Klimawandel wird zu tödlichen Hitzewellen führen

Die Wissenschaft wird nicht müde, vor dem Klimawandel zu warnen. Doch weder Politik noch Öffentlichkeit scheint das besonders zu irritieren. Na ist es halt ein bisschen wärmer, scheint der Tenor zu sein, ist ja eh nicht so schlecht. Als ob das Klima ohne dramatische Bemühungen bei +2° C halt machen wird! Im New Scientist vom 20. Jänner 2018 werden einige Studien vorgestellt, die auf ein weiteres Problem des Klimawandels hinweisen: das Auftreten von Hitzewellen einer tödlichen Dimension.

Nicht, dass solche Hitzewellen bisher unbekannt wären. Schon im Jahr 2003 hat es in Frankreich eine Hitzewelle gegeben, die 70.000 Menschen das Leben gekostet hat. Hitzewellen sind deutlich tödlicher als Kälteeinbrüche, es ist einfacher sich warm zu halten. In Sydney, Australien, hat es Mitte Jänner 2018 bereits 47° C gehabt, ein neuer Rekord. Der menschliche Körper ist nicht gut in der Lage, mit großer Hitze umzugehen, insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit. Diese setzt nämlich den Kühlmechanismus durch Schwitzen außer Kraft. Ein Mensch stirbt bei 100 % Luftfeuchtigkeit und 35° C oder bei 75 % Luftfeuchtigkeit und 40° C innerhalb von 6 Stunden. Derartige Verhältnisse, so das New Scientist, werden demnächst auf der Erde erreicht. In Bandar Mahshahr sei es mit 50 % Luftfeuchtigkeit und 46° C bereits fast soweit gewesen.

Laut Berechnungen wird es im Jahr 2100 tödliche Kombinationen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur in Indien, Pakistan und Bangladesh geben, wenn es mit dem Klima so weitergeht. Je nach tatsächlichem Temperaturanstieg kann es noch viel schlimmer sein. Das Bild oben zeigt die Wahrscheinlichkeit tödlicher Hitzewellen über dem Tipping Point, die also alle Menschen töten, die keinen Zugang zu einer Klimaanlage haben, wenn die Temperatur um 4° C seit vorindustrieller Zeit ansteigt. Die Skala reicht von leicht gelb mit 0-20% Wahrscheinlichkeit bis dunkelrot mit 80-100% Wahrscheinlichkeit. Weite Teile der Erdoberfläche könnten also entvölkert werden. Und 4° C ist jetzt kein total unwahrscheinliches Szenario.

Darüber hinaus warnt das New Scientist vor anderen Aspekten von Hitzewellen. Z.B. wird durch Hitze die Produktivität menschlicher Feldarbeit reduziert. Dieser Rückgang wird in Äquivalenten von menschlichen Arbeitskräften ohne Hitze ausgedrückt. So entspricht die Temperaturzunahme in Indien zwischen dem Jahr 2000 und 2017 durch ihre Wirkung auf die Feldarbeit einem Rückgang von 418.000 Arbeitskräften. Darüber hinaus wird der Ertrag wichtiger Grundnahrungsmittel reduziert. Bei Weizen, Reis und Mais reduziert jedes Grad Erwärmung den Ertrag um 3-7%.

Politisch müssten Maßnahmen gegen den Klimawandel höchste Priorität haben. Leider ist davon nichts zu bemerken.

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