Tierversuche

Tierexperimentator Hess gewinnt Einstweilige Verfügung: ich darf seine Tierversuche vorerst nicht mehr kritisieren!

Das ist genau der Grund für die sogenannten SLAPPs: irgendwann irgendwo findet man eine Richterin oder einen Richter, die einem Recht geben, auch wenn man überhaupt nicht Recht hat. Das Risiko für die AktivistInnen aus der Zivilgesellschaft ist ungleich höher, steht hinter ihnen eben keine große Institution oder gar Universität, die lächelnd für alle Unkosten aufkommt. Im vorliegenden Fall habe ich lediglich aus einer Beschreibung des Tierversuchs, die von Hess selbst stammt, zitiert. Die Richterin war nun der Ansicht, ich müsse auch die andere Begründung für die Tierversuche, die Hess nennt, erwähnen, nämlich dass er quasi aus Tierliebe handelt. Alles andere werde mir unter Strafe gerichtlich untersagt. Schon ein ziemlich starkes Stück.

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Eine neue Technik der Genmanipulation – wo bleibt die öffentliche Diskussion?

Schon einmal von Cas9 CRISPR gehört? Das New Scientist war außer sich vor Freude. Eine neue Technik der Genmanipulation wurde entwickelt, mit der man rasch, billig und ganz exakt Gene austauschen kann. Ja, wie freut sich da das TechnikerInnen-Herz, wie wird schon von der ach so spannenden Zukunft fantasiert, wenn man natürlich alle Krankheiten genetisch entfernen kann und wir endlich glücklich und gesund – vermutlich bis in alle Ewigkeiten leben, weil ja auch die Altersgene ausgetauscht werden. Es sei Zeit für eine öffentliche Diskussion, meinen die WissenschaftlerInnen zuletzt, will man das Ganze doch endlich auch auf die Menschen anwenden, das Designerbaby lockt. Wir könnten sogar die Intelligenz des Gehirns verzigfachen, wie wunderbar!

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Bankrotterklärung: Wissenschaftsministerium gibt wertlosen Kriterienkatalog in Begutachtung

Als im Jahr 2010 die EU-Richtlinie zu Tierversuchen bekannt wurde, begann die Reformdiskussion zum veralteten österreichischen Gesetz von 1989. Das Erschreckende dabei war und ist allerdings, dass diese Richtlinie eine sogenannte Deckelungsrichtlinie ist, d.h. es ist den Nationalstaaten in der EU nicht erlaubt, Tierversuche strenger als diese Richtlinie zu regeln. Das zeigt die ungeheure Macht der Tierindustrie und allen voran der Pharmafirmen. Bisher war es im Tierschutz immer selbstverständlich, dass jene Länder mit einer längeren Tierschutztradition, mit strengeren Regelungen vorangehen können. Nun hat man erstmals den Tierschutz nicht nur festgefroren, sondern die Tierschutzstandards aufs unterste Niveau nivelliert. Im Gegenzug wurde die sehr erfolgreiche EU-weite Bürgerinitiative mit deutlich über den vorgeschriebenen 1 Million beglaubigten Unterschriften gegen Tierversuche einfach ignoriert. Das ist Tierversuchspolitik in der EU und in Österreich: die kritische Mehrheitsmeinung wird völlig außer Acht gelassen.
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Zur Diskussion über Tierversuche im Hangar 7 bei Servus TV

Die Frage der Tierversuche ist ein komplexes Thema. Im Für und Wider spielen viele Aspekte mit hinein, die eine Diskussion oft nicht einfach machen. Plattitüden sind jedenfalls hier fehl am Platz, denke ich. Manche Menschen z.B. identifizieren Tierversuche mit Wissenschaft, und Wissenschaft wiederum mit einem mechanistisch-materialistischen Bild vom Menschen, mit der Schulmedizin als chemisch-technischer Holzweg, der nie zu menschlicher Gesundheit führen kann. Ich aber bin mit Herz und Seele Naturwissenschaftler, und ich halte sehr viel von der Schulmedizin, und trotzdem plädiere ich für ein völliges Ende aller Tierversuche. Meine Bedenken sind in allererster Linie ethisch.
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Anthropozentrismus in den Naturwissenschaften? Ein Leserbrief an New Scientist

An Letters@newscientist.com

Dear editors,

I am bewildered, to say the least, by the amount of naive anthropocentrism, which I came across reading your issues 3019 and 3020 from May 2015. It starts with an article suggesting that reality is a fiction of human consciousness. Well, reality might be a fiction of MY consciousness, but what could be so special about the consciousness of a particular group of apes that should give rise to reality collectively? What do all humans alive right now have in common that could merrit such a strange conclusion? I live with a dog, and quite frankly my conscious experience of nature, affection and social support has much more in common with his than with the one of most other humans I have ever met – not talking about those, which I have not met and will never meet, who live in totally different environments and cultures.
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Tierversuche: die Crux mit der Grundlagenforschung

Naturwissenschaft ist eigentlich Philosophie, wenn sie sich der Frage widmet, was ist und wie es ist, welche Naturgesetze es gibt und wie sich die Realität dadurch gestaltet. Das war auch für mich immer die Faszination an der Naturwissenschaft, mit den Mitteln des kritischen Rationalismus die Welt um mich verstehen zu lernen. Naturwissenschaft mit einem konkreten Anwendungsziel ist Technik, und das empfinde ich als Vergewaltigung der hehren Wissenschaften. Ich bin also prädestiniert dafür, den Antrieb zur Grundlagenforschung nachvollziehen zu können. In meinen 12 Jahren als Forschungsassistent an verschiedenen Unis habe ich nichts anderes gemacht.
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Besuch bei den SchimpansInnen in ihrem Refugium Aiderbichl in Gänserndorf

P1000208kleinMit diesen Tieren verbindet mich eine lange Geschichte, mit den SchimpansInnen aus dem Tierversuchslabor in Orth an der Donau, damals Immuno, heute Baxter, die nun endlich in Gänserndorf ein Freigehege und ein halbwegs autonomes Leben geboten bekommen. Wir haben vor dem Labor demonstriert, wir haben mit Immuno gestritten, wir haben letztlich die Rehab zum Safaripark Gänserndorf begleitet, der 2004 in einem Bankrott endete, und wir haben für die seitdem gestrandeten SchimpansInnen neue GeldgeberInnen gesucht, weil wir uns als VGT beim besten Willen die Übernahme nicht leisten konnten. Endlich war ab 2010 Aiderbichl finanzstark genug, die SchimpansInnen zu übernehmen, 2011 wurden die Freigehege gebaut. Die Eröffnung ging medial um die ganze Welt, http://www.youtube.com/watch?v=QG6k2FRrm_s, die erste Begegnung mit der Natur ist unheimlich berührend: http://www.youtube.com/watch?v=VG7e1PSYXTc.

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Nach Erfolg im Tierversuch fallen 95% der Medikamente beim klinischen Test durch

8672976526_73ac68a3d8_okleinGerade bei den zahllosen Diskussionen über unser neues Tierversuchsgesetz wurde von Tierversuchsseite immer und immer wieder betont, wie wichtig doch die Experimente an Tieren seien, um in der medizinischen Forschung auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Abgesehen davon, dass der Großteil an Tierversuchen nicht im Rahmen der medizinischen Forschung durchgeführt wird, ist auch diese Behauptung fragwürdig. Dazu gibt es einen neuen wissenschaftlichen Artikel von Thomas Hartung in ALTEX 30, 3/2013 und einen von Arrowsmith, J., 2012 in Nat Rev Drug Discov 11, 17-18. Das Ergebnis: 95% der neuen Medikamente, die nach Tierversuchen entwickelt wurden, werden nach klinischen Versuchen an Menschen ausgesondert und kommen nie auf den Markt. In 30-40% der Fälle ist das auf toxische Nebenwirkungen zurückzuführen, die an den Versuchstieren nicht zu beobachten waren. Hartung schließt: The animal tests are not sufficiently informative.

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Medizinische Versuche an Menschen: Resultate werden genutzt!

Die USA schon wieder. Zwischen 1920 und 1975 wurden mehrere 10.000 Soldaten der US-Armee für Versuche benutzt, bei denen es um Chemiewaffen und mögliche Schutzmaßnahmen bzw. Heilung von dadurch entstandenen Schäden ging. Die Soldaten hatten – aus Patriotismus, insbesondere in der nach 1945 aufgeheizten Stimmung des kalten Krieges und der gefühlten Bedrohung durch Kommunismus und Sowjetunion, die angeblich Chemiewaffen entwickelt hatte – freiwillig zugestimmt, sich als Versuchsobjekte benutzen zu lassen, allerdings ohne zu wissen, genau wofür. Das war nämlich ein Militärgeheimnis. Im Edgewood Arsenal Programm wurden zwischen 1958-1975 insgesamt 7800 Soldaten Kampfgasen wie VX (740 Testobjekte), Sarin (246 Testobjekte) und hunderten anderen Wirkstoffen ausgesetzt. Selbst die CIA durfte dort Drogen an Soldaten erproben, z.B. BZ und LSD.

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