Klimawandel: was wird bei einer Erwärmung von +1,5°C passieren?

Der Klimawandel ist im vollen Gange, die Klimakrise ist da. Wir haben noch 12 Jahre bis jene Menge an CO2 in der Atmosphäre ist, die das Weltklima im Mittel um 1,5°C erwärmen wird. Klingt wenig? Wer 41°C Fieber hat, stirbt, wenn sich seine Körpertemperatur um diese Menge erhöht. Was uns tatsächlich bei dieser Erwärmung auf der Erde blüht, wurde nun detailliert berechnet und im New Scientist zusammengefasst. Das Bild oben zeigt die regionale Erwärmung auf der Erde bei einer mittleren Gesamterwärmung um 1,5°C. Es tritt dann, wie man sehen kann, auf vielen Teilen der Erde, insbesondere über Land, eine Erwärmung im Mittel um 3-4°C auf. In den Alpen sind wir jetzt schon auf +2°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Klar ist, dass mehr CO2 in der Atmosphäre das Klima erwärmt. Das kann man leicht berechnen. Klar ist auch, dass das CO2 in der Atmosphäre in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen ist. Und klar ist, dass dieser Anstieg zu 100 % menschengemacht ist. Ohne unseren Einfluss würde das CO2 im Gleichgewicht sein und das Klima der Erde sich langsam in Richtung einer neuen Eiszeit abkühlen. Das alles wissen wir aus Bohrkernen.

Nun, in Paris wurde eine Vereinbarung getroffen, die die Erwärmung auf 1,5°C eindämmen soll. Faktum ist, dass wir mit unserem momentanen Verhalten bis 2100 das Klima um +4°C erwärmt haben werden. Hielten wir uns an das Pariser Abkommen, dann wird die Erwärmung „nur“ 2,9°C betragen. Aber ab 2°C, da sind sich alle einig, werden auch reiche Industrienationen Schwierigkeiten bekommen. Um auf 1,5°C zu bleiben, wird es laut New Scientist einer technologischen Kühlung bedürfen. Paris – das Abkommen, das einem Trump viel zu streng ist – ist also viel zu lax, um die Klimakrise abzuwenden. Und nicht einmal an die in Paris vereinbarten Reduktionen von CO2 halten sich die Staaten, allen voran Österreich nicht, dessen ÖVP-FPÖ Regierung die Klimakrise im Wesentlichen völlig ignoriert hat.

Aber bevor wir uns freuen, wenn diese Utopie einer technologischen Kühlung Wirklichkeit wird, hier die Zusammenfassung der Veränderungen bei einer Erwärmung um nur +1,5°C laut neuesten Berechnungen:

  • 15 % der Menschen werden alle 5 Jahre schwere Hitzewellen erleben, extreme Hitzewellen mit zig tausenden Toten gibt es für 10 % alle 20 Jahre
  • Drei Viertel der Menschheit ist mit dem doppelten Hochwasserrisiko von heute konfrontiert
  • Der Meeresspiegel wird im Jahr 2100 um 26-77 cm höher liegen als 2005 und damit 136 Hafenstädte überfluten, mit 150 Millionen direkt betroffener Menschen
  • es wird 70-90 % weniger Korallen geben und 16 Mal mehr Hitzewellen im Meer als heute
  • das Meer wird saurer sein als in den letzten 65 Millionen Jahren, es ist mit einem Massensterben der Meeresbewohner zu rechnen
  • 20 % der tropischen Wälder werden zu Savannen
  • 40 % der Permafrostböden werden aufschmelzen und eine Unmenge von Methan freisetzen, die technologisch aus der Atmosphäre geholt werden muss, um auf 1,5°C zu bleiben
  • die bewohnbaren Territorien jeder Tierart werden im Mittel um 25 % schrumpfen
  • Mehr als 50 % ihrer bewohnbaren Territorien verlieren 8 % der Reptilien, 6 % der Säugetiere, 5 % der Vögel, 10 % der Insekten und 8 % der Pflanzen
  • Die weltweite Ernte wird sich derart verschlechtern, dass im Mittel pro Jahr 95.000 Kinder mehr verhungern
  • Zusätzlich werden im Mittel pro Jahr weltweit 48.000 Menschen mehr an Durchfall und 60.000 mehr an Malaria sterben
  • 100 Millionen Menschen werden zusätzlich verarmen

Aus der wahrscheinlichsten Entwicklung unseres Klimas ergibt sich aber ein noch viel düsteres Bild. Im neuen IPCC Report geht man von einem Meeresanstieg von 1,3 m bis zum Jahr 2100 aus. Es gibt aber eine wissenschaftliche Studie aus England, die einen zusätzlichen Anstieg bis 2100 um 20 cm errechnet. Eine weitere, vorerst aber noch kontroversiell diskutierte Studie aus den USA sagt ein Aufbrechen des antarktischen Eisschilds und damit einen Anstieg um 3 m bis zum Jahr 2100 voraus. Bei einem Anstieg um 90 cm stehen 4 Millionen Häuser von Bürger_innen der USA unter Wasser.

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