Das erste Wolfsrudel in Österreich!

P1070728kleinÖsterreich habe das kleinste Heer aber den größten Truppenübungsplatz Europas, so sagt man spöttisch. Und tatsächlich, 157 km² als militärische Sperrzone für so ein kleines Land ist beachtlich. Aber der Platz hat eben seine Geschichte. 1938 nach dem Einmarsch ließ Hitler gleich als ersten Schritt diese Fläche räumen und die Menschen aussiedeln, um einen Platz für seine Kriegsspielübungen zu bekommen. 6800 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, 42 Ortschaften wurden aufgelöst, zahlreiche Einzelhöfe dem Verfall preisgegeben. Ob sich einige dieser 6800 Personen vorher noch über den „Anschluss“ gefreut hatten? Etwa 200 km² hatte der Truppenübungsplatz unter Hitler und mitten in der entvölkerten Region stand auch das Geburtshaus seines Vaters, das seitdem verfällt, siehe Bild. Neben den Mauerresten finden sich auch noch die Obstbäume von damals im dichten Gestrüpp.

Ohne Menschen ist der heutige Truppenübungsplatz Allentsteig ein Paradies für Wildtiere. Und genau dort haben sich nun endlich die ersten Wölfe in Österreich angesiedelt, nachdem sie vor 150 Jahren gezielt brutal ausgerottet worden sind. Der erste Einzelwolf dort ist im Juni 2015 gesichtet worden. Am 27. November 2015 fand man 3 Wolfsfährten am Riss einer Hirschkuh. Im August 2016 werden erstmals 5 Jungwölfe nachgewiesen! Österreich hatte damit endlich wieder ein eigenes Wolfsrudel! Der Vater ist auf einigen Fotos von Wildkameras zu sehen, etwa 60 kg schwer. Beeindruckend.

Seitdem jedenfalls gibt es ein passives (d.h. ohne einzugreifen, wie z.B. durch ein Besendern der Tiere) Wolfsmonitoring durch das Bundesheer. Und das ist wirklich vorbildlich, die Informationen können sich sehen lassen. Nun ist bereits Einiges über das Verhalten der Wölfe bekannt. Aus Kot und Blutspuren konnten für sämtliche Individuen deren Gensequenzen erfasst werden.

P1070700kleinEin erwachsener Wolf, so der bisherige Stand der Dinge, benötigt etwa 6-8 kg totes Tier pro Tag. Für das Jahr 2017 wird mit einem Bedarf von 13,5 Tonnen Tierkörper für das gesamte Rudel gerechnet. Das wären etwa 45 kg oder 3 Rehe pro 100 ha Jagdrevier und Jahr. Im Truppenübungsplatz Allentsteig jagen die Wölfe aber hauptsächlich Hirsche, und da natürlich mehrheitlich Jungtiere oder Kranke. Es gebe eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands der Hirschpopulation, berichten die Fachleute von vor Ort.

Am Truppenübungsplatz werden Hirsche an 16 Stellen gefüttert. Begründet wird das zwar mit der Ablenkung der Tiere aus dem Wald, aber die Population ist zweifelsohne unnatürlich hoch, man sieht zahlreiche Zäune, um Baumverjüngungen zu ermöglichen. In Wahrheit werden Abschüsse der Hirsche verkauft und da will man eben aus Profitgründen eine hohe Population. Und deshalb greifen die Wölfe hier ebenfalls zu. Der Verbrauch der Wölfe ist aber nur 20 % bzw. ein Fünftel dessen, was von Menschen geschossen wird. Laut Sprecher des Truppenübungsplatzes sei dennoch kein Platz für ein zweites Wolfsrudel in dem Gebiet, dazu wären die vorhandenenen Wölfe zu territorial.

Der Vorteil des Truppenübungsplatzes ist jedenfalls, dass sich darauf keine Nutztiere befinden. Sämtliche Wolfsrisse betreffen also dort lebende Wildtiere. Und dennoch lässt man seitens der Jägerschaft die Medien über die „Verluste“ jammern. Aber halt, war das Argument nicht immer umgekehrt, die Jägerschaft müsse die Großraubtiere ersetzen, weil es diese leider nicht mehr gebe? Da müssten wir uns doch freuen, wenn uns Wölfe das Wildtiermanagement abnehmen und wir endlich keine Tiere mehr selbst töten müssen, oder?

P1070694kleinAm 8. Juli durfte ich an einer Exkursion in das Wolfsgebiet teilnehmen, die sehr informativ war. Zwar haben wir die Wölfe natürlich nicht gesehen, aber immerhin deren Ausscheidungen. Zum ersten Mal habe ich den Kot eines heimischen Wolfes fotografiert (siehe Bild)! Die Landschaft ist für meine Begriffe außergewöhnlich, nur ein Drittel ist Wald, ein weiteres Drittel Brachflächen (für die Kriegsspiele) und der Rest Haine, Wiesen und Büsche. Wirkt wie eine Savanne. Wäre ein idealer Lebensraum für den Europäischen Bison. Ob man den nicht dort eines Tages wird aussetzen können? Würde mich unendlich freuen!

Bleibt zu hoffen, dass die junge Wolfsfamilie überleben und sich vermehren darf. Überall schreien die Eiwggestrigen nach Abschießen und erneuter Ausrottung. Es soll keinen Platz für Wildtiere in Österreich geben, für ein intaktes Ökosystem ohne menschliche Eingriffe. Immer muss der Profit vorgehen. Vielleicht ist ein Wolf-Watching, also Exkursionen ins Wolfsgebiet mit den entsprechenden Ausführungen von Fachleuten, eine Möglichkeit, aus der Präsenz der Wölfe Profit zu schlagen, weil ohne Profit scheinbar nichts nachhaltig geschützt werden kann!

Ich hoffe jedenfalls sehr, dass sich die Wolfspopulation möglichst bald bis zu mir in die Obersteiermark ausbreitet. Das wäre etwas, wenn ich abends draußen in der Wildnis die Wölfe heulen hören könnte! Ob ich das noch erleben darf?

7 thoughts on “Das erste Wolfsrudel in Österreich!

  1. Gobius sagt:

    Hallo Herr Balluch,

    unabhängig ob man pro oder kontra Wolfsansiedlung ist, sollte man, um in der Diskussion nicht als blauäugig dazustehen, einen schnellen Internet Resarch durchführen:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Wolf_attacks_on_humans
    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_wolf_attacks
    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_wolf_attacks_in_North_America

    Um sich selbst ein Bild davon zu machen, ob man mit Kindern beim Schwammerlsuchen einem 60kg Rüden begegnen will empfehle ich einen Wolfsspaziergang im Wolf Science Center in Ernstbrunn (http://www.wolfscience.at/de/besuchen/buchungsprogramm/) vor. Weiters sollte man sich bei der Gelegenheit auch bei den Mitarbeitern nachfragen, was die Gründe für ein Mindestalter von 18 Jahren sind……..

    Beste Grüsse

  2. Anonymous sagt:

    Sehr geehrter Herr (akademische Grade ob deren Anzahl und Länge nicht angeführt) Balluch,

    Herzlichen Dank für den ersten Absatz diesens Artikels welcher die Entstehungsgeschichte und den Ursprung des Truppenübungsplatzes beschreibt, sehr interessant, wobei allerdings zu den darauffolgenden Absätzen, als bereits zum vorangehenden Artikel selbiger Thematik, eine subjektive Auffassugsdiskrepanz besteht.
    Im Zuge der Evolution haben sich eine Vielzahl unterschiedlichster Organismen entwickelt, deren Bestand und Bestehen zum Teil von der Adaptionkapazität an äußere Umwelteinflüsse und diversen anderen natürlichen Selektionsfaktoren nennenswert beinflusst wird. Je nach Fauna und Flora, um für die folgenden Betrachtungen bei der Fauna zu bleiben, sind je nach Domäne, Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Tribus und Gattung unterschiedliche Arten entstanden, welche verschiedene ökologische Nischen besetz(t)en mit dem Ziel der weiteren Vermehrung und infolgedessen Arterhaltung. Manche dieser Organismen entwickelten sich zu Karnivoren, deren einzige, hauptsächliche und oder partielle Art de Nahrungsaufnahme die Vertilgung und Einverleibung andere Organismen, zumeist Herbivoren ist. Im evolutionären Verlauf betrachtet stellt dies eine Anpassung an die Existenz anderer vertilgbarer Organismen, gemeinhin als Beute bzw. Opfer bezeichnet dar, wobei manche zuvorgenannter bis an die Spitze der Nahrungskette aufsteigen, als dies mit Wölfen und Bären beispielsweise der Fall ist. Zwischen Jäger und Gejagten entseht ein evolutionärer Wettkampf, welcher im Rahmen diverser Adaptionsprozesse verschiendene Formen annimmt als die Ausbildung gesteigerter Sinnesempfindlichkeiten, Geschwindigkeit, Wendigkeit, Farbe, Tarnung, Körpergröße, Toxizität dies in einer Unzahl an Beispielen belegen. Jene an der Spitze der Nahrungskette bzw einige Ebenen über anderen befindlichen Organismen haben dabei des öfteren einen Einfluss auf zahlreiche tiefer angesiedelte insofern als, dass diese eine Nische besetzen, welche erst erneut frei wird sobald sich die Umwelbedingungen in suffizienter Weise ändern, sodass jene zuvorgennanten in Form von Nahhrungsmangel, Krankheiten, etc aussterben. Alsbald entwickelt sich ein anderer Organismus zu einem Niveau heran wo jener die vorherige Position einnimmt, eine Tatsache welche im Laufe der Megafauna auf zahlreichen Kontinenten während der glazialen und interglazialen Phasen oft stattgefunden hat (nur als eines von zahlreichen Beispielen dafür).
    Von daher folgt, dass Jäger und Gejagten in ihrem Streben nach bestmöglicher Artererhaltung und Vermehrung mittels fortschreitender evolutionärer Entwicklung der Adaptionskapazitäten jedoch keine unbedingte Existenzberechtigung immanent ist, als gleichsam dem Menschen in selbigen Maße. Beide sind in ihrem aktuellen oder vergangenen Zustand zum Teil das Resultät evolutionärer Selektion und Prozesse im Zuge der kontinuierlichen Adaption an diverse Umweltfaktoren.
    Die Differenz, so für die folgenden Betrachtungen von hinreichend entwockelten Säugetieren mit zumindest partiell mit dem Menschen vergleichbarem Bewusstsein ausgegangen wird, in der bewussten Wahrnehmung der eigenen Existenz ist nun die, dass Karnivoren, welche an der Spitze der Nahungskette befindlich sind, niedergereihte andere Spezies nach Belieben terrorisieren, verletzen, ermorden und Gewalt aussetzen, selbst jedoch ob ihrer Position bis auf Artgenossen, in relativer Ruhe und Frieden existieren.
    Ganz anders bei Herbivoren, welche der Gewalt und dem Terror, bis auf die Mathematik wohl die universellsten Sprachen der Natur, der betreffenden Raubtiere zeitlebens ausgesetzt sind und bei Alter oder Schwäche deren Tötungstrieb anheim fallen. Für jene mag die Existenz auch ihre schönen Seiten haben, doch wird jene getrübt zu jedem Zeitpunkt durch die Omnipräsenz der Option einer gewaltätigen Ermordung und oder Verletzung und was nicht ermordet oder verletzt wird, das wird potentiell terrorisiert. Jene armseligen Geschöpfe (z.B Rehe gegenüber Wölfen und Bären) sind außer Stande ihre Peiniger abzuschütteln, so bleibt ihnen daher nur die Flucht. Dies ist allerdings auf Dauer äußerst ungesund, führt es doch zu gesteigertem Stress mit allen seinen Auswirkungen auf die Physis und Psyche und verhindert, dass jene tatächlich in Ruhe und Frieden zu leben imstande sind. (Eine Ausnahme bilden Herbivoren deren Physis es ihnen gestattet immun gegenüber allen Herbivoren zu sein, als z.B. bei Elephantenbullen oder Silberrücken.)

    Diese Situation ist zum Teil vergleichbar mit einer, bei einem Zerfall der EU zu befürchtenden Maßnahme der Österreichischer Verbrecher Partei, welche z. B. die Aufhebung sämtlicher Grund und Freiheitsrechte, Menschenrechte für dissidente Gruppen vorsieht, also z. B. für Tierschützer. Bestimmt wäre das ausgedehte Wandern in den Bergen als Tierschützer nicht so entspannt und erholsam, so stets mit der legalisierten Erschießung, gezielten Tötung durch einen Jäger gerechnet zu werden hätte. In derselben Situation befinden isch Rehe, Gemsen, gegenüber Bären und Wölfen.

    Kraft seines überlegenen Intellektes, von welchem zwar zumeist wenig zu bemerken ist, ist der Mensch imstande seine Umwelt mittels technischer Hilfsmittel nach seinen Bedürfnissen zu formen und es ist daher nach ethischen und moralischen Gesichtspunkten einwandfrei argumentierbar, dass große Raubtiere als Wölfe und Bären, genauso als diese alle ihnen wehrlos ausgelieferten Geschöpfe (zumeist die Schwächsten (ihrer jeweiligen Gruppe)), verletzen, ermorden und terrorisieren, vom Menschen bei Bedarf in selber Weise erbarmungslos zu vernichten, mit Stumpf und Stiel auszurotten und von der Erdfläche zu tilgen sind.

    Der Truppenübungsplatz ist ein gutes Terrain dafür, da sich so moderne Infrarotsensorik am Leopard 2 A4 des nächtens ausgiebigst evaluieren lässt und die Wölfe sich selbst bei verdeckten Schussfeld mittels panzerbrechender Munition aus bis zu sieben Kilometern Entfernung mit Überschallgeschwindigkeit und hoher Trefferquote erfolgreich desintegrieren lassen.
    Alle modernen technischen Hilfsmittel sind dabei geeignet, schwere Artillerie, wendige Schützenpanzer, Kurz- und -Mittelstreckenrakten, Kampfhubschrauber, Kampflugzeuge mit Streubomben, Tarkappenbomber mit GPS und lasergesteuerten Bomben sind alle praktikable Optionen, wobei gegnüber Bären auch der Einsatz marschflugkörpergestützter taktischer Nuklearwaffen (von geringer Sprengkraft) äußerst effektivv wäre.

    Die Jägerschaft hat dort allerdings nichts verloren, gehört verboten und anschließend durch ein modernes Wildtiermanagement ersetzt. Die Fütterungen der angezüchteten Überpopulation an diversen Wildarten gehören reduziert und die Population mittels Kontamination sämtlicher Quellen und Nahrungsmittel und durch gezielte Fütterungen in den Wintermonaten mit kontaminierter Nahrung welche infertilitätserzeugende Substanzen enthält, schonened auf ein natürliches Subsistenzniveau gebracht und anschließend in Frieden gelassen.
    Jede gezielte Ansiedelung von Raubtieren ist als ökoterrorristische Maßnahme sofortigst zu unterbinden und gänzlich auszuschließen, wobei jedoch die Ansiedlung gentechnischer veränderter veganer Bären und Wölfe zu begrüßen ist.

    Die Existenz der meisten größeren wild lebenden Säugetiere ist durch die Jägerschaft, Habitatsreduktionen, Krankheiten, Wetter und Klima bereits beschwerlich genug, da bedarf es keiner weiteren Raubtiere.

    In diesem Kontekt sei an dieser Stelle erwähnt, dass der folgende Wortlaut:

    >>Und deshalb greifen die Wölfe hier ebenfalls zu. Der Verbrauch der Wölfe ist aber nur 20 % bzw. ein Fünftel dessen, was von Menschen geschossen wird.
    >>

    sowohl inkonsistent, inkonsequent, inkoherent als auch etisch moralisch mehr als fragwürdig ist und sich alles andere als nahtlos in den Schreibstil sämtlicher anderen Beiträge in diesem Blog einfügt. So der VGT berechtigterweise Anzeige erstattet so Fische in Restaurants keine artgerechte Haltung erfahren und die menschliche Sprache mit all ihren Bezeichnungen auf Tiere ausdehnt (Schweinekinder, Schimpansenfrau etc…) und sämtliche begriffliche Differenzierung, teils berechtigt, zum Menschen verwischt wird, so sind die obigen Formulierungen mehr als zynisch, von wegen „greifen hier ebenfalls zu“ und „Verbrauch“ als ob die Opfer lediglich Sachen wären, ein Selbsbedienungbuffet für morbide Beutegreifer. Die getötete Hirschkuh hatte höchstwahrscheinlich andere Lebenspläne als unter entsetzlichen Schmerzen von einem reudigen Wolfspack lebendigen Leibes zerbissen und zerrissen zu werden. Genau diese Art der Versachlichung lebendiger, empfindsamer Erdlinge ist es doch, welche der VGT in allen seinen Presseaussendungen stets berechtigterweise kritisiert. Bitte ziehen Sie es in Erwägung die obige Passage zu neutralisieren, also empathisch zu beleben.

    Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass als langjähriger Frutarier und Veganer, je nach Gesundheitszustand, welcher im Umgang mit diversen Schusswaffen geübt ist, dabei keinen Jagdschein hat und noch zu keinem Zeitpunkt auf irgendeine Lebensform geschossen oder gezielt hat (Flora und Fauna), für den Fall einer Kampagne des VGT zur flächendeckenden Wiederansiedelung von Wölfen und Bären, unabhängig von jeder Gesetzeslage, ein Barret M107 A1 Scharfschützengewehr https://barrett.net/firearms/m107a1 mit Nachtsichtgerät und Infrarotsichtgerät beschaft werden wird und jeder Bär und jeder Wolf der sich irgendwo auf dieser Staatsfläche findet sofort exterminiert wird, unabhängig von jeglicher Konsequenz für die eigene Person, falls notwendig bis zum eigenen Untergang.

    Dessen ungeachtet viel Erfolg und alles Gute dem VGT bei seiner erfolgreichen Laufbahn, mögen noch zahlreiche Erfolge erzielt werden und größte Hochachtung und Respekt vor Ihrem Schaffen und Ihrem Einsatz.

    Mit freundlichen Grüßen

  3. Sabri sagt:

    Wenn das sich nähernde Wolfsgeheul Sie so freut, wünsche ich es Ihnen! –
    Mir allerdings, wenn ich ehrlich bin, nicht. Ich glaube auch, dass einer der vielen bewaffneten Jäger oder noch schlimmer der zunehmenden Wilderer in der Dämmerung viel gefährlicher werden kann als Wölfe. Und ich habe auch mehr Angst vor Kühen als vor Wölfen (die töten weltweit mehr Menschen als Haie, und auch wir hatten sehr unerfreuliche Begegnungen mit ihnen): Unser Angstempfinden ist völlig unzuverlässig. Auch dass viel besser die Wölfe die völlig überzähligen Gämsen, Hirsche, Rehe… jagen und in “Risse“ (die Jägersprache ist und bleibt eine Lügensprache) verwandeln sollen, würde ich teilen. Es ist sicher auch besser, überhaupt keine Angst bei einer Begegnung zu empfinden, weil Wölfe das haargenau riechen. In dem von Ihnen zitierten Video würde ich sagen, machen die Wölfe auch genau das: Sie behandeln keinen Menschen als ihresgleichen, da wären sie ja blöd, sie schauen nach, was das ist, und dann schnuppern sie nach, wer das ist. Und wenn das nach coolem Typen oder souveräner Persönlichkeit riecht, ist es besser als nach Angst-Hase.
    Bloß, ich bin ja nicht alleine in den Bergen unterwegs. Die kleinste Familie, die man sich nur denken kann, liegt neben mir unterm Sternenzelt. Und als wöge sie nicht acht Kilo, sondern achtzig, wird sie wild mit den Pfoten aufstampfen und kläffen, wie ich es selten gehört habe (auch andere Hunde sollen das tun), wenn sie viel früher als ich Wölfe wahrnehmen wird, um den Kampf auf Leben und Tod aufzunehmen. Das ist, wovor ich Angst habe, nicht um mich, denn es ist klar, wer diesen Kampf verlieren wird.

  4. Martin Balluch sagt:

    @Thomas:

    Gibt es dokumentierte Angriffe von Wölfen auf Menschen in Europa? Wenigstens in der letzten Zeit? Wäre mir vollkommen neu. Ich glaube das nicht.

    Faktum ist, dass in den rumänischen Südkarpaten seit jeher Wölfe in dichter Population leben, es sollen – in einem Gebiet der Größe der Alpen zwischen Wien und Osttirol – 2500 Wölfe geben. Ich habe letztens welche getroffen, um 22 Uhr in der Nacht, 70 m neben meinem Zelt. Ich hatte überhaupt keine Angst. Die Wölfe auch nicht, sie sind einfach gemächlich den Berghang hinunter gezogen. Jedenfalls gibt es aus Rumänien überhaupt keine Berichte von Angriffen von Wölfen auf Menschen. Genau Null.

    Am 17. und 18. Mai 2017 gab es eine Konferenz zu Wölfen im Naturpark Sölktäler in der Steiermark. Es waren aus allen Alpenländern sowie aus der Slowakei und Rumänien WolfsexpertInnen da. Einstimmig wurde festgestellt: NIRGENDWO HABEN WÖLFE MENSCHEN ANGEGRIFFEN. Auffällig ist, dass dort, wo keine Wölfe heimisch sind, der größte Aufruhr gegen den Wolf herrscht. Dort, wo sie immer schon waren, nimmt mans gelassen.

    Übrigens ist das bei Bären ganz anders. Die greifen unter Umständen schon Menschen an. Jährlich wird ein Mensch von einem Bär in Rumänien getötet. Aber wieviele Menschen sterben im Straßenverkehr? In den österreichischen Alpen stirbt täglich ein Mensch durch einen Unfall und gut 20 werden verletzt. Bienen töten auch Menschen, erst gestern fiel jemand am Schneeberg durch einen Kreuzotternbiss ins Koma und allein heuer sind schon 4 Menschen durch Kühe getötet worden.

    Kennen Sie die berühmte Szene von Gudrun Pflüger mit Wölfen in British Columbia? Sie hat dort gezeltet, als plötzlich Wölfe auftauchten. Aus der Ferne wurde gefilmt, wie sie sich flach auf den Boden legt, um die Wölfe nicht zu erschrecken. Und diese nähern sich ihr im Rudel an, überhaupt nicht bedrohlich, schnuppern ein bisschen herum und spielen in ihrer Nähe. Sie hatte keine Sekunde Angst. Hier der Film: https://www.youtube.com/watch?v=Fz4U4gPaLQw

    Nein. Ich bin schon Monate durch die Südkarpaten gewandert, zusammen mit meinem leinenfreien Hund ganz allein. Habe schon Wölfe heulen gehört, einmal gesehen, einmal sind sie in der Nacht auf 50 m an unser Zelt heran gekommen und einmal bin ich 5 Tage lang ihren Spuren im Schnee gefolgt, einem 13-köpfigen Rudel. Nie hatte ich Angst, nie ist etwas passiert. Und natürlich war ich immer unbewaffnet.

  5. Thomas sagt:

    S.g. Herr Dr. Balluch,

    Ich möchte nochmal betonen, daß ich diese Problematik rein aus meiner persönlichen Betroffenheit betrachte – ich bin nun einmal in den Sommermonaten mehrmals die Woche frühmorgens in direkter Umgebung zum Truppenübungsplatz als Läufer im Wald unterwegs.

    Wenn man eine kurze Internetsuche startet, findet man relativ rasch Berichte von Personen die behaupten, daß sie von Wölfen angegriffen wurden. Insofern bin ich Ihnen für Ihre ausführliche Antwort sehr dankbar,& gleichzeitig beruhigt. Natürlich kann niemand das Verhalten einzelner Tiere voraussagen, aber ich bin gerne bereit Ihren Ausführungen Glauben zu schenken,& hoffe, daß Sie letztlich recht behalten.

  6. Thomas sagt:

    Die jagdliche Seite ist mir persönlich völlig egal, dazu kann und will ich keinen Kommentar abgeben, aber als begeisterter Wanderer und Jogger frage ich mich, ob dieses Wolfsrudel nicht irgendwann zu einem Problem für Personen wird, die sich gerne im Wald und dessen Umgebung aufhalten? Soweit mir bekannt ist, verstoßen Wölfe ihre Jungen zu Beginn der Geschlechtsreife, damit sich diese ein eigenes Revier suchen. Also muß man wohl davon ausgehen, daß sie mit der Zeit immer mehr Fläche für sich beanspruchen werden – wohl irgendwann auch außerhalb der Grenzen des Truppenübungsplatzes. Auch wenn nun Wölfe üblicherweise scheue Tiere sind, so gibt es mittlerweile etliche Berichte von Anwohnern, daß das in diesem speziellen Fall wohl doch nicht so zutrifft wie man erwarten würde. Ich persönlich frage mich also schon, ob Ihr Jubel, s.g. Herr Balluch, wirklich angebracht ist? Bei allem Verständnis für Tierschutz, aber wenn ich in den Morgenstunden oder spät abends Angst haben muss, daß mir im Wald ein Wolf begegnet, dann ist das eine massive Einschränkung meiner Lebensqualität. Zumal es leider auch Berichte von Jägern und Förstern im Internet gibt, die von Wölfen angegriffen wurden und sich nur durch ihre Schusswaffen retten konnten – zwar noch nicht am Truppenübungsplatz oder dessen Umgebung, aber wer garantiert, daß es nicht auch dort bald soweit ist?
    Ich bin für gute Argumente jederzeit zugänglich und würde mich freuen, wenn Sie meine Sorge fundiert entkräften könnten, aber gefühlsmäßig stehe ich im Moment auf Seiten jener, die dieses Wolfsrudel sehr kritisch sehen. Wie gesagt, nicht aus jagdlichen Gründen sondern eher unter dem ganz praktischen Gesichtspunkt, daß etwas nicht vorhandenes auch keine Probleme bereiten kann.

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