Feminismus und Geschlechtergleichberechtigung sind zwei verschiedene Paar Schuhe

Ich interessiere mich gerade für die Frage, ob man einem Kind die normale Schule zumuten kann oder nicht. Wäre nicht eine frei Schule besser, oder gar das Home Schooling, also der Unterricht zu Hause? Ich bin noch dabei, die Fakten zusammen zu tragen. Als Teil davon habe ich mit einer 56 jährigen Lehrerin gesprochen. Neben vielen anderen interessanten Dingen, sagte sie, dass sie zum Glück in 4 Jahren in Pension gehen kann. Sie hatte schon große Reisepläne für die Zeit danach. Und dann sagte sie, dass ein männlicher Kollege, der gleich alt sei, wie sie, und der mit ihr in derselben Schule begonnen hatte, noch 5 Jahre länger arbeiten muss, bevor er in Pension gehen darf. Nicht, dass er dafür mehr Pension bekäme. Sie fand das total ungerecht. Und der Mann auch. Hat er sich beschwert, frage ich sie, hat er z.B. eine Gleichbehandlungsbeauftragte kontaktiert oder irgendwo protestiert? Nein. Hat er nicht. Man nimmt das eben einfach so hin. Männer protestieren im Allgemeinen nicht gegen Ungleichbehandlung aufgrund ihres Geschlechtes. Warum auch immer.

Die Frauen sind da schon ganz anders. Der Feminismus zeigt es vor, wie man das macht. Aber gegen die Ungleichbehandlung von Männern engagiert er sich nicht. Feminismus ist eben nicht dasselbe wie die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit. Das habe ich erst kürzlich wieder bei einer Konferenz erlebt.

Es ging um freie Medien. Am Podium waren eine Vertreterin der kommerziellen Privatmedien, eine Vertreterin der freien Medien und ein Vertreter des öffentlich Rechtlichen (ORF). Die Moderatorin stellte den Diskutant_innen 5 Fragen. Eine davon war, ob in ihren Medien eine feministische Grundhaltung existiere. Seltsam, dachte ich noch. Warum nicht eine Gleichberechtigung der Geschlechter? Vielleicht dachte die Moderatorin, das sei sowieso dasselbe. Oder es ging ihr nicht um Gleichberechtigung der Geschlechter, sondern explizit um Feminismus.

Die Vorstellung der Podiumsteilnehmer_innen begann sie mit den Frauen und sagte dazu „Damen zuerst“. Dieselbe Person forderte dann eine feministische Grundhaltung. Also gibt es in ihren Augen offenbar keinen Widerspruch zwischen „Damen zuerst“ und Feminismus. Gleichstellung der Geschlechter sieht jedenfalls anders aus.

Die Vertreterin der kommerziellen Privatmedien sagte zur Feminismus-Frage, dass sie der Meinung sei, dass Teams mit höherem Frauenanteil einfach besser seien. Kein Widerspruch im Publikum. Wie wäre es gewesen, hätte sie, umgekehrt, gesagt, Teams mit mehr Männern wären einfach besser? Die Vertreterin der freien Medien meinte, in den freien Medien habe man sich geeinigt, alle nur mit weiblicher Endung statt gegendert anzusprechen. Als Beispiel brachte sie, dass es bei ihnen nur Mitarbeiterinnen und keine Mitarbeiter_innen gebe. Und kein Mann habe sich bisher „tränenreich“ bei ihr beschwert, meinte sie noch abwertend. Das sei ihr Beitrag zum Feminismus. Und der ORF? Da wurde gesagt, dass bereits 57 % der journalistisch arbeitenden Mitarbeiter_innen weiblich seien. Na hoffentlich sinds bei der nächsten Diskussion dann schon 60 %.

Seltsam, dachte ich mir. Was diesen Leuten zu Feminismus einfällt ist „Damen zuerst“, Teams mit mehr Frauen als Männern sind besser, kein gendern sondern nur weibliche Endungen, und noch mehr als 50 % weibliche Mitarbeiterinnen muss das Ziel sein.

In der Tat. Feminismus ist etwas ganz anders als Gleichberechtigung der Geschlechter. Schade, eigentlich. Wie lange sich die Männer das noch gefallen lassen?

10 thoughts on “Feminismus und Geschlechtergleichberechtigung sind zwei verschiedene Paar Schuhe

  1. Martin Balluch says:

    @Maria Sand

    1) Diese Geschichte, dass es vor über 8000 Jahren noch ein friedliches – warum nicht gleich veganes – Matriarchat gegeben habe, wo man hauptsächlich gesammelt habe, und dann hätten die bösen Männer in einem Putsch die Macht übernommen und zusammen mit den Tieren auch gleich die Frauen unterjocht, Fleisch zu fressen begonnen und Hierarchie und Unterdrückung eingeführt, ist nichts anderes als eine typisch toxisch feministische Folklore. Es gibt dafür keine historische Evidenz. Wenn man die Frauenstatuetten aus dieser Zeit nicht als „Beweis“ für ein Matriarchat und den gottinnenähnlichen Status in der Gesellschaft heranziehen will – was weit hergeholt ist. Immerhin gibt es auch Frauenstatuen nach der neolithischen Wende. Ich halte das also für männerfeindliches Blabla.

    2) Dass Sie ernsthaft verteidigen wollen, dass Männer keine Rechte auf ihre Kinder haben, ist sehr bedenklich. Die Ausrede, es gäbe Männer die Gewalt ausüben, zählt nicht. Das wäre ein sexistisches Vorurteil, deshalb alle Männer in einen Topf zu werfen. Es gibt kaum weibliche Mathematikerinnen in führender Forschung und deshalb darf man nicht davon ausgehen, dass alle Frauen von Mathematik nichts verstehen. Es mag Männer geben, die sich nicht für ihre Kinder interessieren, aber deshalb den Männern, die weder Gewalt ausüben noch denen ihre Kinder egal sind, den Zugang zu ihren Kindern zu verwehren oder erschweren, ist dennoch sexistisch und männerfeindlich und hat mit einer emanzipatorischen Gesellschaft nichts zu tun. Ich vermisse den feministischen Aufschrei gegen diese unemanzipatorische Praxis. Daher halte ich den Titel des Beitrags weiterhin für zutreffend.

    3) Sicherlich gab es eine Unterdrückung der Frauen in der Gesellschaft. Aber damit kann man nicht rechtfertigen, Männern die Nachteile ihrer Genderrolle nicht ebenso zu ersparen, wie den Frauen. Und es gibt zahlreiche Nachteile der Männerrolle. Gerade habe ich eine Studie im New Scientist gelesen. Dort stand, dass bei einem Experiment Frauen Bilder von Männern gezeigt wurden und dazu gesagt, dass dieser Mann dem Satz zustimmt „in einer Notsituation ist Frauen zuerst zu helfen, und dann erst Männern“ oder dem Satz „in einer Notsituation ist genderunabhängig zu helfen“. Die Frauen fanden durchgehend Männer mit ersterer Charakterisierung attraktiver. Mit anderen Worten, es gibt für Männer in unserer Gesellschaft einen starken Druck, Frauen bevorzugt zu helfen als Männern – zu ihrem eigenen Nachteil. Mit derartigen Belegen von Sexismus könnte man Bände füllen.

  2. Maria Sand says:

    Herr Balluch, das wird eine lange Antort. 🙂

    „1) Diese Geschichte, dass es vor über 8000 Jahren noch ein friedliches – warum nicht gleich veganes – Matriarchat gegeben habe …“
    Eine Entwicklung verläuft selten linear. Immer gibt es ein breites Spektrum gleichzeitig. Es gibt bis heute matriarchale Kulturen, auch wenn diese nur ein Schattendasein führen und sicher auch nicht mehr so ganz dem entsprechen, was vor tausenden Jahren gelebt wurde. Wahrscheinlich kann man nie totale Trennlinien ziehen. Es ist immer alles im Wandel begriffen und verschiedene Spielarten werden entwickelt. Sicher hat es nie einen „Putsch“ gegeben, auch wenn die griechische Sagenwelt dahingehend Andeutungen macht, aber es hat ganz sicher mit Gewalt zu tun. Die Beziehung zur Natur ist bei matriarchalischen Gesellschaften anders, aber Fleisch wird gegessen. Natürlich sind die heutigen matriarchalischen Gesellschaften auch bäuerlich, weil sie nicht ohne Einfluss anderer Kulturen sind. Wahrscheinlich wurde die matriarchale Lebensform im Laufe der Zeit weitgehend abgeschafft, weil sie in größeren bäuerlichen Kulturen schwerer aufrecht zu erhalten sind und weil sie von den aggressiveren patriarchalischen Kulturen ausgerottet wurden.
    Bei den matriarchalischen Gesellschaften wird nicht unterdrückt. Diese Gesellschaft funktioniert anders als unsere. Auch die Männer werden nicht unterdrückt. Das ist nur bei den patriarchalischen so. Dort werden sowohl Frauen, als auch viele Männer unterdrückt – Sklaverei.
    Die Kleinfamilie aus Vater, Mutter, Kind, wie wir sie kennen, gibt es nicht. Die Kinder gehören grundsätzlich zur Mutter und bleiben in deren Clan. Die Mütter – das ist dann eine Gruppe von Schwestern – erziehen die Kinder gemeinsam. Großmütter, Großtanten und Brüder sind auch da. Das Interessante ist: Die Brüder betrachten die Kinder der Schwester als ihre Kinder, während die in unseren Augen biologischen Väter die Kinder nicht als ihre Kinder ansehen. Das liegt an der Mutterlinie. Der Bruder der jungen Mutter trägt denselben Clan-Namen wie sie selbst und damit auch denselben wie ihre Kinder. Daher betrachten sie sich als verwandt. Der biologische Vater aber hat einen anderen Clan-Namen, nämlich den seiner Mutter. Die Nachkommen, die er mitbetreut und für die er mitsorgt, das sind die Kinder seiner Schwestern. Das ist eine ganz andere Verwandtschaftsordnung, als wir sie haben. Die biologische Vaterschaft, wie wir sie verstehen, hat für sie keine Bedeutung. Manchmal wissen sie gar nicht, wer der biologische Vater des Kindes ist, weil es sie nicht interessiert. Falls sie es aber wissen, respektieren sie das natürlich. Denn der Mann ist ja der Geliebte der Frau. Der wird gern gesehen und bekommt Geschenke. Aber er ist nicht im Clan der Frau zu Haus. https://www.n-tv.de/wissen/Frauenherrschaft-Das-ist-Unfug–article3974511.html
    Fakt ist, dass die älteste, uns bekannte Schöpfungsmythe eine Göttin als Schöpferin des Kosmos, der Welt und der Menschen sahen. Die Geschichte wurde später ins Gegenteil verkehrt, etwas verändert und in die Bibel aufgenommen. Vermutlich wurde aufgrund der bäuerlichen Lebensweise den Menschen erst die väterliche Rolle bei der Zeugung bewusst. Deshalb entstand der „erschaffende Gott“. Die Göttin verlor ihre Macht.
    Viehhaltung hat sicher viel mit Gewalt zu tun, weil man dem Tier die Freiheit nimmt. Das ist eine neue Erfahrung, die direkt zur Bildung von Hierarchien führt. Je gewalttätiger jemand ist, desto höher steht er in der Hierarchie.

    „2) Dass Sie ernsthaft verteidigen wollen, dass Männer keine Rechte auf ihre Kinder haben, ist sehr bedenklich.“
    Das habe ich nicht behauptet. Ich habe geschrieben: Man darf aber auch nicht vergessen, dass es auch viele Väter gibt die gewalttätig sind. Gerade solche Väter beschweren sich dann gerne, weil sie keinen Zugriff auf ihr Kind haben.
    Offenbar verstehen sie das falsch. Es stimmt ja nicht was sie behaupten. Männern wird nicht prinzipiell das Recht entzogen, Kontakt zu ihren Kindern zu haben. Schließlich gibt es ein Gerichtsurteil, wenn die Ehepartner sich nicht einigen können. Die meisten Ehepartner haben keine Probleme damit. Aber wenn ein Vater gewalttätig ist, oder sein Kind sogar missbraucht hat, hat er sicher kein Recht auf sein Kind. Dann muss man das Kind vor ihm schützen. Solche Männer schreien oft am lautesten, sie seien ungerecht behandelt worden. Gewalttäter glauben meistens, sie seien im Recht, egal was sie tun. Es gibt auch Mütter die gewalttätig sind. Da wird normalerweise der Vater das Sorgerecht bekommen.

    „3) Sicherlich gab es eine Unterdrückung der Frauen in der Gesellschaft…“Mit anderen Worten, es gibt für Männer in unserer Gesellschaft einen starken Druck, Frauen bevorzugt zu helfen als Männern – zu ihrem eigenen Nachteil. “

    Worin liegt denn der eigene Nachteil?
    Woher kommt diese Regelung? Das hat sich so entwickelt, weil man Frauen als hilflose Wesen (die im Gegensatz zum Mann nicht einmal eine Seele hatten – so wie das Tier) betrachtete. Vor kurzem gab es eine Doku über Gladiatorinnen. Viele römische Männer waren entsetzt, weil Frauen wie Männer kämpfen durften/mussten. Die Rolle als wehrhaftes Wesen stand ihnen nicht zu. Wir sind die Erben Roms und so setzt sich das fort. Frauen durften nicht studieren, durften bis vor kurzem nicht zum Militär. Sie durften nicht zur Feuerwehr, usw. Die Frauen haben darum gekämpft das alles tun zu dürfen – nicht die Männer. Denn die Männer haben sich dagegen gewehrt. Frauen haben noch immer oft Probleme in Männerberufen, weil immer noch viele Männer es nicht akzeptieren wollen, dass Frauen alles tun, was bisher nur Männern vorbehalten war. Frauen haben natürlich von den Männern diese Sichtweise übernommen. Viele identifizieren sich mit der Rolle, die man ihnen aufgezwungen hat. Nur langsam ändert sich die Sichtweise – bei beiden Geschlechtern. Frauen durften nicht auf Schiffe, denn das war für das Schiff gefährlich. Später durften sie (es gab übrigens auch Seeräuberinnen) und wenn man in Seenot geriet hieß es: Frauen und Kinder verlassen zuerst das sinkende Schiff! In der Realität war das aber nicht immer der Fall.
    Ein normal fühlender Mensch wird zuerst die hilfloseste Person zu retten versuchen, wenn er/sie sich spontan entscheiden muss. Wenn also eine Frau meint, es sei besser zuerst eine Frau und erst dann einen Mann zu retten, fühlt sie sich unterbewusst schwach. Wurde auch gefragt, wen die befragte Frau als erstes retten würde? Eine seriöse Studie würde auch Kinder, alte Menschen, Behinderte und Tiere in diese Frage mit einbeziehen.

  3. Martin Balluch says:

    Liebe Frau Sand,

    Ihre Geschichte mit dem „guten“ Matriarchat in Ehren, aber erstens sehe ich für Ihre Behauptungen (z.B. ursprünglich weiblich-göttlicher Schöpfungsmythos) überhaupt keine Anhaltspunkte außer ein Wunschdenken und zweitens empfinde ich ein Matriarchat, auch wenn es noch so „nett“ sein sollte, als genauso eine Zumutung wie ein Patriarchat. Ich will keine pater-maternalistisch benevolenten Chefitäten über mir, sondern autonom und frei leben können. Ich hoffe Sie stehen mir zu, auch ein Matriarchat zu bekämpfen.

    Ein Matriarchat gibt es auch bei uns, nämlich bzgl. Kindern. Da gelten die Mütter als Alleinbestimmerinnen, die, wenn sie nett sind, den Vätern auch ein bisschen etwas zugestehen. Nein, Sie irren sich, wenn Sie meinen, Männer hätten rechtlich den gleichen Zugang zu ihren Kindern. Haben sie nicht. Den haben sie nur, wenn ihnen die Frauen das erlauben. Und selbst wenn das der Fall ist, wie bei mir, protestiere ich aufs Schärfste, weil ich nicht vom Goodwill anderer Personen abhängig sein will, wenn es um den Zugang zu meinem Kind geht. Wenn das Kind geboren wird, kann die Frau angeben, wer Vater ist, kann sie angeben, wer erziehungsberechtigt ist und heißt das Kind zunächst wie sie. Der Vater kann nur dann mitreden, wenn die Frau das erlaubt. Das ist das rechtliche Faktum, das ich selbst gerade erlebt habe, und das ist ganz eindeutig matriarchalisch und nicht emanzipatorisch. Ich fühle mich dadurch unterdrückt und bevormundet. Gestehen Sie mir das zu?

    Vielen Dank für den freundlichen Diskussionston. Bei Gesprächen über Feminismus ist das bei weitem nicht die Norm, sondern die Ausnahme. Aus irgendwelchen Gründen ist es offenbar sehr schwierig, über dieses Thema ruhig und rational zu diskutieren, und sowohl als Mann, aber auch als Frau, wird man ausgegrenzt und abgestempelt, wenn man es wagt, Kritik zu äußern. In der Tierrechtsbewegung z.B. kann an jeder These offen Kritik geübt werden. Im Feminismus meiner Erfahrung nach an keiner, weil selbst die abstrusesten Thesen, wenn sie das Etikett feministisch bekommen, off Limits für Kritik sind oder sein sollen. Obwohl gerade da sehr viel Diskussionsbedarf besteht.

    Mit freundlichen Grüßen, Martin Balluch

  4. Maria Sand says:

    So einfach ist das nicht. Eine Lehrerin erzählte, an ihrer Schule gab es nur weibliche Lehrer und einen männlichen. Der männliche war der Direktor. Diese Art der Verteilung ist sehr oft üblich. In Spitzenpositionen sind fast immer vor allem Männer.

  5. Martin Balluch says:

    @Maria Sand
    Das rechtfertigt dennoch nicht, Männer grundsätzlich – nämlich auch solche ohne Spitzenposition – länger bis zur gleichen Pension arbeiten zu lassen.

  6. Maria Sand says:

    Herr Balluch, das hat sich im Laufe der Zeit so entwickelt und zumindest früher war das auch gerechtfertigt. Frauen litten unter der Doppelbelastung durch Haushalt, Kinder und Beruf. Hausarbeit war Schwerarbeit. Sie waren in vielen Berufen benachteiligt, weil Männer vorgezogen wurden mit der Begründung, Männer müssten die Familie erhalten, Frauen nicht. Mutterschutz wie wir ihn heute haben gab es früher auch nicht. Arbeiten sie wenn sie hochschwanger sind. Sie werden sich nicht vorstellen können wie das ist. Zudem wurden Frauen meistens schlechter bezahlt als Männer. Das hat sich mittlerweile geändert, weil viele Frauen keine Kinder mehr bekommen. Deshalb wird ja auch an einer Angleichung gearbeitet. Wobei zu beachten ist, dass Frauen insgesamt gesehen viel weniger Pension bekommen als Männer. Weil sie oft nur Teilzeit arbeiten, um Haushalt, Kindererziehung und Beruf vereinbaren zu können. Und weil sie auch oft keine andere Arbeit bekommen. Jetzt gibt es die Idee, die Pension zwischen Ehepartnern aufzuteilen. Wird sich schwer durchsetzen. An sich geht die Tendenz dahin, das Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Für beide Geschlechter. Damit die Jungen auch später eine Pension bekommen. Frauen die bis 70 arbeiten? Wird alles angedacht. Aber wer beschäftigt eine Frau mit 70? Auf dem Arbeitsmarkt ist eine Frau mit 40 alt. Damit ist sie nicht mehr in der Lage einen Job zu bekommen. Pension ist auch dazu da, unser Wirtschaftssystem scheinbar zu entlasten. Schickt man die Frauen später in Pension, bekommen sie länger Arbeitslosengeld. Was ist gerecht? Ein Wort, mehr nicht. Absolute Gerechtigkeit wird es niemals geben.

  7. Martin Balluch says:

    Trotzdem müsste so ein ungerechtes Gesetz rasch geändert und das Pensionsalter umgehend angeglichen werden. Geschieht aber nicht, oder nur schleppend. Was mir dabei auffällt: rechtlich verankerte Ungerechtigkeiten gegen Frauen werden sehr rasch behoben, rechtliche Ungerechtigkeiten gegen Männer bleiben ewig bestehen und öffentlich weitestgehend unkritisiert. Ich denke z.B. an den Wehrdienst nur für Männer oder an die vollkommen ungerechte Allmacht der Mütter über ihre Kinder im Vergleich zu Vätern.

  8. Maria Sand says:

    Herr Balluch, die Ungleichheiten werden sehr rasch behoben, wenn es um die Rechte der Frauen geht? Stimmt! Im Mittelalter war der Mann Vormund der Frau, ABER: schon 1975 gab es eine Familienrechtsreform die Frauen und Männer rechtlich gleich stellt: Frauen dürfen seither ohne Zustimmung des Mannes arbeiten, über den Wohnsitz mit entscheiden und den Familiennamen wählen UND schon 1978: Abschaffung der „Väterlichen Gewalt“, Änderungen des Ehegattenerbrechts, des Ehegüterrechts und des Ehescheidungsrechts. Im selben Jahr eröffnet auch das erste Frauenhaus in Österreich. 😉

    Wenn eine Ehe geschieden wurde, musste die Frau wegen jeder Unterschrift die das Kind benötigte, zum Ex-Mann pilgern und bitten und betteln. Er konnte das verweigern. Etwa wenn es irgendwelche Anträge gab, etwa für einen Pass. Viele Männer haben sich dann auf diesem Weg für die Scheidung gerächt. Das wurde zum Glück abgeschafft.

    Heute dürfen übrigens Kinder ab einem gewissen Alter mit entscheiden, zu welchem Elternteil sie wollen. Viele Männer haben gar nicht den Wunsch sich um die Kinder zu kümmern und in vielen Fällen gibt es einvernehmliche Lösungen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es auch viele Väter gibt die gewalttätig sind. Gerade solche Väter beschweren sich dann gerne, weil sie keinen Zugriff auf ihr Kind haben.

    Was die Wehrpflicht betrifft, gibt es ja schon für Frauen die Möglichkeit zum Militär zu gehen. Da es aber bisher eher die Tendenz gab den Wehrdienst abzuschaffen – dazu gab es ja 2013 sogar eine Volksbefragung – wäre es in der derzeitigen Situation geradezu absurd, die Wehrpflicht für Frauen einzuführen. Das würde sich keine Regierung trauen, weil die Bevölkerung das nicht akzeptieren würde.

    Etwas was jetzt nicht hierher gehört, aber weil ich schon dabei bin. Falls sie das nicht kennen, wird es sie vielleicht interessieren. Auf https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/tag/viehzucht/ gibt es eine kleine Einführung in die Arbeit der Frau Gabriele Uhlmann. Ihre Theorie:

    “ „(…) Das Patriarchat wurde vor ca. 8000 Jahren mit dem Aufkommen des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als „unzüchtig“ (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder „zügellos“ bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich die Männer ihrer väterlichen Linie bewusst geworden waren (Patrilinearität) und die Frauen und Kinder daher zwingen konnten, bei ihnen zu wohnen (Patrilokalität). „

  9. Sabri says:

    Kann man einem Kind eine normale Schule zumuten? Hängt die Abwägung nicht von zwei Waagschalen ab, dem Schul- und Bildungssystem, in dem beschult wird, und dem jeweiligen Kind? Nachdem ich in drei verschiedenen Bundesländern unterrichtet habe, weiß ich, dass Kinder und Lehrer ein völlig anderes Schul-Leben haben, wenn sie nur zehn Kilometer entfernt wohnen, aber eine Bundeslandgrenze sie trennt. Aber nachdem ich Hunderte, vielleicht auch schon Tausende von Kindern gefragt habe, wie es ihnen geht in ihrer Schule, weiß ich auch, man wird niemals ein Bildungssystem finden, das für a l l e Kinder gut ist. Man muss erstmal warten, wer sein Kind eigentlich wird. Und es schadet ja auch nicht, es selbst später zu fragen.
    Der Film über Schule von Wagenknecht “alphabet. Angst oder Liebe“ öffnet einem über vieles, was Schule betrifft, die Augen.

  10. NurMensch says:

    „Männer“ fallen insb. auf durch ihren früheren Tod, durch das jahrelange Vorenthalten des Pensionsanspruches und die staatlich sanktionierten (Bundeswehr) Zwangsarbeiten – alleine durch das „falsche“ Geschlecht. Die überborde steinzeitliche Idee, jeden Menschen in Geschlechterrollen zwängen zu müssen (Mann, Frau, ..er, …innen) zementiert und fördert das bestehende System, Menschen die als Männer gedeutet werden sollen, weiterhin, kulturell und vor allem gesetzlich, (ab-)zuwerten. Zum Glück gibt es immer mehr sensible Menschen, die auch in der Sprache nicht laufend div. Bio-Merkmale raushängen lassen müssen, sei es Hautfarbe, Alter oder eben ein vermeintliches Geschlecht.

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