Das grauenhafte Schicksal der Milchkühe

Ich lebe zwar schon seit 1989 vegan und habe zumindest seither nie gedacht, dass Kühe einfach so Milch geben, sondern dass sie vorher geschwängert werden und dann gebären müssen. Aber irgendwie war mein Eindruck, dass das ethische Hauptproblem der Milchwirtschaft an der Überzüchtung liegt, an den übergroßen Eutern und der dadurch notwendigen artfremden Ernährung mit sogenanntem Kraftfutter, das diametral der Arbeitsweise des Wiederkäuermagens widerspricht. Doch die Erfahrungen der letzten 8 Monate haben mich eines Besseren belehrt.

Seltsam, dass mir das nicht schon früher irgendwie vermittelt wurde. Aber eine Schwangerschaft ist ungeheuerlich anstrengend. Das beginnt in den ersten Monaten einmal mit einer andauernden Übelkeit, die oft nicht so einfach zu verkraften ist. Eine Übelkeit, die regelmäßig zum Erbrechen führt. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat.

Dann bläht sich der Körper langsam auf. Alles wird mühsam und anstrengend. Über kurz oder lang kann man sich nicht mehr normal bewegen. Ist der Bauch einmal voll ausgebildet, gibt es nicht einmal mehr eine Position, in der man ruhen kann. Liegen, sitzen, stehen – alles tut nach einer kurzen Weile weh. An einen normalen Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Und damit einher gehen alle möglichen kleineren und größeren Wehwehchen. Manche Frauen bekommen Hämorrhoiden, Hautausschläge, Atembeschwerden, trockene Haut usw.

Und dann, fast als Erleichterung nach so langen Mühen, die Geburt. Doch sie ist der Höhepunkt an Belastung. Stundenlange Schmerzen, starke Schmerzen. Ein Blutbad.

Das Neugeborene an sich drücken. Für dieses kleine Wesen hat man diese ganzen Qualen auf sich genommen. Enge Bindung. Liebe. Das ganze Leben stellt sich auf dieses Kind ein. Was, wenn es einem nun weggenommen wird? Und dann der Zyklus von vorne beginnt?

Warum sollte eine Milchkuh eigentlich während Schwangerschaft und Geburt völlig anders empfinden? Warum sollte ihr nicht auch anfangs übel sein? Warum sollten sich bei ihr nicht ähnliche Wehwehchen einstellen? Warum sollte ihr nicht jede Bewegung schwer fallen, jede Körperhaltung auf Dauer eine Belastung sein? Warum sollte sie nicht auch unter großen Schmerzen gebären? Und dann das Neugeborene lieben? Dass sie ebenso Oxytocin, das Bindungs- und Liebeshormon, ausschüttet, wissen wir.

Und wenn sich bei Menschenfrauen die Brust entzündet und der Milchfluss versiegt, schmerzt das ungemein. Schüttelfrost und Fieber stellen sich ein. Dieselbe Mastitis bei Rinderfrauen und sie werden umgebracht.

Nach diesen Monaten, in denen ich aus erster Reihe Schwangerschaft, Geburt und Milchfluss miterlebt habe, frage ich mich wirklich noch viel mehr, wie wir so etwas Milchkühen (und – ziegen, -schafen usw.) antun können. Was wir diesen Tieren zumuten, ist unfassbar. Nein, das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein ganz fundamentaler Missbrauch. Grundsätzlich.

3 thoughts on “Das grauenhafte Schicksal der Milchkühe

  1. Anna says:

    Lieber Martin, genau dieselben Gedanken habe ich auch. Die letzten Monate quäle ich mich sehr und mir ist noch deutlicher bewusst geworden, wie schrecklich es für Tiere sein muss, permanent schwanger zu sein. Ich hatte zwar rein rationell verstanden, dass es den Kühen, Schweinen, Schafen etc. schrecklich gehen muss, aber erst, wenn man selber oder als Partner miterlebt, was es heißt schwanger zu sein, kann man fühlen, was die Tiere durchmachen. Es ist für mich unverständlich, weshalb nicht jede schwangere Frau samt Partner automatisch beginnt vegan zu leben. Wie kann es sein, dass nicht einmal diese Erfahrung Menschen dazu bringt Mitgefühl zu haben und dementsprechend zu agieren? Danke auf jeden Fall für deine Zeilen, du sprichst mir aus der Seele.

  2. Martin Balluch says:

    Liebe Anna-Maria Maier,

    vielen Dank für Ihre Bemerkung. Die Geburt, die ich miterlebt habe, war jedenfalls ziemlich natürlich, also ohne jeden operativen Eingriff, und trotzdem unfassbar schmerzhaft. Dass das nicht so absurd ist, entnehme ich der Bibel. Dort sagt Gott in der Genesis zur Eva:

    „Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr mehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen.“ Also vor ca. 4000 Jahren schon war das Gebären mit Schmerzen eher die Norm, schließe ich daraus.

    Und wenn ich an eine Kuh denke, und ein Kalb, und dass dieses doch große Kalb durch eine so kleine Öffnung gepresst werden muss, da kann ich mir lebhaft vorstellen, mit meiner Erfahrung jetzt, dass das trotz allem ziemlich schmerzhaft sein wird.

  3. Anna-Maria Maier says:

    Darf ich dem „Warum sollte Sie (die Kuh) nicht auch unter großen Schmerzen gebären?“ etwas hinzufügen? – Haben Sie schon mal die Geburt bei einer Kuh, im Hintergrund miterlebt? Geburt ist von Natur aus nicht schmerzhaft. Bei einer normalen Geburt, entstehen Schmerzen durch Angst und Verspannung beim Menschen und dem Einfluss der äußereren Situation. Durch Störung der Geburt können vermehrt Komplikationen und dadurch dann auch Schmerzen unter Geburt auftreten.
    Ich verstehe ihre Botschaft – mir ist es nur ein allgemeines Anliegen, dass mehr Frauen leichtere Geburten erleben und da kann man sich was bei den Tieren abschauen. 😉

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