man die geforderte Weidgerechtigkeit als eine Art von Tierschutz ansehen, doch trifft das in weiten Bereichen nicht zu, wenn nur auf laufende Hasen und fliegende Vögel geschossen werden darf. Das mag den Tieren eine bessere Chance zu entkommen geben, aber die Jagd sollte ja nicht eine Art Wettbewerb auf Kosten der Tiere sein. Auf bewegliche Ziele zu schießen erhöht jedenfalls die Wahrscheinlichkeit, nicht genau zu treffen, und damit die Verletzungsgefahr.

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Die Gatterjagd im „Tiergarten“ Esterhazy im Burgenland

Ähnlich wie den Lainzer Tiergarten als ehemaliges kaiserliches Jagdgatter in Wien, gibt es auch nordöstlich von Eisenstadt ein historisches Gatter, das 1756 gegründet wurde, der Familie Esterhazy gehört und von einer Mauer umgeben ist. Dort werden Rothirsche, Wildschweine, Mufflons, Damhirsche und Rehe gezüchtet und vor allem ausländischen Jagdgästen zum teuren Abschuss angeboten. Aus der Werbung: Durch die kontinuierliche Aufbauarbeit ist der Tiergarten heute eines der wenigen Jagdgatter Europas, in dem stärkste Trophäen beim Rot-, Schwarz- und Muffelwild auf gleicher Fläche heranwachsen und zum Abschuss freigegeben werden.

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Dieter Nagl vom Öffentlichkeitsausschuss des nö Landesjagdverbands bezeichnet mich als „Abschaum“

Irgendwie gehen dem fanatischen Teil der Jägerschaft gerade die Sicherungen durch. Aus allen Ecken und Enden des Landes hört man Ordnungsrufe der Führerschaft unter den JägerInnen, man dürfe auf gar keinen Fall mit mir oder anderen TierschützerInnen zusammenarbeiten. Und gegen jene, die das doch tun, wird scharf geschossen.Vorerst noch nur mit Worten, doch wenn man den Schuss auf mich aus dem Jagdgatter Hausbrunn betrachtet, siehe http://www.martinballuch.com/anzeige-wegen-mordversuch-bei-gatterjagd-hausbrunn/, dann ist mit allem zu rechnen. Diese Leute tragen tödliche Schusswaffen! Einer davon ist Dieter Nagl, seines Zeichens Mitglied des Öffentlichkeitsausschusses des niederösterreichischen Landesjagdverbands. Und in einem Posting zu seiner Facebookgruppe bezeichnet er mich als „Abschaum“.

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Das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz von Baden-Württemberg in Deutschland

Unsere Kampagne gegen die Jagd auf Zuchttiere hat Reformprozesse zu den Jagdgesetzen der Bundesländer ausgelöst. Das ist sehr gut, wenn nun der Tierschutz erstmals dabei Gehör finden sollte. Dazu werde ich öfters gefragt, ob es vom Standpunkt des Tierschutzes aus ein sehr gutes Jagdgesetz gibt, das man sich als Vorbild nehmen könnte. In diesem Zusammenhang wird oft das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz in Baden-Württemberg in Deutschland genannt, das erst im Sommer 2015 in Kraft getreten ist. Im Zuge der Beschlussfassung zu diesem Gesetz gab es angeblich Demos von tausenden aufgebrachter JägerInnen, die zu viel Tierschutzeinfluss befürchteten. Auch in Österreich hat sich der nun schon sattsam bekannte fanatische Jäger Rudolf Gürtler vehement gegen dieses Gesetz ausgesprochen. Grund genug, sich das Ganze einmal genauer anzuschauen.

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Kommentar zum Ökologischen Jagdverband

Ich habe ein ethisches Ideal, und das ist ein möglichst gewaltfreier Umgang mit allen Tieren. Sie sind autonomiefähige Lebewesen und aus Vernunftgründen, wie Kant uns lehrt, sollten wir daher ihre Autonomie respektieren. Aber ich lebe in einer realen Welt, in einer Gesellschaft, die ganz anders tickt, und daher gehe ich die Sache pragmatisch an. Während ich in meinem Leben die Autonomie aller Tiere so weit, wie es mir möglich ist, respektiere, arbeite ich politisch mit allen Organisationen und Menschen zusammen, die bereit sind, zunächst einmal in dieselbe Richtung zu gehen.

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Reaktion der Hardcore Jägerschaft 2: Brief von Rudolf Gürtler

Rudolf Gürtler ist kein Unbekannter. Schon vor 15 Jahren belästigte er uns bei unseren Kundgebungen am Stefansplatz in Wien und erzählte stolz, wie er in seinem Jagdrevier am Hochschwab Tiere totschießt. Nach dem Tierschutzprozess rief er dazu auf, einen Fonds zu gründen, um mich mit ständigen Zivilklagen mudtot zu machen, siehe http://www.martinballuch.com/jager-will-detektive-auf-tierschutzvereine-ansetzen/. Er war es auch, der die harmlosen Mountainbiker in Lilienfeld durch Klagen disziplinieren wollte und der bei Verfassungsgericht beanstandete, dass das Tierschutzgesetz in seine Eigentumsrechte eingreift, wenn es ihm verbietet, seine Jagdhunde mit Elektroschockgeräten zu traktieren. Und dieser Rudolf Gürtler hat nun ein Rundschreiben verfasst, das ich kommentarlos online stellen will, weil es sich selbst ad absurdum führt:

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Reaktion der Hardcore Jägerschaft 1: Stellungnahme Landesjagdverbände

Ich bin immer für Gespräche und die Ausarbeitung von Kompromisslösungen. Bisher wirkte die gesamte Jägerschaft auf mich so, als wäre sie grundsätzlich nicht gesprächsbereit. Im Rahmen unserer Kampagne gegen die Jagd auf Zuchttiere aber, begann sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Eine ganze Reihe auch einflussreicher JägerInnen kontaktierten mich und waren an Zusammenarbeit und gemeinsamem Vorgehen interessiert, bis heute erreichen mich fast täglich neue Emails interessierter JägerInnen, einer darunter sogar vegan oder eher „jegan“, ein Mann, der vegan lebt mit Ausnahme von Wildbret, das von Tieren stammt, die er selbst schießt. Ich bin für Zusammenarbeit und pragmatische, reale Lösungen, so wie im Fall des Lainzer Tiergartens.

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40 Jahre Jagdverbot im Kanton Genf – eine Bestandsaufnahme

Kommen wir ohne die Jagd aus oder nicht? Wie oft hören wir, dass die Populationen vieler Wildtiere, oder zumindest der Paarhufer, reguliert werden müssen, weil sie sonst überhand nehmen. Fehlen Luchs, Wolf und Bär? Oder bedeutet das Überhandnehmen lediglich einen Profitverlust für Forst- und Landwirtschaft? Oder ist es tatsächlich auch für die betroffenen Tiere und/oder ihr Ökosystem besser, wenn Menschen regulierend eingreifen? Zahlen und Fakten als Antwort auf diese Fragen zu finden ist sehr schwer. Niemand hat dazu ein ausreichend umfassendes Experiment gemacht. Jene winzigen Regionen in Österreich, in denen nicht gejagt wird, sind so mit bejagten Revieren verzahnt und verflochten, dass man nicht sagen kann, was passieren würde, wenn es tatsächlich völlig ungeregelte Populationen von Paarhufern gäbe.

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