Erdogan: die Verlockung von Macht und nationaler Stärke

Die Speerspitzen des europäischen Rechtsrucks sind Polen, Ungarn und vor allem die Türkei. Insbesondere letztere zeigt, wohin die Reise geht: 1500 NGOs aufgelöst, zigtausende Verhaftete, 50 Prozesse gegen JournalistInnen wegen Hochverrats mit dem Damoklesschwert einer lebenslangen Haftstrafe. Die Opposition wird bedroht und kaltgestellt. Nun steht eine Volksabstimmung darüber an, ob die Demokratie abgeschafft und Erdogan zum Diktator ernannt wird. Das letzte Mal, dass das Volk noch etwas sagen darf.


Wie kann irgendjemand mit einem Funken Verstand diese Entwicklung für gut befinden? Wie kann ein Volk freiwillig sein Mitspracherecht abgeben? Wie kann man sich freuen, wenn Repression, Überwachung, Ausschaltung der Pressefreiheit und Unterdrückung der Zivilgesellschaft durchgezogen werden?

Die TürkInnen in Österreich freuen sich offenbar dennoch darüber. Unsere Medien berichten jedenfalls, dass man hierzulande Erdogan mehrheitlich unterstützt. Da kann es doch nur um Nationalstolz und die Verlockung der Macht gehen. Endlich gelten wir wieder etwas! Endlich einer, der Europa seine Meinung sagt! Endlich ein starker Mann, der die Türkei zu einer starken Nation macht! Ja, dieses Gerede haben wir doch schon einmal gehört. Lernen wir nichts aus der Geschichte?

Was ist der Preis? Internationale Konflikte, Religionskrieg, Fake News und damit Missinformation in den gleichgeschaltenen Medien, keine Kritik, keine Opposition, keine Mitsprache möglich. Und natürlich Wiedereinführung der Todesstrafe. Sehenden Auges in den Untergang. Unfassbar!

Mit Tierschutz und sozialen Themen ist es dann auch vorbei. Wie gut sind die Chancen, in einem solchen Staat eine vegane Bewegung zu etablieren? Ich stelle mir vor, wie ich unsere Jagdkampagne in einem derart autoritären Staat zu führen hätte. Lange würde ich nicht leben.

Und wie stehen unsere Rechten zu dieser Entwicklung? Finden sie, Erdogan ist ein tolles, nachahmenswertes Beispiel von Staatsführung und Politik? Wollen Sie ebenso die Demokratie abschaffen oder nicht? Was, konkret, an Erdogans diktatorischen Allüren ginge ihnen zu weit? Es wäre doch an der Zeit, hier Farbe zu bekennen. Vielleicht könnten sich alle, die damit liebäugeln, ihre Stimme bei der nächsten Wahl den Rechten zu geben, ebenfalls diese Frage stellen. Was macht sie so sicher, nicht das letzte Mal mitbestimmt zu haben?

Wie wird man dieses Gespenst wieder los? Sind Erdogan, oder auch Orban, je wieder abwählbar? Die weltweite politische Entwicklung ist momentan wirklich beängstigend.

One thought on “Erdogan: die Verlockung von Macht und nationaler Stärke

  1. Ingo sagt:

    Es gibt eine einfache Erklärung, die übrigens bereits Karl Marx richtig reproduziert hat: „Die Religion ist […] das Opium des Volkes.“. Wenn man bereits kleinen (unkritischen) Kindern ohne höhere Bildung seit der Geburt eine Religion auftischt, funktioniert das bestens. Genau DAS ist das Prinzip auf dem dieses System aufbaut. Vor allem der Anhänger des radikalen Islams, deren größte Feinde Juden und Ungläubige sind, stellen das beste Beispiel für weit verbreitete und erfolgreiche Gehirnwäsche dar.
    Und Erdogan, vermutlich selbst indoktriniert was den Islam betrifft, weiß wie man so etwas ausnutzt.
    Das was das Christentum in der Vergangenheit mit Hexenverbrennungen und Kreuzzügen aufgeführt hat, macht heute der Radikalislam.
    Jede(r) soll glauben was er/sie/es will oder auch nichts aber religiöser Extremismus muss vermieden werden.

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