Endlich wieder frische Luft!

P1000799kleinViel zu lange mussten mein Hundefreund und ich jetzt schon warten, wieder in die Natur gehen zu können. Doch jetzt ist es so weit. 3 Nächte und 2 ½ Tage draußen! Ich fühle mich wie nach Hause gekommen. Die Luft! Sie ist so klar und kalt, erfrischend wie Wasser. Kein Geruch von Autoabgasen. Erst hier fällt einem das so richtig auf. Fährt unten auf der Forststraße im Wald einmal ein Jäger im Auto vorbei, stinkt es noch 10 Minuten danach nach Abgasen. In der Stadt merkt man das kaum, hier heraußen aber könnte die Wirkung nicht deutlicher sein.

P1000797kleinWir wandern viele Stunden durch den Wald. Die Umgebung wirkt so beruhigend, die Stille umfängt uns. Es ist viel zu warm für die Jahreszeit, aber wir genießen die Sonne. Zusammen setzen wir uns zwischen die Bäume und beobachten Insekten, die über uns bereits ihre Hochzeitstänze aufführen. Das Sonnenlicht spielt sich auf den grünen Tannennadeln, wandert sie entlang. Die Schatten brechen zwischen den Stämmen und auf den Jungbäumen um uns herum. Lange schauen wir einfach nur in die Gegend, verfolgen den roten Sonnenball, wie er den Bergrücken entlang wandert und schließlich hinter den Felsen verschwindet.

P1000805kleinAuf der Hochebene hebt jetzt ein kalter Wind an. Das Gras ist noch braun, weite Flächen mit Schnee bedeckt. Die breiten Kämme entlang zu gehen hat etwas Meditatives. Ich kann meine Mitte finden, das Sprechen im Kopf hat aufgehört, ich sauge die Landschaft um uns herum in mich ein. Wie es hier wohl vor 10.000 Jahren ausgesehen hat? Es fehlt nicht viel, und man kann sich vorstellen, wie es ohne den menschlichen Einfluss wäre.

P1000812kleinIm Dunkeln steigen wir durch steilen Wald in tiefere Lagen ab. Auf einer Wiese voll Schneeglöckchen, die im Licht meiner Stirnlampe leuchten, lassen wir uns nieder. Ich könnte ewig hier still liegen. Da gehöre ich her, da fühl ich mich zu Hause. Am Firmament eine ungeahnte Menge von Sternen vor nachtschwarzem Hintergrund. Hier gibt es keine Lichtverschmutzung, hier leuchtet das Firmament wie vor der Zeit der Elektrifizierung. In der Stadt könnte man glatt vergessen, dass da oben Sterne funkeln. Stundenlang liegen wir ruhig im dunklen Wald nebeneinander, bevor wir einschlafen.

P1000817kleinAm frühen Morgen fällt Schnee, die Bäume hüllen sich ein, es ist deutlich kälter. Einmal noch kurz kehrt ein Hauch von Winter zurück, Insekten und Vögel haben sich wieder versteckt. Da unter den 30 cm Neuschnee müssen wo die Blumenblüten von gestern sein.

Zurück beim Auto will mein Hundefreund nicht mehr einsteigen. Er hat eine Stadtallergie. Wir setzen uns noch einmal zwei Stunden unter die mit Schnee beladenen, tief hängenden Äste der Bäume. Dann wird es Zeit aufzubrechen, das Leben zurück zu lassen und mit angehaltenem Atem und zusammengebissenen Zähnen bis zum nächsten Wochenende durchzuhalten.

12 thoughts on “Endlich wieder frische Luft!

  1. Martin Balluch says:

    @ Horst E.: Ich fürchte Sie haben ein seltsames Bild von der Natur, man überlebt nur mit Waffen und im ständigen Kampf. Meiner Erfahrung nach ist das nicht wahr. Angefangen in Neuseeland, wo ich ein Monat in der unberührten Wildnis wandern war. Neuseeland ist eine reine Vogelinsel, es gibt nicht einmal Schlangen. Ich wüsste beim besten Willen nicht, welches Tier einem da etwas antun sollte. Der Kiwi, der in der Nacht an den Zehen knabbert?

    Aber auch Europa ist diesbezüglich anders als Sie denken. Wir wandern oft wochenlang mit dem Zelt durch die Südkarpaten. Einmal sind wir 5 Tage lang den Spuren eines 13 köpfigen Wolfsrudels im Schnee gefolgt. Wir fanden dann an den Spuren, dass die Wölfe in der Nacht nahe zum Zelt kamen, um zu schauen, wer sie da verfolgt. Aber bedrohlich wurden sie niemals. Ich bin jetzt schon mehr als 10 x Bären in der Wildnis begegnet, auch mitten in der Nacht. Noch nie hat mir einer davon etwas getan, mich nicht einmal bedroht. Ich hatte keine Waffe und verhielt mich unterwürfig, also kein Schreien, keine Kampfpose, sondern ruhig auf den Boden legen. Und die Bären? Sie haben mir nichts getan, sind entweder ruhig oder flott davongegangen.

    Vielleicht meinen Sie den Auerhahn? Einmal hat mich einer angegriffen, aber Waffen habe ich da auch nicht gebraucht. Ja, ich wurde schon von Schlangen bedroht, und einmal von einem Steinbock. Aber, noch einmal, es waren keine Waffen nötig. Säbelzahntiger gibts in Europa seit 28.000 Jahre nicht mehr. Aber selbst wenn sie mich angegriffen hätten, wenn es sie gäbe, und ich mich verteidigen müsste, irren Sie, wenn Sie einen Widerspruch zu Tierrechten zu erkennen glauben. Tierrechte gelten wie Menschenrechte nur prima facie, d.h. es gibt Ausnahmen wie Notwehr, hier wie da.

  2. Horst E. says:

    “ Wie es hier wohl vor 10.000 Jahren ausgesehen hat? Es fehlt nicht viel, und man kann sich vorstellen, wie es ohne den menschlichen Einfluss wäre. “

    Vor 10 000 Jahren wären du und dein Hund wahrscheinlich schon längst von Wölfen, Bären und Sabelzahntigern aufgefressen oder von Mammuts platt getrampelt worden.

    Oder aber du hättest dich gegen diese Angriffe mit Hilfe von Waffen gewehrt. Aber das wäre ja nicht im Sinne eines Tierrechtlers, gell 🙂

  3. Hugo says:

    Dean,

    Ich höre hier die Frage: „wie kann man mit Flügel überhaupt fliegen?“. Die einzige Antwort die ich habe ist: „Mit Flügel kann man fasst nur fliegen.“

    Wenn man naturwissenschaftliche Einsichten sucht kann man ohne der Natur zu kaum einen brauchbaren Gedanken kommen. Kaum etwas von den Gedanken des Theoretikers Aristoteles sind heute was wert im Gegensatz zum Naturverbundenen Epicurus, der die Stadt für die Natur verlies. Epicurus hat in „de rerum natura“ für Newton die Gravität vorbereitet, für Darwin die Evolution und für Einstein die Atome. Sich in seinem Kopf, auf der Uni oder in der Stadt zu verstecken hat selten zu Einsicht geführt? Das betrifft auch die spirituelle Seite, siehe Jesus oder Buddha, die alle zuerst einmal aus der künstlichen Stadt raus mussten?

    Darwin wäre ohne seine Natur Reisen nie im Leben auf die Evolutions Theorie gekommen, trotz dem was die Griechen wie Epicurus ihm in den Schoß legten? Leonardo hätte keine Flugmaschinen erdacht ohne Vögel zu beobachten. Ich glaube nicht an die Geschichte, aber es war kein Teller der zu Boden viel sondern ein Apfel der Newton… Die List ist sehr lang.

    Die Stadt ist ein toller Urwald für alte und neue Memes. Viele künstliche Abläufe in der Stadt und Kultur sind aber nicht nachhaltig sondern werden nur „künstlich“ am Leben gehalten, zB moderne Agrarindustrien. Um diese Unterschiede zu erkennen muss man alte, nachhaltige Abläufe aufsuchen. Diese gibt es nur in der Natur und ganz rein nur in der wilden Natur.

    Das bedeutet nicht, dass alle Menschen aus der Stadt in den Wald ziehen sollten. Aber wir sollten nie vergessen, was uns jeden Tag unser Leben ermöglicht und erhält. Es sind nicht die Bauern, unsere Bosse oder unsere Eltern. Es ist auch nicht die Gesellschaft. Es ist einzig und alleine die weniger werdende, wilde Natur, die es noch gibt. Wir möchten uns seit Jahrtausenden von der Natur emanzipieren und selbstständig und unabhängig werden ohne zu verstehen, dass das per Definition nie gehen wird solange wir Menschen lebende Tieren sind.

  4. miss viwi says:

    Ich denke nicht, dass die akademische Bildung einer Person, eine Naturverbundenheit und Ausflüge in die Wildnis derselben ausschließt. Die Balance zwischen geistiger und körperlicher Aktivität/Leistung und auch die Distanz zu vielen Dingen kann dadurch bestimmt gut gewonnen werden.

    Von den hier veröffentlichten Texten und Bildern fühle auch ich mich sehr dazu inspiriert mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Danke!
    Liebe pflanzliche Grüße,
    miss viwi

  5. Dean says:

    Noch eine kurze Anmerkung, wieso „…zwei Doktortiteln und Ausflüge in die Wildnis … sich gegenseitig ausschliessen“ nur „vielleicht“ ein Irrtum ist, ist schwer zu erklären und ich verstehe es wenn ihr es nicht versteht! Ich würde es auch nicht verstehen 😉
    Da waren meine Gedanken der Realität zu fern 😉

  6. Dean says:

    Hallo Hugo,
    ja, deine Einwände zeigen mir deutlich wie missverständlich ich mich ausgedrückt habe!
    Was ich Martin eigentlich Fragen wollte, weil viele meiner Freunde ihn bei seinen Auftritten nicht wirklich so glücklich und ausgegliechen wie geschildert beschreiben würden, ist, wo er sich sein Lebensglück suchen würde zwischen zwei Doktortiteln und solche Ausflüge in die Wildnis. Für mich, vielleicht ein Irrtum, schließt das Eine das Andere aus.
    Deshalb auch die Geschichte, welche nur darstellen soll, wie unbewusst sich solche Spannungen entwickeln und wie sich das Verhältnis vom Betonanbeter zum Naturverbundenen mal zu Gunsten des Einen aber dann immer zu Gunsten des Anderen verschiebt, und immer wieder so hin und her springt, bis entweder die Natur oder der Beton ausgegangen sind!
    Aber vielmehr projeziere ich auf Menschen die ihre Naturverbundenheit so darstellen wie Martin meine eigenen Sehnsüchte und Konflikte zwischen „Zurück zur Natur“ und Fortschritt und Zukunft!
    Ich in meinem Pessimismus denke manchmal so absolut, dass ich gerne übersehe dass der Mensch Belastungen aushalten und sich dann davon einfach wieder erholen kann, also durchaus ein Kompromiss für sich selbst zu finden bereit ist!
    Natürlich ist so ein Ausflug was wunderbares, und Martins Blog hat mich so inspiriert (mein beitrag sollte eigentlich auch „positiv“ sein), insbesondere die Artikel über den Typen in Sibirien, Christopher McCandless und dieser hier, dass ich jetzt selbst solche Erfahrungen in der Natur sammeln möchte, aber ich wollte halt wissen wie er eben über dieses Spannungsverhältnis, sofern es für ihn überhaupt eins ist, denkt! Weil ich bin ja selber oft verwirrt, das muss ich ja auch zugeben, und ich würde gerne mehr über das „Vorbild“ Balluch wissen, aber gut wenn man mich durch Fragen zur Selbsteinsicht bewegt 😉
    Aber zu deiner Frage was die zerstörung der Natur verursacht kann ich dir mit nur einem Wort antworten: die Zivilisation!

  7. Hugo says:

    Dean,
    Kurzgesagt: „Was?“ Es gibt nicht viele Dinge im Leben, denen wir uns sicher sein können, da wir nur ein Teil des Ganzen sind. Aber eines ist sicher: Natur = Leben. Martin scheint Natur zu geniessen, ich wünsche jedem hier dasselbe. Martin scheint sich auch seine intellektuelle Neugier bewahrt zu haben, ich wünsche jedem hier das gleiche. Ich bin mir nicht sicher ob, im Kontrast, uninteressierte Betonanbeter den Ausgleich der Seele eher erreichen können, von dem sie sprechen?
    Ihre Geschichte machte mich jedoch nachdenklich. Habe ich das richtig verstanden, es sind die Wanderer, die für die Zerstörung der Natur verantwortlich sind und nicht zB das fehlen von Tierrechten, dass zu tierischen Agrarindustrien bei starken Populations-Wachstum durch die Industrialisierung geführt hat?

  8. Dean says:

    Ach Martin,
    du bist ja ein „Gleicher“ – ein heroisch leidender Geist wie viele andere auch! Zerreist es dich auch einerseits an Genügsamkeit, an Primitivität, an Natur, Reinheit, Stillstand und Ruhe Mangel zu leiden, aber andererseits dem Geist unaufhörlich neues Wissen, Schaffen, Aktualität und Beschäftigung anbieten zu müssen? Bedürfnisse zu Stillen die unaufhörlich nach Erfüllung verlangen?
    Für mich ist der Ausgleich dieser Spannungen leider nicht gleichzusetzen dem Ausgleich der Seele! Die Unvereinbrkeit dieser Gegensätze, das Konservative und das Progressive, und selbst der falsche Kompromiss dazwischen, sind die Ursache des größten Unheils auf dieser Erde – die Entfremdung, und in Folge daraus die Entartung!
    Aber „was ist“, was nicht Notwendig war? Wie kann man sagen das Eine sei unabhängig vom Anderen entstanden?
    Da gibt es diese eine Geschichte von der „grünen Wiese und die Stadtmenschen“ oder so ähnlich?! Kennst du sie? Meine Freundin hat sie mir erzählt, und darin geht es um eine schöne und ruhige Wiese, wo die Stadtmenschen ihre Kinder zum spielen brachten und um selbst der Stadt zu flüchten! Sie fanden aber soviel gefallen an der Wiese, dass sie nach und nach mal einen Griller, ein Zelt, ein kleines Holzhäuschen dort gebaut hatten um sich wohl zu fühlen. Die Geschichte ging so weiter, dass die Menschen immer mehr und immer mehr die Wiese verdrängt, verbaut und ausgelöscht haben, bis eben sich sogar Industire dort angesiedelt hatte um die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen und schon eine Stadt daraus wurde. Und dann haben die Menschen wieder eine weitere Wiese entdeckt und wollten dorthin von der eigentlcih ersten schönen Wiese flüchten. Aber die Kinder haben dann gesagt: Aber bitte macht uns diese Wiese nicht auch kaputt!
    Wo in dieser Geschichte stehst du?

  9. ella@gmx.de says:

    Eben, darum auch der nachfolgende smile

  10. Martin Balluch says:

    Die Frühlingsknotenblume wird auch Großes Schneeglöckchen genannt, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChlings-Knotenblume.

  11. ella says:

    Diese schneeglöckchen schauen mir verdächtig nach frühlingsknotenblume aus 🙂

  12. Hallo Martin, wie gehst Du mit den Jägern um wenn sie Dich ohne angeleinten Hund sehen und anreden? Würde mich sehr interessieren. Ich habe in der Steiermark das Jagd- und Sicherheitsgesetzt durchgelesen und es unterscheidet sich kaum von dem Wiener Sicherheitsgesetz. Im Wiener Landesgesetz steht noch der Zusatz „land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen“ – also auch dort herrscht Leinenpflicht. Diese Worte fehlen im Steiermärkischen Sicherheitsgesetz. Ich habe die Gesetzestexte des Steiermärkischen Sicherheitsgesetzes und des Steirischen Jagdrechtes bezüglich Leinenpflicht hier zusammengefasst: http://jochenkrieger.blogspot.co.at/2014/03/hund-und-wald-im-steirischen-jagdgesetz.html
    Ich bin sehr gespannt auf Deine Antwort.

    Liebe Grüße

    Jochen

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