Der Tierrechtskongress Wien 2014 ohne Ausgrenzung

Angekündigt haben wir ihn als die größte deutschsprachige Veranstaltung dieser Art aller Zeiten. Mit 450 registrierten TeilnehmerInnen sind dann allerdings um etwa 100 weniger als noch 2011 gekommen. Dafür gab es deutlich mehr Vorträge, Workshops und Diskussionen, die Kunstausstellung hatte mit 11 KünstlerInnen und 2 Kuratorinnen von der Uni Linz erstmals eine zentrale Rolle. Und mit den „Zwa Voitrottln“ war die Abendshow ebenfalls erstmals in professionellen Händen. Der Ablauf war gewohnt spontan und dennoch ohne Hickups, von der Registrierung über das Eröffnungsbuffet bis zur Tontechnik funktionierte alles ehrenamtlich und reibungslos. Ein Megaevent des minimalen Budgets!

Dieser Kongress war der Output einer sozialen Bewegung, nicht ein von oben organisierter, professioneller Event. 90 Vortragende meldeten sich von sich aus und boten ihre Themen an. Ohne die unermüdliche Arbeit von 50 oder mehr ehrenamtlichen AktivistInnen wäre das alles, insbesondere zu einem so niedrigen Eintrittspreis, niemals möglich gewesen. Aber das ist für mich die Funktion dieses Kongresses, eine Plattform für jene Menschen in der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung zu bieten, die etwas sagen wollen, die Ideen haben und an Projekten arbeiten. Es gab keinerlei Zensur, niemand wurde abgewiesen, alle Angebote wurden irgendwie ins Programm aufgenommen, und sei es durch Zusammenlegung von ähnlichen Themen zu einem gemeinsamen Workshop. Fast alle der Vortragenden finanzierten sich ihre Anreise und den Aufenthalt selbst.

Diese grundsätzliche Offenheit halte ich für einen sehr hohen Wert und ich fühle mich durch den Erfolg des Kongresses bestätigt. Von allen Seiten hörte ich einzelne Stimmen, wen man nicht aller hätte ausschließen sollen. Niemand mit religiöser Motivation solle dort reden dürfen, insbesondere niemand von der Religionsgemeinschaft des Universellen Lebens, oder keine Menschen, die nur vegetarisch aber nicht vegan leben. Manche wollten Projekte vom Kongress ausschließen, die nur Reformen der Tiernutzung zum Ziel haben, andere wieder sahen in einzelnen Personen ein politisches Problem, weil sie z.B. in ihren Schriften einen Vergleich zwischen KZs und Tierfabriken verwenden würden. Es erschreckt mich immer wieder, wie leicht wir Menschen uns gegen Minderheiten aufhetzen lassen, insbesondere, wenn wir niemanden dieser Leute persönlich kennen und unsere Informationen nur aus ständig wiederholter Propaganda beziehen.

In der deutschen Szene dominiert leider diese Ausgrenzerei und wir sehen die Konsequenzen: während wir hierzulande schon den 6. Tierrechtskongress organisieren, hat es in Deutschland bisher keinen einzigen gegeben, weil die Szene einfach zu zerstritten ist und sich gegenseitig ausgrenzt. Dabei beweist unser Kongress vom letzten Wochenende, wie wichtig und richtig es ist, offen zu bleiben und auf breiter Basis zusammen zu kommen und eine gemeinsame, starke Bewegung zu sein, die Vielfalt zulässt. Das Schädlichste ist der Zwang zu einer Einheitsbewegung, die im Gleichschritt in dieselbe Richtung geht. So ein Projekt ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ausgenommen von dieser grundsätzlichen Offenheit zur Teilnahme beim Kongress sind natürlich Polizeispitzel, wie der Kronzeuge gegen die Angeklagten im Tierschutzprozess, der durch Lügen die Verurteilung Unschuldiger erreichen wollte und so der gesamten Bewegung unendlichen Schaden zugefügt hätte. Irgendwo müsste man auch dort eine Grenze ziehen, wo sich menschenrechtsfeindliches Gedankengut breit macht. Alles ist zu tolerieren, außer Intoleranz, ist das Vermächtnis vom österreichischen Philosophen Karl Popper. Aber genau diese Intoleranz und diese Menschenrechtsfeindlichkeit orte ich bei jenen, die ausgrenzen wollen. Niemand der Vortragenden verbreitete menschenrechtsfeindliches Gedankengut, die Ausgrenzungsparolen führe ich hier ausschließlich auf die Lust zur gemeinsamen Hetze zurück, die uns Menschen offenbar innewohnt. Keiner der Ausgrenzungsvorwürfe hält einer rational politischen Analyse stand.

Ich stehe auch in Zukunft nicht für einen Kongress zur Verfügung, der Menschen aufgrund ihrer Religion oder ihrer tierschutzpolitischen Einstellung ausgrenzt. Wer das möchte, soll bei jenen Kleingrüppchen bleiben, die keinerlei politische Wirkung auf die Gesellschaft entfalten, weil sie ihre Ausgrenzungsmätzchen bis zum Exzess durchexerziert.

13 thoughts on “Der Tierrechtskongress Wien 2014 ohne Ausgrenzung

  1. robin v antispe says:

    Ja Herr Balluch, ich würde nie irgendwo hingehen wo so eine aggressive Stimmung herrscht. Bin zufällig auf ihre Seite gestoßen und da ist mir halt der miese Umgangston hier aufgefallen. Von den beiden Herren Mackinger und Haschka hatte ich bisher nie etwas gelesen oder gehört gehabt. Ich finde es nach wie vor schrecklich wie sie argumentieren, auch mir gegenüber, ich wollte ihnen nichts Böses. Der Herr sei mit Ihnen, Friede.

  2. Martin Balluch says:

    @robin v antispe
    Es ist doch ganz einfach. Wir halten Kongresse ab mit wem wir wollen und nennen sie, wie wir wollen, und Sie machen das Ihrerseits und fertig. Sie brauchen nicht zu unserem Kongress zu kommen, wenn Ihnen das nicht passt, und Mackinger und Haschka ebenso wenig. Fertig. Ich rede Ihnen nichts drein und Sie und die beiden Herren uns auch nicht.

    Schiene so simpel und konstruktiv. Nur seltsamer Weise scheitert das an Ihren Ansprüchen, die objektive Wahrheit darüber zu besitzen, wie Tierschutz und Tierrechte zu definieren sind. Haben Sie aber nicht und deshalb hören wir nicht auf Sie. Und so fangen SIE an zu hetzen und ich decke das auf, um klarzustellen, warum ich Sie nicht auf unserem Kongress haben will. AusgrenzerInnen brauchen wir nicht. Wenn das für Sie Hetze ist, so be it.

  3. robin v antispe says:

    Hallo Herr Balluch, wenn sie andere als Hetzer bezeichnen, die sich offensichtlich mit ihrer Definition von „Tierrechte“ schwer tun, dann sollten sie noch einmal ihre Kommentare hier lesen, die sind so was von aggressiv und könnten genau so als hetzerisch dargestellt werden, eben aus einer anderen Perspektive. Nennen sie die Veranstaltung doch in Zukunft „Tierschutzkongress“ und gut ist.

  4. mimi says:

    Sie haben sich entschieden jeden auf ihrem Kongress reden zu lassen, andere Handhaben dies anders. Wo ist das Problem?

  5. Martin Balluch says:

    @M:

    Rührend, wie Sie sich um das Wohlbefinden von Menschen sorgen, die sich vielleicht durch die Präsenz einzelner Personen oder Gruppen beim Tierrechtskongress gestört fühlen könnten. Ist das ein utilitaristisches Argument?

    Wenn wir es ernstnehmen würden, dürfte überhaupt niemand mehr den Kongress betreten. PETA z.B. wirbt mit nackten Frauenkörpern, da gibt es sicher viele Personen, die sich durch PETA-SprecherInnen beim Kongress gestört fühlen würden. Also Zutrittsverbot. Oder ich, ich habe mich schon oft feminismuskritisch geäußert, also darf auch ich nicht kommen, weil das sicher viele Menschen stört.

    Doch das gilt auch umgekehrt, oder? Da gibt es z.B. Personen, die am Kongress sprechen durften, die der Meinung sind, es gibt grundsätzlich keinen Sexismus gegen Männer. Ein Mann also, der als Kind unter Druck gesetzt wurde, nicht zu weinen, weil das widernatürlich sei, oder der flüchten musste oder sogar ins Gefängnis kam, weil er als Mann ins Bundesheer gezwungen wird, könnte sich dadurch doch verletzt fühlen, weil sein Schicksal nicht ernstgenommen wird. Also hätten wir Personen mit dieser Meinung auch nicht auf den Kongress lassen dürfen. Oder wie wäre es mit jenen FeministInnen, die der Ansicht sind, ein Matriarchat sei notwendig, weil Männer „dämonisch“ böse seien und ihre destruktiven Triebe nur unter strenger Kontrolle entschärft werden könnten? Es gibt solche Personen und mindestens eine davon durfte am Kongress sprechen. Auch das ein Fehler?

    Oder Speziesismus: Eine Person, die diesen Kongress besucht hat, ist der Überzeugung, dass man von Hunden nie wissen könnte, was sie selbst wollen. Was so harmlos klingt, ist es aber nicht. Wie furchtbar, wenn ein Mensch sagt: „Wir können nie wissen, was taubstumme Menschen wirklich wollen.“ Das wäre ableistisch. Daher ist dieselbe Aussage gegenüber Hunden speziesistisch. Wenn die AbleistInnen den Kongress verlassen müssen, dann auch diese Person wegen ihrem Speziesismus. Ich fühle mich tatsächlich durch ihre Präsenz persönlich verletzt und gehe ihr aus dem Weg, sie hat meinen besten Freund, meinen Hund Kuksi, beleidigt.

    Wenn wir schon verletzte Gefühle aufrechnen: spielt es dabei eine Rolle, wie jene empfinden, die ausgegrenzt werden? Wie würde sich Kaplan fühlen, wenn er ausgeschlossen wird? Sicher viel schlimmer, als Menschen, die ihm begegnen müssten. Also sind auch jene auszugrenzen, die Ausgrenzung fordern?

    Nein, es geht hier gar nicht um den Schutz verletzter Gefühle. Wessen Gefühle werden denn geschützt, wenn UL-Gläubige vom Kongress ausgeschlossen werden? Oder wenn Nicht-VeganerInnen oder TierschützerInnen ausgegrenzt werden, wie es wiederum andere fordern? Im Gegenteil, Ausgrenzung erzeugt verletzte Gefühle, sie verhindert sie nicht.

    Tatsächlich sind die Gefühle, die sie verletzten, den AusgrenzerInnen völlig egal. Das Bewusstsein, Gefühle verletzt zu haben, bereitet ihnen sogar Lust! Es gibt in uns Rudeltieren die instinktive Veranlagung, auf soziale Außenseiter gemeinsam loszugehen. Ich sehe das beim Kuksi, wenn er mit Begeisterung zusammen mit anderen Hunden einen weiteren verbellt. Und ich sehe das bei Menschen, die auch sehr stark dazu neigen. Doch Hund wie Mensch unterliegen sozialen Regeln – und haben Spiegelneuronen – die dem entgegenwirken. Deshalb wird jede Ausrede, diesen Gefühlen freien Lauf lassen zu dürfen, so dankbar angenommen. Konstantin Wecker nannte es, mit den Augen voll Sand in die heiligen Kriege ziehen zu können. Wenn es gegen die Bösen geht, dann gibt’s kein Mitleid mehr, dann darf man sie endlich nach Lust und Laune verbellen. Auch antisemitische Pogrome bedienten sich derselben Ausrede und haben dieselben Wurzeln.

    Als ich zu studieren begann, kam plötzlich die Nachricht, ein böser Nazi und Eugeniker will an der Uni sprechen: Peter Singer. Da muss man dagegen vorgehen. Völlig unreflektiert schloss ich mich der bellenden Meute an, wir stürmten mit Gewalt die Bühne, rissen Singer die Brillen vom Kopf und entfernten sein Mikrophon. Er konnte seine Rede nicht halten. Ich dachte, ich hätte damit Menschenrechte geschützt. Heute weiß ich: ich ging lediglich HetzerInnen auf den Leim, Leuten, die vorsätzlich zum Kreuzzug gegen Singer aufriefen, um eine differenzierte öffentliche Diskussion zu verhindern. Und zusammen mit der unbändigen Lust, gemeinsam auf Hilflose loszugehen, war das Pogrom schon fertig. Wie sich Singer dabei fühlte war uns völlig egal, die Spiegelneuronen waren ausgeschalten. Wir waren die Guten, er der Böse. Aufgrund von Ausgrenzungsaufrufen wurden z.B. UL-Geschäfte zerstört und Kaplan, genau wie Singer, am Reden gehindert.

    Es ist wirklich erschreckend zu sehen, wie diese archaischen Instinkte immer wieder durchbrechen können und sich die Geschichte wiederholt. Nein, Schreiberlinge, die Einzelne angreifen und ihren Ausschluss fordern, sind nicht die Guten, als die sie sich darstellen, sie sind DenunziantInnen, siehe http://www.martinballuch.com/denunziation-und-aufsplitterung-in-der-tierrechtsbewegung/. Lassen wir sie gewähren, dann enden dort Menschenrechte und Meinungspluralismus. Diese Leute sind HetzerInnen und PopulistInnen, die an die Öffentlichkeit gezerrt gehören. Sie sind momentan innerhalb der Tierrechtsbewegung die größte Gefahr für Menschenrechte. Ihre Intoleranz darf nicht toleriert werden!

  6. Denunziantin says:

    „Als ich zu studieren begann, kam plötzlich die Nachricht, ein böser Nazi und Eugeniker will an der Uni sprechen: Peter Singer. Da muss man dagegen vorgehen. Völlig unreflektiert schloss ich mich der bellenden Meute an, wir stürmten mit Gewalt die Bühne, rissen Singer die Brillen vom Kopf und entfernten sein Mikrophon. Er konnte seine Rede nicht halten. Ich dachte, ich hätte damit Menschenrechte geschützt. Heute weiß ich: ich ging lediglich HetzerInnen auf den Leim, Leuten, die vorsätzlich zum Kreuzzug gegen Singer aufriefen, um eine differenzierte öffentliche Diskussion zu verhindern. Und zusammen mit der unbändigen Lust, gemeinsam auf Hilflose loszugehen, war das Pogrom schon fertig. Wie sich Singer dabei fühlte war uns völlig egal, die Spiegelneuronen waren ausgeschalten. Wir waren die Guten, er der Böse. Aufgrund von Ausgrenzungsaufrufen wurden z.B. UL-Geschäfte zerstört und Kaplan, genau wie Singer, am Reden gehindert.

    Es ist wirklich erschreckend zu sehen, wie diese archaischen Instinkte immer wieder durchbrechen können und sich die Geschichte wiederholt. Nein, Schreiberlinge, die Einzelne angreifen und ihren Ausschluss fordern, sind nicht die Guten, als die sie sich darstellen, sie sind DenunziantInnen“

    Vielleicht sollte unterschieden werden zwischen „Ich war uninformierter Mitläufer einer uninformierten Masse und habe einen Menschen angegriffen.“ und „Kaplan und UL werden für etwas kritisiert, das sie tatsächlich zu verantworten haben.“ Wenn beides gleichermaßen Denunziation sein soll, dann wird dieser Begriff beliebig und dient allein der Polemik. Was Sie in Ihrer späten Jugend getan haben, war verwerflich. Sie haben sich zu wenig mit den Euthanasieansichten Singers auseinandergesetzt und sind Meinungsmachern gefolgt und haben einen Menschen auf dieser Basis angegriffen. Sie waren Teil einer hetzenden Meute. Was UL-Kritiker und Kaplan-Kritiker machen, ist darzustellen, was diese machen. Und entsprechend ihrer emanzipatorischen Werte sich dafür einzusetzen, dass zumindest eine gewisse Wertegemeinschaft – die soziale Bewegung „Tierrechtsbewegung“ – sich von ihnen distanziert. UND diese Werte ebenfalls hochhält: gegen Diskriminierung, Unterdrückung, Instrumentalisierung auf Kosten Dritter. Die sachliche Ebene interessiert Sie leider wenig (z.B. warum das UL als Entindividualisierungssekte angesehen wird). Es interessiert Sie nicht, was das UL (als zentralistische Organisation, nicht als „Glaubensgemeinschaft“ unabhängiger Menschen) wirklich auf dem Kerbholz hat.

    Ich finde, Sie sollten an sich arbeiten, dass Sie nie wieder uninformiert Menschen angreifen und denunzieren. Weder Singer für seine Euthanasieansichten, noch Kritiker aus Deutschland. Und dass Sie statt dessen erkennen, ob Kritik nicht manchmal angemessen oder zumindest berechtigt ist, ehe Sie weiter Nazi- und andere Strategien verteidigen. Sie sind ebenfalls intolerant und fordern Ausschlüsse. Nur dass Sie jene ausschließen möchten, die es mit Popper halten und diskriminierende und unterdrückende Intoleranz eben nicht tolerieren wollen.

  7. Martin Balluch says:

    @Uvula:

    Unfassbar, ich bin echt sprachlos. Also Reinhard Farkas hätten wir auch ausschließen sollen. Na freilich! Am effektivsten sind entsprechend Kongresse, auf denen alle ideologisch gleichgeschalten sind. Hatten Sie in der DDR eine politische Funktion?

    Ein Vorschlag im Guten: Wie wärs, wenn Sie nächstes Mal einfach nicht zu unserem Kongress kommen? Wenn ich die Wahl habe, dass Farkas und andere nicht kommen dürfen, oder jene, die gerne ausgrenzen, wie Sie, dann ist mir Letzteres viel lieber. Sie haben doch so wunderbare Kongresse in Deutschland, die ideologisch so rein sind, dass auch ich dort nicht auftreten darf, weil ich mich zu sehr gegen die Ausgrenzung engagiere. Dort wären Sie doch viel besser aufgehoben, in der Bedeutungslosigkeit dieser Inzuchtkreise.

    In Ihren Worten: mir hätte es in der Tat am Wiener Kongress viel besser gefallen, wenn Sie nicht dortgewesen wären.

  8. Martin Balluch says:

    Deutschland hat natürlich eine wunderbar einige Tierrechtsbewegung und die vielen Leute, die mir ständig von dort schreiben wie schrecklich zerstritten alles ist, irren sich selbstverständlich.

    Die genannten Veranstaltungen und der Tierrechtskongress stehen etwa im Verhältnis zueinander wie ein one-night-stand und eine langjährige Liebesbeziehung.

  9. Uvula says:

    Nicht zu vergessen die „Tierrechtstage“, die 2006 und 2007 in Recklinghausen stattfanden oder der TAN-Kongress an der Hamburger Uni von 2007 . Auch der Internationale Tierrechtskongress (IARC), der seit vier Jahren in Luxemburg stattfindet, muß erwähnt werden: er wird wesentlich von deutschen AktivistInnen organisiert (die nur nach Esch/LUX gehen, weil da die Bedingungen günstiger sind). Also: sooo weit muß man die Klappe nicht aufreissen, dass es nur in Ö Tierrechtskongresse gegeben hat, weil’s dort eben so alles-und-jeden-umfassend zugeht, und in D gab’s keinen, weil man sich dort zu sehr gegen rechte Umtriebe in der Szene oder das UL usw. abgrenzt.
    Tja, und mir hätte es in der Tat auf dem Wiener Kongress besser gefallen, wenn der Homöopathiebefürworter am Anfang und der Jagdbefürworter zum Schluß weggeblieben wären. Die haben auf einem TR-Kongress nun wirklich nichts verloren. Und über einen Referenten, der auf seiner Website und trotz vehementer Kritik mit einem Magazin gemeinsame Sache macht (und sogar auf dem Cover dieses Magazins abgebildet ist), das eindeutig als rechtsextrem gewertet werden muß , muß man sich auf so einem Kongress auch nicht freuen… (vgl., de.wikipedia.org/wiki/Umwelt_%26_Aktiv)

  10. M. says:

    Da du dich in deinem Text wohl auf den offenen Brief der BAT beziehst, ein paar Gedanken meinerseits dazu:
    http://www.basisgruppe-tierrechte.org/

    Als weißer, a-religiöser und „gesunder“ Österreicher , finde ich es relativ leicht zu einem Kongress zu gehen und über die Präsenz und die Rhetorik von Menschen wie Kaplan hinwegzusehen. Aber wenn ich Rassismus oder Antisemitismus selbst betroffen wäre, dann sähe die Sache vielleicht schon anders aus. Ich würde mich durch den Holocaust-Vergleich verletzt fühlen, wenn damit der Mord an meinem Großeltern instrumentalisiert werden würde. Ich würde den Raum verlassen, vielleicht auch den Kongress. Ich würde vielleicht gar nicht erst hingehen. Genauso wenn ich von rassistische Gewalt betroffen wäre oder z.B. Schizophrenie hätte. Die Präsenz von Menschen, die sich diskrimminierend verhalten, schließt immer andere Menschen aus.

    Ich glaube, man kann durchaus diskutieren, ob man eine Person im Vorhinein von einem Event ausladen soll. Was mich aber erschreckt, ist die Indifferenz gegenüber Diskrimminierung und Unterdrückung. Du affirmierst doch selbst: „Alles ist zu tolerieren, außer Intoleranz, ist das Vermächtnis vom österreichischen Philosophen Karl Popper.“ Warum wird also jemand toleriert, der sich antisemitischer und ableistischer Rhetorik bedient? Zählen die tatsächlichen Gefühle von Menschen weniger, als das Label „ohne Ausgrenzung“?

    Ich hätte im Bezug auf Kaplan vor dem Kongress zumindest ein Statement erwartet. Ala – „Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Ansichten Kaplans. Wenn er sich nochmals antisemitisch, rassistisch, ableistisch oder sonst irgendwie diskrimminierend äußert, fliegt er raus. Das gleiche gilt für alle anderen Vortragenden. Es ist uns wichtig möglichst viele Menschen zu inkludieren und Awareness-Strukturen aufzubauen. Menschen aller Hautfarben und Ethnien, physischer und psychischer Verfasstheit sind ausdrücklich willkommen.“
    Für ein Statement vor dem Kongress ist es jetzt zu spät. Aber Schadensbegrenzung liese sich noch immer machen.

  11. quark says:

    „In der deutschen Szene dominiert leider diese Ausgrenzerei und wir sehen die Konsequenzen: während wir hierzulande schon den 6. Tierrechtskongress organisieren, hat es in Deutschland bisher keinen einzigen gegeben, weil die Szene einfach zu zerstritten ist und sich gegenseitig ausgrenzt.“
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    Die ersten „Tierrechtstage“ gabs in Deutschland meines Wissens 1995, kann mich aber auch irren. Das war zwar ein Fiasko – nichtsdestotrotz geht die Geschichte der Tierrechtsbewegung in D-Land weiter zurück als bei den Ösis – kein Wunder, sind auch zehnmal soviel Menschen. Auch das International Animal Rights Gathering war mal in Berlin.
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    Was die letzten paar Jahre betrifft: 2008 gab es einen Antispekongress in Hannover, 2009 und 2010 den Tierbefreiungskongress auf der Burg Lohra, 2012 die Tierbefreiungstage in Hamburg. Von 2008 und 2009 gab’s auch eine Dokumentation auf DVD (Videos, Audios, Texte).
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    Sicherlich gab’s da noch mehr, recherchieren oder Leute fragen, die sich auskennen, würde helfen. Ich wollte nur mal auf die Schnelle Ihre Wissenslücke fürs Erste schließen, Herr Balluch. 🙂

  12. Cerem says:

    „In der deutschen Szene dominiert leider diese Ausgrenzerei und wir sehen die Konsequenzen: während wir hierzulande schon den 6. Tierrechtskongress organisieren, hat es in Deutschland bisher keinen einzigen gegeben, weil die Szene einfach zu zerstritten ist und sich gegenseitig ausgrenzt.“

    Was soll denn dieser Quatsch? Deutschland hatte doch auch seine Kongresse, sie nannten sich halt nur anders, nämlich Tierbefreiungskongress.

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