Gatterjagd: An einem sonnigen Novembersamstag in Hausbrunn

Ist es nicht immer so? Man hört von einer gewissen Art der Tierquälerei, kann sie sich schon irgendwie vorstellen, aber wenn man dann direkt davor steht und alles mitansehen muss, dann ist es doch ganz anders. So auch bei der Gatterjagd. Ich war schon auf vielen Treibjagden, und die sind schlimm genug. Aber die Gatterjagd ist anders. Tiere merken es, wenn sie gefangen sind, auch wenn der Zaun gar nicht vor ihnen steht. Mein Hundefreund Kuksi ist wie ausgewechselt, wenn er an der Leine ist. Er weiß, was die Leine bedeutet. So auch die Tiere im Gatter. Sie kennen den Zaun, sie wissen, dass sie nicht weg können. Und genau das löst in ihnen eine ungeheure Panik und Todesangst aus, wenn es im Gatter zur Treibjagd kommt.

Am 28. November 2015 traf ich etwa um 8:30 Uhr am südlichen Haupttor zum Jagdgatter Hausbrunn im Weinviertel ein. Strahlende Sonne, viel zu warm für diese Jahreszeit. Das Gatter war abgesperrt. Heute ist Treibjagd. Die zahlreichen Autos mit Jagdbezug, die am Parkplatz vor dem Tor standen, kündigten schon von dem, was nun kommen wird.

Kaum war ich vor Ort, konnte ich lautes Treibergeschrei und Hundegebell aus nächster Nähe wahrnehmen. Ich stand am Zaun, irgendwie verdutzt, als plötzlich 2 Hirsche durchs Unterholz brachen. Im weiten Galopp, mit hängenden Zungen, schossen sie an mir vorbei. Knapp dahinter eine Hundemeute, etwa 8 Individuen, die meisten mit einem leuchtenden Umhang bekleidet. Da waren schon die ersten Schüsse aus einiger Entfernung zu hören. Die Treibjagd war in vollem Gange.

Die Jagd im Gatter ist nicht lokalisiert, sie erstreckt sich über den gesamten eingezäunten Bereich. Überall sitzen JägerInnen auf Hochständen und überall schreien Treiberkolonnen, überall laufen Hunde. An keinem Ort herrscht Ruhe, ansonsten würden vermutlich alle Tiere schnell dorthin flüchten. So aber hetzen sie auf und ab, von links nach rechts, und wieder zurück, und wissen nicht, was sie tun sollen. Manche Wildschweine ducken sich einfach nieder und versuchen abzuwarten. Dann werden sie aber von Hunden gestellt, angebellt, und zum Weiterlaufen gezwungen. Stundenlange Todesangst und totale Erschöpfung.

Plötzlich lautes Knacken im Unterholz. Ein Reh kommt im vollen Tempo auf den Zaun zugelaufen und kracht in seiner Verzweiflung ins Drahtgitter, als ob es gehofft hätte, einfach durchbrechen zu können. Doch sein Körper ist zu zart, das Gitter hält stand, das Reh wird zurückgeschleudert. Für einen Moment steht es still, erfängt sich, dann dreht es ab und ist schon wieder verschwunden.

Da kommt ein Feldhase daher. Kurz kauert er sich auf den Boden, sieht mich mit seinen großen Augen an. Bitte bleib, erschrick nicht, vertrau mir, möchte ich flüstern. Er wägt ab. Doch wahrscheinlich kennt er die Menschen, weiß, dass sie ihn töten wollen, und fürchtet sich vor ihren Hunden. Ich kanns ihm nicht verdenken. Also rennt er wieder los und ist innerhalb einer Sekunde meinen Blicken entschwunden.

Nun gehe ich den Zaun entlang nach Westen. Da ist eine große Lichtung, mitten drin ein Hochstand mit einem Jäger. Der erkennt mich gleich, glotzt mich mit dem Fernglas an und ruft seinen Jagdleiter telefonisch um Hilfe. Später erscheint dieser auch mit zwei Polizeistreifen im Schlepptau, aber was kümmerts mich. Ein Wildschwein ist am Waldrand erschienen. Groß und schwer scheint es nur noch mit letzter Kraft zu laufen. Ich habe Angst der Jäger könnte schießen und schreie daher, schreie auch meine Wut hinaus, über soviel Brutalität und Ignoranz den Tieren gegenüber. Das Wildschwein dreht ab.

Und so ging es den ganzen restlichen Tag. Geschrei, Gebell, Lärm, Panik, Angst, Schüsse, Entsetzen. Und dann die toten Tiere, mit ihren leeren Augen, mit blutendem Mund. Sie liegen einfach da. Opfer dieses Wahnsinns, dieses hirnlosen Spektakels.

Wer Landesrat Stephan Pernkopf darauf aufmerksam machen will, dass die Gatterjagd in Niederösterreich endlich verboten werden muss, kann ihn per Email erreichen:
lr.pernkopf@noel.gv.at

IMG_0131 totes Wildschwein, schußwundeklein

IMG_0123 totes Damwildklein

IMG_1390klein

One thought on “Gatterjagd: An einem sonnigen Novembersamstag in Hausbrunn

  1. Klaus says:

    Weil bald Weihnachten kommt:
    Hier eine neue (Single-Choice) Frage für eine Quizsendung passend:

    Was gibt es NICHT?

    a) Christkind
    b) Weihnachtsmann
    c) Osterhase
    d) nüchternen Jäger

Leave a Comment

Your email address will not be published.

Spamschutzrätsel *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Mensdorff-Pouilly hat in Österreich illegal Fasane und Rebhühner ausgesetzt: Anzeige!

Und ewig grüßt das Murmeltier! Es ist wieder Montag, Zeit die Behörde auf die illegalen Machenschaften eines Herrn Alfons Mensdorff-Pouilly...

Strafanzeige wegen Tierquälerei bei Gatterjagd in Hausbrunn

Am 28. November 2015 fand im Jagdgatter im Wald westlich von Hausbrunn eine großangelegte Treibjagd auf die gefangenen Tiere statt....

Strafanzeige gegen Mensdorff-Pouilly Jagdaufseher und die Polizei wegen Amtsmissbrauch und Nötigung

Es geht um den Vorfall vom 20. November 2015 im Jagdrevier von Alfons Mensdorff-Pouilly in Luising. Ich wurde mit meinem...

Schließen