Das Tierleid in der Pelzproduktion: zentrales Thema im Tierschutz seit 30 Jahren!

Bild1Laut OLG-Urteil in der Berufung im Tierschutzprozess ist, wie gesagt, die Forderung an die Modehäuser ,aus dem Pelzhandel auszusteigen, explizit sittenwidrig. Das lässt sich nur entweder durch Bösartigkeit bzw. eine politische Motivation der OLG-Richterinnen erklären, die in diesem Urteil im Übrigen an vielen Stellen durchscheint, oder es könnte sein, dass diese Richterinnen durch die sozialen Kreise, in denen sie verkehren, und durch den Umstand, dass sie einer vergangenen Generation angehören, in der vielleicht Tierschutz noch kaum einen Wert gehabt hatte, die Situation völlig falsch einschätzen. Wenn diese Richterinnen als Studentinnen zum letzten Mal vor 40 Jahren Kontakt zur realen Welt und insbesondere zur kritischen Zivilgesellschaft hatten, dann wundert mich natürlich nichts mehr.

Tatsächlich war bis in die 1970er Jahre mit Tierschutz mehrheitlich der Schutz von Haustieren und Pferden gemeint. Ab dann aber wurden auch Wildtiere im Tierschutz ein Thema. Die 1980er Jahren waren für den Tierschutz neben Tierversuchen das Jahrzehnt der Pelztiere. In den 1990er Jahren gingen wir dann in Österreich die hiesigen Pelzfarmen an und es gelang ein Verbot – das weltweit erste – ab 1998. Anschließend recherchierten wir in Osteuropa und daraus entstand der Film „Massaker für die Eitelkeit“, der z.B. hier zu sehen ist: http://www.tierrechtsfilme.at/langfilme/pelz_massaker/pelzmassaker.htm.

Nachdem die österreichischen PelzhändlerInnen daraufhin öffentlich machten, dass sie ihre Rohpelze aus Skandinavien und nicht Osteuropa beziehen, recherchierten wir 2003 auch dort: http://www.tierrechtsfilme.at/langfilme/pelz_skandinavien/pelz_skandinavien.htm.

Der Fallenfang für die Pelzproduktion wurde in der gesamten EU bereits 1995 verboten. Es gibt keine Pelztierhaltung, die biologisch, artgerecht, tiergerecht oder eine Freilandhaltung wäre. Überall auf der Welt gleichen sich die Pelzfarmen. Und ich habe sie in praktisch ganz Europa mit eigenen Augen gesehen, in England, Holland, Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Italien.

Bild3Die Nerze werden typischer Weise in Käfigen der Größe 30 cm x 90 cm gehalten. Rechnet man die Größe der Nerze zur Größe von Menschen auf, wäre das mit einem Menschenkäfig der Größe einer Telefonzelle vergleichbar. Nerze sind Wassertiere, verbringen dort 80% ihrer Zeit, wenn sie frei leben. Ihre Hinterpfoten tragen Schwimmhäute. Die Pelzfarmkäfige haben aber nicht nur kein Wasser, sie bestehen lediglich aus Drahtgitter, am Boden, an den Seiten und am Deckel. Nerze klettern gerne auf Bäume und leben in Erdhöhlen an Flussläufen entlang. Keine dieser Bedürfnisse können sie in Pelzfarmen ausleben.

Füchse ziehen sich in der Natur ebenfalls in Erdhöhlen zurück. In den Pelzfarmkäfigen der Größe 1 m x 50 cm sind sie dagegen, wie die Nerze, von allen Seiten lediglich mit Drahtgitter umgeben. Ihre Pfoten sind für Naturboden gemacht, in den Käfigen stehen sie ständig am Drahtgeflecht, das sich zwischen ihre Zehen bohrt. Kein Hund steht gerne auf Drahtgitter, die nahe verwandten Füchse müssen das in den Pelzfarmen aber ein Leben lang.

Bild4Im Mai-Juni geboren, müssen die Pelztiere bis in den November oder Dezember in den Käfigen verbringen. Dabei sind die Käfige 1 m über dem Boden angebracht und Wind und Wetter ausgesetzt – es gibt lediglich ein Dach darüber – damit die Kälte zu einem dichten Winterpelz führt. Bei tiefen Minusgraden im Norden Skandinaviens liegen die Tiere auf Metallgitter. Die Elterntiere für die Zucht müssen den gesamten polaren Winter dort verbringen. Der Nahrungsbrei wird aufs Käfigdach geschüttet, sodass ihn die Tiere durch die Gitterstäbe aufschlecken müssen. Dabei kann die Zunge anfrieren.

Die Pelztiere sind Carnivore und leben in der Natur deshalb territorial. Für sie ist es daher besonders schlimm im Fall von Nerzen mit bis zu 150.000 und im Fall von Füchsen mit bis zu 50.000 Artgenossen Käfig an Käfig leben zu müssen. Der Stress für die Individuen ist wesentlich größer als z.B. bei Hühnern in Legebatterien, die wenigstens ans Herdenleben evolutionär angepasst sind.

Bild2Nach einem monotonen Leben über 5-6 Monate in den strukturlosen Käfigen werden die Tiere getötet, kaum ist ihnen der Winterpelz gewachsen. Die Nerze werden in den Anhänger eines Traktors gestopft, in den man die Abgase des Traktors leitet. Nach 30 Minuten sind alle erstickt. Alternativ werden sie in entsprechenden Kammern vergast. Bei Füchsen legt man Elektroden an die Zunge und den After und schickt starke Stromstöße durch die Körper. Wenn ihnen die Organe dabei verbrennen, so ist das egal, Hauptsache der Pelz nimmt keinen Schaden.

Diese brutalste aller Haltungsformen, die Pelzfarm, wird in zunehmend mehr Ländern in der EU verboten. Kein Mensch dieser Erde mit einem Quäntchen Mitgefühl und einem Herz im Leib kann die Pelzproduktion gutheißen. Es ist tatsächlich vollkommen absurd und weltfremd, wenn Staatsanwaltschaft und OLG-Richterinnen ernsthaft behaupten, die Rechtsgemeinschaft aller billig und gerecht denkenden Menschen in Österreich würde den Handel mit Pelz, den man in Österreich ja seit 15 Jahren gar nicht produzieren darf, gutheißen bzw. die Forderung nach dessen Ende als sittenwidrig oder sozial unerträglich einstufen. Das ist lächerlich. Im Gegenteil, Staatsanwaltschaft und OLG-Richterinnen positionieren sich mit ihrer Ansicht deutlich außerhalb unserer Rechtsgemeinschaft.

7 thoughts on “Das Tierleid in der Pelzproduktion: zentrales Thema im Tierschutz seit 30 Jahren!

  1. susanne v. says:

    Stimmt.

    Viele dieser Leute sind begeisterte Jäger, das fällt auf. Was soll man von jemandem der geistig noch in der Steinzeit lebt und das öffentlich zelebriert, indem er sich das Geweih eines toten Hirschen an die Wand tackert, denn anderes erwarten? In der Steinzeit war es vielleicht sinnvoll zu zeigen dass man die größten Tiere erlegen kann. Jede Steinzeitmaid wird sich dem Jäger an den Hals geworfen haben, weil ein großes Tier viel Fleisch gibt, also Nahrung im Überfluss. Wenn jemand das heute noch macht zeigt er, dass er auch in anderer Hinsicht in der fernen Vergangenheit lebt. Wir merken das schmerzvoll, weil diese Leute gerade dabei sind, die ganze Welt ins Chaos zu stürzen, weil sie noch immer wie Steinzeitmenschen denken und handeln. Sie können nicht begreifen, dass wir von der Natur leben, dass ihr ausgelebter Egoismus auf längere Sicht gesehen auch ihnen selbst schaden wird. Auch ihr Egoismus in Form der Ausbeutung der Tiere. Denn abgesehen davon dass die Tiere leiden, wird durch die Tierfabriken die Umwelt belastet, mit Medikamenten verseucht; und was die Schlachttiere betrifft: die Menschen werden krank weil sie im Überfluss Fleisch konsumieren. Leider werden sie immer wieder gewählt.

  2. margit hauer says:

    leider, leider haben die primitivsten leute bei uns das sagen. es zählt nur das geld und die macht. je korrupter und gieriger= desto reicher= desto mächtiger.

  3. susanne v. says:

    Na das ist doch klar. In diesem Fall kommen allerdings Parteiinteressen wahrscheinlich zum rein Menschlichen dazu.

    Ca. 50% der Menschen befinden sich noch immer auf dem geistigen Level des Neandertalers. Der hat damals sicher auch den schönsten Pelz als Statussymbol gehabt. Damals gehörte ja auch noch Mut dazu sich mit einem Bären, oder Wolf anzulegen. Vielleicht hat er dann seiner Frau den schönsten Pelz geschenkt. Heute gehört kein Mut mehr dazu Pelztieren das Fell über die Ohren zu ziehen. Man hält sie in Käfigen. Aber weil Pelz noch immer relativ teuer ist, bleibt er Statussymbol. Dasselbe betrifft Schmuck. Früher genügten Glasperlen, heute sind es Edelsteine. Wichtig ist aber nur, dass sie glänzen. Je schwerer sie zu bekommen sind, desto mehr Wert wird ihnen beigemessen, auch wenn sie objektiv gesehen wertlos sind. Trug man früher bewusst Tücher am Hals um sich vor Halskrankheiten zu schützen, macht man es heute unbewusst. Man nennt es heute Krawatte.

    Diese 50% haben leider derzeit das Sagen, weil sie auch noch genauso brutal und rücksichtslos sind wie die Urmenschen.
    Argumenhte prallen an solchen Menschen ab.

  4. Martin C. says:

    Vor einiger Zeit noch war ich der festen Meinung, dass RichterInnen in ihrer besonderen Verantwortung ihrem Amt gegenüber auch ganz besonders weise und gerecht Menschen sein müßten … – doch wie uns die Realität immer wieder aufs Neue zeigt, verhält es sich leider ganz und garnicht so: sie können sich offenbar genauso korrupt, bösartig, parteieisch, engstirnig, horizontlos, politisch motiviert, dumm etc. wie jede/r andere Normalsterbliche verhalten.

  5. susanne v. says:

    Na ja, wer weiss … in diesem Leben Pelzmantelträger, im nächsten Leben vielleicht Pelzmantel. 🙂

  6. Norbert says:

    Staatsanwaltschaft und OLG-Richterinnen ,ihr gehört allesamt in einen winzigen Käfig gesperrt,wo ihr schön langsam verrecken könnt.

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