Landwirtschaftskammer NÖ kritisiert Aufdeckung von Missständen in Masthuhnfabriken

Leider sind mediale Beiträge über die tatsächlichen Zustände in Tierfabriken sehr selten. Betrachtet man die Machtkartelle von ÖVP, Raiffeisen und Cartellverband, und insbesondere deren Einfluss auf die Medien, nimmt das wenig Wunder. Abgesehen davon sind kommerzielle Medien natürlich von WerbekundInnen abhängig, und das große Geld findet sich, wie bei sozialen Themen immer, bei den TäterInnen und nicht bei ihren Opfern.

Eine rühmliche Ausnahme machte der ORF mit zwei Beiträgen über Masthuhnfabriken kürzlich. In „Am Schaupatz“ wurden die tierquälerischen Zustände auch in Österreich angeprangert, und die Verseuchung des Fleisches durch Krankheitskeime kritisiert, im „Thema“ ging es um die große Menge an Antibiotika, die in den Tierfabriken täglich verfüttert wird, wodurch auch für den Menschen gefährliche resistente Bakterienstämme entstehen. Mehr als 50% der produzierten Antibiotika werden bereits ins Nutztierfutter gemischt, gut 61% der menschlichen Krankheiten gehen von Keimen aus der Massentierhaltung aus, 75% der neuen Krankheiten bei Menschen in den letzten 10 Jahren stammen von Tieren oder Tierprodukten (Quelle: Martin Schlatzers Buch „Tierproduktion und Klimawandel“).

Die nö Landwirtschaftskammer, bekannt durch ihre Klage gegen mich, die noch immer läuft (siehe http://www.martinballuch.com/?p=893), nahm diese kritischen Beiträge zum Anlass, eine Presseaussendung zu verfassen:
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120405_OTS0174/richtigstellung-zur-orf-sendung-thema-vom-2-april-2012

Darin wird der VGT als „selbsternannte Tierschutzaktionisten“ bezeichnet und von mir behauptet: „Der Einfluss von VGT-Chef Balluch auf den ORF ist offensichtlich“. Scheinbar wünscht sich die Tierindustrie ein Totschweigen der Massen- und Intensivtierhaltung, die KonsumentInnen sollen weiterhin mit einer Werbeidylle glücklicher Nutztiere für dumm verkauft werden. Der ORF sendet solche kritischen Beiträge, weil die große Mehrheit der Menschen am Schutz von Masthühnern sehr interessiert ist, wie sowohl die von uns in Auftrag gegebenen Umfragen als auch das EU-Barometer bestätigen: 
http://www.vgt.at/publikationen/texte/artikel/20060721Eurobarometer/index.php

http://www.vgt.at/publikationen/texte/artikel/20071014Eurobarometer/index.php

Dass die Menschen aus Systemzwängen heraus weiterhin Massentierhaltungsprodukte kaufen, zeigt nicht ihre Einstellung. Selbst die Herren der Landwirtschaftskammer werden gegen Kinderarbeit und Sweatshops sein, und trotzdem Produkte multinationaler Konzerne kaufen, die unter genau solchen menschenrechtswidrigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. Würde die Landwirtschaftskammer, statt mit ihrem Geld mich und den VGT zu klagen, tiergerechte Betriebe fördern, würden die 80% der € 2,5 Milliarden Subventionen für die Tierproduktion jährlich, statt den großen Tierfabriken in den Rachen geschoben, an tierfreundliche Kleinbetriebe vergeben und würde die Fleischwerbung der AMA nur auf tierschutzkonforme Produkte beschränkt sein, könnte man das System rasch zum Besseren verändern. Sicherlich zögen die KonsumentInnen sofort mit, wie schon beim Legebatterieverbot. Anstelle die katastrophale Situation im österreichischen Tierfabriksalltag zu verschleiern und zu verheimlichen, wäre eine Reformoffensive in der Tierhaltung im Sinne der Mehrheit der Menschen und daher das demokratische Gebot der Stunde.

Stattdessen geht die Landwirtschaftskammer gegen ORF und Tierschutzkritik zum Gegenangriff über. Mit der als Beleidigung gedachten Propagandaphrase „selbsternannte Tierschutzaktionisten“ aus dem Mund des ÖVP-Lobbyismus entlarvt sich die Landwirtschaftskammer als elitär und demokratiefeindlich. Sind denn nur staatlich ernannte „KritikerInnen“ zulässig? Sehen so in den Augen der ÖVP die mündigen BürgerInnen aus? Das Schreckgespenst der anachronistischen ÖVP-Betonköpfe: ein selbstorganisierter Widerstand gegen Korruption, Machtmissbrauch und Tierverachtung. Die Rechnung wird dieser Partei für ihre Politik, die Lebensqualität und Mehrheitsmeinung ignoriert, hoffentlich bei der nächsten Wahl präsentiert.

One thought on “Landwirtschaftskammer NÖ kritisiert Aufdeckung von Missständen in Masthuhnfabriken

  1. Martin C. says:

    Meine „Hochachtung“ an die Landwirtschaftskammer NÖ, wie sie doch so tapfer für die Aufrechterhaltung der Missstände in der Nutztierhaltung kämpft.
    ***Sarkasmus ausschalten***

    Kürzlich bekam ich zufällig eine AMA-Werbung (grundsätzlich nervt mich Werbung) auf Radio Arabella in Sachen Ostereier zu hören. Meine Aufmerksamkeit erlangte die Werbeeinschaltung erst, als ich „fröhliches“ Gackern von Hühnern hörte, wobei ich im ersten Moment eher an Toni’s Freilandeier o.ä. dachte. Dann kamen die üblichen Phrasen von bestem Futter etc. … und die wohl verlogenste Aussage: Die Hühner machen es GERNE – das Eierlegen! Alleine für diese unverschämte Lüge gehört die AMA mit einer Flut an Klagen eingedeckt.

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