Sind Nackt-Aktionen sexistisch?

IMG_2363kleinDieses Foto zeigte ich im Rahmen meiner Präsentation am sozialwissenschaftlichen Kongress zu „Critical Animal Studies“ in Karlsruhe. Darauf sind 3 Personen zu sehen – in diesem Fall in Innsbruck 2 Frauen und 1 Mann, aber die Aktion fand in vielen Städten Österreichs statt und da waren im Schnitt gleich viele Männer wie Frauen dabei, einmal sogar nur 3 Männer – die sich „oben ohne“ im Kaninchenkostüm mit aufgemalten Brandwunden in einem Käfig präsentieren, um auf das Leid in Tierversuchen aufmerksam zu machen. Anlass waren die Reform des Tierversuchsgesetzes und ein realer Tierversuch in Wien, in dessen Verlauf 50 Kaninchen durch kochendheißes Wasser Brandwunden zugefügt worden waren.

Es war mir bewusst, dass es auf dieser Konferenz deshalb zu Kritik kommen wird. In mehreren Vorträgen davor waren Fotos der Tierschutzorganisation PETA als Negativbeispiel gezeigt worden, weil da teilnackte Frauen mit Tierschutzbotschaften zu sehen waren. Der Vorwurf: das sei sexistisch und würde Frauen auf Sexobjekte reduzieren. Nach meiner Präsentation wurde ich darauf angesprochen. Wir diskutierten unsere Aktion.

Es sind gleich viele Frauen wie Männer nackt. Aber: Es sei ein Unterschied, Männer oder Frauen nackt zu zeigen. Frauen hätten inskriptive Körper, die von der Gesellschaft benutzt würden, die sexuelle Darstellung würde sie reduzieren. Männer dagegen würden durch sexuelle Darstellungen an Handlungsspielraum gewinnen, ihre Genderrolle umfasse die sexuelle Objektivierung nicht.

Niemand wurde dafür bezahlt, die Personen machten es von sich aus. Aber: Das sei irrelevant, sagten meine Gesprächspartnerinnen. Sie würden durch das vielleicht unbewusste Verständnis ihrer Rolle von Frauen als Sexobjekten zu dieser Aktion gebracht und würden dabei diese Rolle auch noch perpetuieren.

Es ging um keine kommerzielle Präsentation, sondern um eine Tierschutzbotschaft. Aber: Man dürfe auch nicht die Ausbeutung von Tieren durch die Ausbeutung von Frauen, und sei es eine durch gesellschaftlichen Druck erzeugte Selbstausbeutung, bekämpfen. Dass die Tierschutzbotschaft mit sexueller Objektivierung von Frauen verbreitet würde, sei besonders verwerflich.

Die Nacktheit der AktivistInnen symbolisiert ihre Verletzlichkeit als Versuchstier. Aber: Das würde nur vorgetäuscht. Tatsächlich sei es zweifellos um die Werbewirkung des nackten weiblichen Körpers gegangen. Die Männer seien nur Beiwerk gewesen, ohne jede Medienwirksamkeit.

Das Argument, dass es sich bei dieser Aktion um Sexismus handle und deshalb derartige Aktionen nicht stattfinden sollten, basiert darauf, dass der Anblick der Fotos negative sexistische Konsequenzen hätte. Die Aktion selbst kann nicht sexistisch sein, weder wurde dabei eine Person abgewertet, noch hat irgendjemand gelitten. Doch wenn es um die Konsequenzen der Aktion geht, dann müssen wir alle möglichen Folgen berücksichtigen und abwägen. Da gibt es z.B. das Recht der einzelnen Menschen, mit ihrem Körper zu tun, was sie wollen, das eingeschränkt wäre und nur durch sehr starke Argumente eingeschränkt werden kann. Da gibt es die positive Wirkung der Tierschutzbotschaft gegen Tierversuche. Da gilt es das Gefühl der männlichen AktivistInnen zu berücksichtigen, wenn ihnen gesagt wird, dass es egal ist, ob sie sich nackt ausziehen, das interessiere niemanden und es sei auch nicht problematisch weil sexuell irrelevant, es gehe nur um weibliche Körper. Unter dem Strich könnte man also mit gutem Grund annehmen, dass die positiven Konsequenzen der Aktion die negativen überwiegen.

Wie steht es da mit dieser Bildergallerie der Grazer Künstlerin Flora P., die erotische Selbstporträts mit einer Wölfin des Wolf Science Centres in Ernstbrunn nördlich von Wien gemacht hat? Sind solche Bilderserien tatsächlich abzulehnen und sollte man dieser Frau erklären, dass sie das nicht tun darf?

Wölfin

Hartmut Kiewert von der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe scheint so zu denken. Er malte einen Monet mit tierschützerischem Hintergrund nach, zog der nackten Frau dafür aber Kleidung an. Und der nackte Busen der Freiheit in Delacroix‘ Bild „Die Freiheit führt das Volk“ von 1830 wurde geschickt mit einem Rinderohr überdeckt. Auf meine Nachfrage hin bezog er sich explizit auf PETA-Fotos und meinte, er wolle nicht, wie diese, sexistische Bilder machen.

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Soll es tatsächlich emanzipatorisch sein, jede Nacktheit von Frauen aus dem öffentlichen Raum zu verbannen?

21 thoughts on “Sind Nackt-Aktionen sexistisch?

  1. AV HK says:

    Tatsächlich gibt es statistische Erhebungen (bsp. Rudman 2012; Vaes 2011), die vermuten lassen, dass Männer dazu neigen, nackte Frauen vordergründig als Akt-referenziell wahrzunehmen und sie objektartig herabzuwürdigen. Es gibt aber auch dazu entgegengesetzte empirische Anhaltspunkte (Roets, Eur. J. Pers., 26, 2012). Nacktheit beinhaltet für mich zwei ineinandergreifende Komponenten: „nudity“, die soziohistorisch geprägte, Akt-referenzielle Nacktheit und jene, die ganz im Sinne der Individuation einer Person für-sich steht. Dass die christliche Ikonographie ein patriarchales Blickregime geprägt habe, wodurch nackte Frauen herabgewürdigt werden würden, nackte Männer hingegen als in ihrer Stärke hervorgehoben wären (vgl. Gernig 2002), ist für mich auch eine ganz spekulative – wenn überhaupt – Teilwahrheit, die in den Geisteswissenschaften leider wie gefestigtes Wissen gehandelt wird.

    Statt einer genderspezifischen Grenzziehung finde ich es für mich wichtiger, die psychosozialen Mechanismen dahinter zu betrachten. Dadurch kann ich mir erklären, wie es zu verschiedenen Ausprägungen von Sexismus kommt, aber auch ganz allgemein zu hegemonialen Ausgrenzungen von Rentnern, nichtmenschlichen Tieren, Kindern, Sklaven, Ausländern, Homosexuellen, etc.. – Selbstaufwertung durch soziale Dominanz in Form einer Ideologie der gruppen- und artübergreifenden Ungleichheit, auch einfach die (menschliche) Egozentrik.

    Sollte an der Korrelation der unterschiedlichen Ausprägungen der sozialen Dominanz (Dhont & Hodson 2014) und an den statistischen Erhebungen zur Degradierung einer nackten weiblichen Person etwas dran sein, dann wären Nackt-Aktionen von Frauen kontraproduktiv (und solche von Männern umso produktiver?!?).
    Für mich persönlich geht die Nacktheit eines Gegenübers mit der zunehmenden Subjektwerdung der Person einher (Körper und -sprache als Zeichenträger ist – mindestens intuitiv – lesbar). Demnach würden Nackt-AktivistInnen schneller Sympatiepunkte im unterbewussten Entscheidungstreffen der Passanten erlangen und so auf größere Zuneigung und Verbreitung für ihre Anliegen stoßen. Aber der Nutzen der Aufmerksamkeitssteigerung ist ja eh unabstreitbar, insofern ist der Grad der praktischen Relevanz des Themas für die Wirksamkeit der Protestform wohl nebensächlich.

  2. Quark says:

    @ Hr. Balluch:

    Ich habe lediglich festgehalten, dass Sie eine Analyse der geschlechtsspezifischen Darstellung in der medialen Öffentlichkeit vermeiden. Statt dessen stellen Sie lieber sich (und mich) wehklagende Fragen wie: „Darf ein anständiger Mann sich denn überhaupt keine nackten Frauen mehr anschauen?“ Das ist nicht erkenntnisfördernd sondern eine glatte Themenverfehlung.

    Und bitte führen Sie aus, wo ich „aggressiv“ formuliert haben hätte sollen oder lassen Sie solche plumpen Unterstellungen — es sei denn, Sie bewerten jeden Widerspruch als Aggression? Und bzgl. Religiösität: WTF!? Bitte bleiben Sie seriös. 😉

    Als Entgegenkommen meinerseits hier eine Frage an Sie, die im Unterschied zu Ihren Fragen NICHT vom Thema wegführt – wenn Sie sich trauen, Sie zu beantworten, natürlich nur.

    Gibt es überhaupt Sexismus und sexistische Darstellungen in den Medien?

    Ich frage Sie das deshalb, da Sie sich gerne hinter der Formulierung „als sexistisch empfunden“ verstecken. Also bitte offenbaren Sie sich! 🙂

    Achja, als Zusatz: bitte beantworten Sie auch, ob dieser Sexismus – falls es ihn Ihrer Meinung nach überhaupt gibt – eine ungleiche Machtverteilung im Geschlechterverhältnis abbildet – und – falls er das tut, falls es ihn überhaupt gibt – welches Verhältnis. Es gibt ja auch die These der unterdrückten Männer als eigentliche Sexismusopfer. Vielleicht ist das eher Ihre Kragenweite, könnte ja sein.

  3. Daniel says:

    Es ist tatsächlich etwas fragwürdig, wenn sich schon jemand bei einem Künstler beschwert das nicht genug weibliche Nacktheit in seinen Bildern zu finden ist, und daraus extrapoliert der Künstler will sämtliche Darstellungen von nackten Frauenkörpern verbieten.

    Ich sehe das übrigens genau wie Herr Kiewert, der historische Kontext ist nunmal von Bedeutung. Übrigens ihr Bild da gefällt mir sehr gut!

  4. Hallo Martin,

    du unterstellst mir in deinem Artikel, dass ich scheinbar anderen Menschen verbieten wollen würde nackte Frauen zu zeigen. Das ist Unfug und es wäre auch nicht gerade emanzipativ, jemandem vorschreiben zu wollen, was sein darf und was nicht sein darf. Ich denke, dass ein Bild oder eine Aktion immer in seinem/ihrem konkreten und historischen Kontext betrachtet werden sollte. Pauschalisierungen und Unterstellungen sind nicht sonderlich hilfreich.

  5. Martin Balluch says:

    @Quark:

    Warum so aggressiv? Ein Hinweis darauf, dass es bei Ihnen in dieser Frage um wesentlich mehr geht, als um theoretische Erörterungen.

    Sie haben „Sexismus sells“ geschrieben und da der Slogan normalerweise „Sex sells“ heisst, offenbar absichtlich Sex und Sexismus, d.h. sexy und sexistisch, gleichgesetzt. Das gibt mir zu denken.

    Sie schreiben, die ApologetInnen dieser Nackt-Aktionen sollen nicht labern sondern ehrlich sagen, dass sie Sexismus in Kauf nehmen, um ihre Botschaft zu verbreiten. Da würde ich antworten, Ihr Auftreten und Ihre Art zu schreiben legen nahe, dass Sie mit Kontext bladiblu, Instrumentalisierung blidiblotsch, Objektivierung blabla nur labern, Sie sollten ehrlich sein und sagen, es stört Sie einfach emotional, wenn heterosexuelle Männer nackte Frauen lustvoll anschauen und Punkt. Dieses Gefühl teilen Sie mit erstaunlich vielen Menschen, u.a. der konservativen Rechten und Pornojäger Humer usw. Sie rationalisieren das halt mit sozialwissenschaftlichem Jargon.

    Um festzustellen, ob ich richtig liege, habe ich Sie obiges gefragt, aber offenbar wollen Sie sich weiterhin hinter Begriffen verstecken. Also ganz direkt: Können Sie mir ein Beispiel eines Kontextes nennen, in dem ein Foto einer nackten Frau, das erotisch gemeint ist bzw. wirkt, und das öffentlich ausgestellt wird, nicht sexistisch ist.

    Wenn Sie da sagen, nein, das gibt es nicht, dann frage ich Sie, ob Sie überhaupt irgendeinen Kontext nennen können, in dem so ein Foto nicht sexistisch wäre, solange ein heterosexueller Mann darauf einen Blick werfen kann. Mit anderen Worten: gibt es in Ihren Augen einen Kontext, in dem sexy nicht sexistisch ist?

    Wenn Sie das auch nicht können, dann ist für mich offensichtlich, dass sie sexy mit sexistisch vertauschen und dass es Ihnen in Wirklichkeit um eine ganz persönliche – vielleicht religiöse? – Abneigung gegen so etwas geht.

  6. Quark says:

    @ Hr. Balluch:
    Sie haben nichts verstanden. Ich schrieb: Seien Sie sich des Kontextes bewusst. Der Kontext ist: Die Medien sollen über die Aktion berichten. Also stellt sich hier die Frage nach der medialen Öffentlichkeit. Das bedeutet Kontext.

    Was Sie schreiben, ist das genaue Gegenteil: „ausnahmslos“, „jede Darstellung“, „immer“, etc. Falscher Dampfer.

    Bedenken Sie: Ihre Ausgangfrage war „Sind Nackt-Aktionen sexistisch?“ Diese Frage ontologisch zu stellen – Liegt es im Wesen jeder Aktion unbekleideter Menschen immer und überall sexistisch zu „sein“? – ist offensichtlich Unfug. Sie wollen daraus schließen, wenn sie es nicht immer sind, dann sind sie es nie. Das ist keine korrekte Schlussfolgerung.

    Statt dessen: Sie müssten sich mit der Darstellung von Menschen und deren Körpern in den Medien und deren Rezeption beschäftigen. Ist die Darstellung vergeschlechtlicht? In welcher systematischen Weise? Wenn Sie in einer Trafik sich diejenigen Publikationen vergegenwärtigen, wo es offensichtlich in erster Linie um Körper geht (Pornografie): Wer ist abgebildet? Wer ist Zielpublikum? Der Geschlechterunterschied ist rein empirisch da. Dann wäre natürlich die Frage der Instrumentalisierung von Körpern für andere Zwecke wie in der Werbung und deren geschlechterspezifische Effekte. Damit zu beschäftigen würde sich lohnen.

    Mit moralischen Normen – noch dazu in der konformistischen Form von „willst du anständig sein?“ – hat das so gar nichts zu tun.

    Überhaupt: Ihre Fragen nach „sexy“ness und „Erotik“, „Anständigkeit“ etc. führen einfach nur vom Thema weg, d.h. entweder erfassen Sie tatsächlich nicht, was „Kontext“ bedeutet, oder Sie sind an einer näheren Erörterung, die über ihr Urteil (das schon mit Formulierung der Frage feststand) hinausginge, gar nicht interessiert.

  7. Martin Balluch says:

    @Quark:
    Mich würde interessieren, ob Sie der Meinung sind, dass ausnahmslos jede erotische Darstellung eines Frauenkörpers sexistisch ist. Wenn ja, heißt das doch, dass sich in Ihren Augen zumindest heterosexuelle Männer, wenn nicht alle Menschen, die „anständig“ sein wollen, unter keinen Umständen am Anblick des Körpers einer Frau erotisch erfreuen dürfen. Haben Sie da nicht „sexistisch“ und „sexy“ verwechselt? Oder wo liegt für Sie der Untersc hied zwischen diesen Begriffen?

    Und abgesehen von Erotik: gibt es in Ihren Augen die Darstellung des nackten weiblichen Körpers in einer Form, die nicht sexistisch ist?

  8. Einen nackten, weiblichen Körper öffentlich zeigen ist nicht sexistisch, wenn damit nicht Frauen als unpersönliche, rein sexuelle Objekte gemeint sind. Sonst wäre selbst FKK sexistisch, aber die totale Verschleierung das Gegenteil von Sexismus. Ist aber nicht so. Sich offen nackt zu zeigen kann auch Ausdruck von Freiheit, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung sein.

    Geht es um Protest, dann ist es die Freiheit, den eigenen Körper als Instrument zu nutzen um diesen Protest zu äußern; geht es um Kunst, kann sogar eine sexistische Darstellung Protest gegen Sexismus sein. Meine Kinder waren hellauf begeistert, wenn sie im Bad eine Dame die „oben-ohne“ ging, sahen. Weil sie gestillt wurden. Manchmal war das peinlich. Man interpretiert was man sieht, je nachdem wie man dazu steht. 🙂

    Allerdings glaube ich, dass die teilweise Nacktheit der Aktions-Teilnehmer, in unserer Gesellschaft höchstens noch religiöse Fanatiker provozieren kann. Die eher liebliche Darstellung der Häschen wird Kinder und naive Erwachsene vielleicht sogar entzücken und sie werden absolut nicht verstehen was gemeint ist, wenn sie nicht genauer nachfragen, oder etwas dazu Veröffentlichtes lesen.

    Aufmerksamkeit bekommen, bedeutet nicht automatisch, auch verstanden werden.

    Wie hier wahrscheinlich alle wissen, hat Bansky eine Aktion in New York gemacht, die Kinder zum Weinen und Passanten zum Erschrecken brachte. Er fuhr mit einem alten, klapprigen Transporter durch die Straßen, aus dem Kuscheltiere schauten, durch New York. Und selbst die Simpsons haben das Thema „Tierfabriken“ aufgegriffen und ganz ohne weibliche Nacktheit wahrscheinlich viele junge Menschen mit ihrer Botschaft erreicht.

    Was zählt ist der Überraschungseffekt, sonst wird aus dem Protest mit der Zeit gewohnheitsmäßiger Konsum von „andersartiger“, kostenloser Unterhaltung.

  9. Marcel says:

    Sexistisch oder nicht – was soll sowas? Die Botschaft geht total unter.

  10. G says:

    naja, der mann auf dem bild ist ja nicht wirklich nackt, er sollte halt seinen lendenschurz weglassen, dann wärs gleichwertig nackt finde ich. fakt ist, dass das entblößte männliche geschlechtsteil im gegensatz zu brütsten eher selten im öffentlichen raum zu sehen ist. da wäre ich schon für gleichberechtigung!

  11. Quark says:

    Der erste Kommentar trifft den Punkt genau:

    „Wenn es zulässig ist, mit nackten Frauen Aufmerksamkeit für jede beliebige kommerzielle Werbebotschaft zu generieren, soll ausgerechnet der Einsatz halbnackter Aktivistinnen für kritische Botschaften verwerflich sein?“

    Darum geht es hier. Nicht um „Es waren auch Männer dabei blablub“ und auch nicht um „Kein Mensch dachte dachte dabei sexistisch blibla“ und auch nicht „Die positiven Folgen schnurrrburr“.

    Schaut mal in die Medien. Wer ist auf dem Foto der Boulevardzeitung auf Seite soundsoviel? Welche Promis lassen durch Nacktfotos die „Erotik knistern“ und die Verkaufszahlen in die Höhe schnellen? Zu welchem Geschlecht werden in Dauerwerbesendungen des Nachts im Privatfernsehen „Kontakte“ angeboten?

    Also wenn schon Aufmerksamkeit durch den Einsatz von „nackten Tatsachen“, dann bitte sich des Kontextes bewusst sein. Und ehrlich sagen wie PETA: Sexism sells, wir füttern die Medien mit nackten Frauen wie es alle tun, wenn die Medien sexistisch, dann sind wir eben auch. Und Kritik ist uns egal. Aber so herumsalbadern und sich zum p.c.-Gutmenschenopfer stilisieren…das ist ja peinlich.

  12. Robin Simmerle says:

    dieser Artikel ist , im Gegensatz zu den anderen Artikeln von Dir Martin, total sinnbefreit.
    Nach dem Motto …
    gebt den politisch-korrekt-Laberbacken die sich sonst zu Tode langweilen, irgendwas zum diskutieren …

    gähn …

  13. „Es sei ein Unterschied, Männer oder Frauen nackt zu zeigen. Frauen hätten inskriptive Körper, die von der Gesellschaft benutzt würden, die sexuelle Darstellung würde sie reduzieren. Männer dagegen würden durch sexuelle Darstellungen an Handlungsspielraum gewinnen, ihre Genderrolle umfasse die sexuelle Objektivierung nicht.“

    Alleine dieses Zitat aus dem Text ist faktisch sexistisch, die hier zur Diskussion gestellte Kritik Nonsens. Haben wir sonst keine Probleme?

  14. Daniel says:

    Richtig, auch biologische Männer können Opfer von gesellschaftlichen und kulturellen Geschlechterrollen sein. Eine der vielen Erkenntnisse des Feminismus.

  15. Chris says:

    …nur indem die eine Geschlechtergruppe ( auch per Gesetz ) systematisch, und von kleine auf, in die Täterrolle gedrängt bzw. gehalten wird, können Privilegien weiter ausgebaut werden ( einseitige Staatsdienstpflicht, keine automatische Obsorge für die eigenen Kinder, Anti-Männer Parkplätze, Jahre länger arbeiten trotz geringerer Lebenswerwartung, Sexismusquoten auf Unis, etc. ). Wer um eine faire und geschlechtsneutrale Behandlung bittet, muss sich im Klaren sein, dass er als “ Frauenhasser“ gebranntmarkt wird.

  16. Daniel says:

    die frage ob sexismus eventuell ein „kleineres übel“ ist, das man in kauf nehmen kann/soll um ein „größeres übel“ (nämlich die tierausbeutung in diesem fall) abzuwenden, ist wieder eine völlig andere. aber wenn man von vornherein annimmt sexismus ist garnicht existent und nur ein hirngespinst stellt sich diese frage natürlich erst garnicht.

  17. Daniel says:

    wenn man etwas kritisiert, bedeutet das ja nicht automatisch man will es abschaffen und verbieten oder gar gleich unter strafe stellen. anstatt auf die dir dargebrachten argumente (z.b. über genderrollen und deren perpetuierung) einzugehen, hast du durchwegs mit strohmännern substituiert: „alle darstellungen von nackten frauen in der öffentlichkeit müssen verbannt werden – ist das emanzipatorisch?“ die fragestellungen waren aber durchwegs andere, z.B.: perpetuiert man mit der aufrechterhaltung und ausnutzung von rollenklischees real existierende, sexistische(und damit unterdrückende und ausbeuterische) tendenzen in unserer gesellschaft?

    die substituierung dieser doch etwas schwierigeren fragestellung mit der einfachen frage:“soll man frauen verbieten sich für fotos nackt auszuziehen“ ist weder sachlich korrekt noch glaube ich dass es und in dieser thematik irgendwie weiterbringt, aber es ist durchaus menschlich, komplexe fragen durch einfachere zu ersetzen, um sich die kognitive arbeit zu ersparen(das hab ich von daniel kahneman gelernt). die meisten feministen haben sich da schon weitaus mehr gedanken zu dem thema gemacht und haben es da meist nicht nötig strohmannargumente heranzuziehen.

    und wer ernsthaft glaubt pamela anderson hat sich für plakate von PETA ausgezogen nur um mit „[ihrer] Nacktheit [die] Verletzlichkeit [eines] Versuchstier[es].“ zu symbolisieren, keinesfalls also ihre gesellschaftliche Stellung als „Sexsymbol“ „für eine gute Sache“ ausgenutzt und damit eventuell derartige Rollenklischees perpetuiert…ist glaubich ein bissl naiv.

    aber selbst wenn dich nur diese frage interessiert…soll das verboten werden? da könnte man sich auch über andere fragen gedanken machen, soll die darstellung von sagen wir hausnummer moslems als selbstmordattentäter (antiislamismus) auch verboten werden? so wie antisemitismus? hat die geschichte und kulturelle entwicklung in dieser frage irgendeine bedeutung? wenn ja, hat der geschichtliche und kulturelle kontext auch eine bedeutung wenn man sich über feminismus gedanken macht? und bedeuted eine bejahung bzw. verneinung eines solchen verbotes (oder auch einschränkung der meinungsfreiheit) automatisch die negierung sämtlicher positionen die ein solches verbot verneinen bzw. bejahen? ist man automatisch ein nazi wenn man gegen das wiederbetätigungsgesetz ist?(sind alle us-amerkanier nazis?) ist man automatisch sexist und verwirft sämtliche feministischen positionen wenn man gegen ein verbot von darstellungen nackter frauen ist? wohl kaum. es ist halt nicht alles schwarz und weiß.

  18. Also wir w/m waren bei der Grazer Aktion nackt im Käfig und dachten keine Sekunde an Sexismus. Dass es provoziert nackt im öffentlichen Raum zu sein ist klar. Aber Tierrechte müssen auch provozieren dürfen um die Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen.
    Das Foto von der Grazer Künstlerin hat meiner Meinung nach nichts mit Tierrechte zu tun, zumindest kann ich keinen erkennen. Es ist einfach ein erotisches Foto auf dem sich auch noch eine Wölfin befindet. Wenn es der Künstlerin Spaß macht solche Bilder zu machen ist dies allerdings ok.
    Nacktheit in der Werbung ist ein anderes Thema, dort machen ja sexistische Untertöne nicht einmal vor Haarwuchsmitteln halt. Ich finde es sexistisch wenn ich die ÖVP Frauen Tirol Werbe-Spots ansehe, in denen keine oder kaum nackte Haut zu sehen ist. Eines dieser Videos findet Ihr unter diesem Link: http://www.youtube.com/watch?v=oqENekUbAIg . Über solche Spots sollte man mit den Verantwortlichen diskutieren und nicht über Menschen die sich für ihre Überzeugung nicht nur nackt ausziehen sondern sich den Großteil ihres Lebens damit beschäftigen.

  19. Robert says:

    Was soll daran sexistisch sein? Die Aktivistinnen machen das freiwillig.

    Zitat:
    „[…] Niemand wurde dafür bezahlt, die Personen machten es von sich aus. Aber: Das sei irrelevant, sagten meine Gesprächspartnerinnen. Sie würden durch das vielleicht unbewusste Verständnis ihrer Rolle von Frauen als Sexobjekten zu dieser Aktion gebracht und würden dabei diese Rolle auch noch perpetuieren. […]“

    Ja, ja, „unbewusstes Verständnis“, das Totschlagargument eines jeden Gesellschaftsverbesserers, der denkt, über den Dingen zu stehen. Moralische Höherstellung, daraus folgt ’ne Art eigenmächtige Bevormundung. Diese Gesprächspartnerinnen sind die Heiligen, die Aktivistinnen die Huren, alles klar.

    Zitat:
    „Frauen hätten inskriptive Körper, die von der Gesellschaft benutzt würden, die sexuelle Darstellung würde sie reduzieren. Männer dagegen würden durch sexuelle Darstellungen an Handlungsspielraum gewinnen, ihre Genderrolle umfasse die sexuelle Objektivierung nicht.“

    Nein, nicht die Gesellschaft reduziert die Frauen, sondern diejenigen, die behaupten, dass die Gesellschaft sie reduziert. Ich, als Teil der Gesellschaft, finde sexuelle Darstellungen schön (sofern Alles auf Freiwilligkeit basiert). Alle, die sich gestört fühlen, in dem Fall die Kritiker, reduzieren erst diese Aktivistinnen.

    Sorry, wenn ihr, die von mir sehr geschätzten Tierrechtsaktivisten, diese Kritiken ernst nehmt, dann kann ich Euch nicht mehr ernst nehmen. Solche Leute, die jede Art von sexueller Darstellung als Sexismus kritisieren, sind die Kirche von morgen.

  20. Cronopio says:

    und selbst wenn, was solls? Wenn es zulässig ist, mit nackten Frauen Aufmerksamkeit für jede beliebige kommerzielle Werbebotschaft zu generieren, soll ausgerechnet der Einsatz halbnackter Aktivistinnen für kritische Botschaften verwerflich sein? Meines Erachtens redeten deine GesprächspartnerInnen in Karlsruhe nicht nur Unfug, sondern haben diesen Unfug auch gegen Kritik immunisiert, wie ich vor allem diesem Absatz entnehme:
    Niemand wurde dafür bezahlt, die Personen machten es von sich aus. Aber: Das sei irrelevant, sagten meine Gesprächspartnerinnen. Sie würden durch das vielleicht unbewusste Verständnis ihrer Rolle von Frauen als Sexobjekten zu dieser Aktion gebracht und würden dabei diese Rolle auch noch perpetuieren.

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