Aktivismus

Zwischen Anpassung und Widerstand

„Wer in der Jugend nicht links ist, hat kein Herz, und wer im Alter nicht konservativ ist, hat kein Hirn“. Dieses Sprüchlein spielt auf die Rolle der jungen Generation bei sozialen Tieren an, die bestehenden Verhältnisse in Frage zu stellen, und die der alten Generation, das Erreichte zu erhalten. Die Jungen einerseits voll Idealismus und Naivität, allerdings ohne Verantwortung, die Alten schon desillusioniert, aber pragmatisch, und vielleicht mit dem Bedürfnis, sagen zu können, dass alles, was sie aufgebaut haben, nicht nur schlecht war. Nach 30 Jahren Erfahrung in der Tierschutzbewegung spüre ich da schon mehr als ein Körnchen Wahrheit darin. Grund genug für mich, ständig zu hinterfragen, ob ich mich nicht unbewusst auf Lorbeeren ausruhen will, die gar keine sind.
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Solidarität mit Helmut Kaplan!

Bei einer Nachbesprechung über den heurigen Tierrechtskongress saß auch ein Schweizer Tierrechtler mit uns am Tisch, der wegen seiner Teilnahme an der „Tierrechte Jetzt!“ – Aktion in Graz bei uns zu Besuch war. Als erwähnt wurde, dass einige Personen sich darüber beschwert hätten, dass Helmut Kaplan nicht vom Kongress ausgeschlossen worden sei, sagte er wie aus der Pistole geschossen, er sei auch dagegen, dass Rechtsradikale dort sprechen könnten. „Rechtsradikale?“, fragte ich erstaunt, „was hat das mit Kaplan zu tun?“. Na der sei doch rechtsradikal, antwortete der Schweizer, und auf meinen ungläubigen Blick hin ergänzte er „zumindest sehr rechts“.
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Der Tierrechtskongress Wien 2014 ohne Ausgrenzung

Angekündigt haben wir ihn als die größte deutschsprachige Veranstaltung dieser Art aller Zeiten. Mit 450 registrierten TeilnehmerInnen sind dann allerdings um etwa 100 weniger als noch 2011 gekommen. Dafür gab es deutlich mehr Vorträge, Workshops und Diskussionen, die Kunstausstellung hatte mit 11 KünstlerInnen und 2 Kuratorinnen von der Uni Linz erstmals eine zentrale Rolle. Und mit den „Zwa Voitrottln“ war die Abendshow ebenfalls erstmals in professionellen Händen. Der Ablauf war gewohnt spontan und dennoch ohne Hickups, von der Registrierung über das Eröffnungsbuffet bis zur Tontechnik funktionierte alles ehrenamtlich und reibungslos. Ein Megaevent des minimalen Budgets!
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Demountersagung wegen Blasphemie – und das im Jahr 2014!

§ 188 Strafgesetzbuch sieht bis zu 6 Monate Gefängnis für einen Menschen vor, der öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bildet, oder eine Glaubenslehre, einen gesetzlich zulässigen Brauch oder eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen. Der Straftatbestand ist Blasphemie oder auch Gotteslästerung. Wurde nicht der österreichische Karikaturist Gerhard Haderer kürzlich in Griechenland in Abwesenheit zu fast einem Jahr Haft verurteilt, weil er in seinen Karikaturen Jesus als Haschischraucher dargestellt hat? Und jetzt soll eine ernst gemeinte Tierschutzaktion in Linz mit theologisch gut begründbarem Hintergrund Blasphemie sein?
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Die Polizei hat die diesjährige Kreuzigungsaktion in Linz untersagt!

Sie hat eine lange Geschichte, diese Aktionsform: http://www.martinballuch.com/wozu-provokation-%E2%80%93-zu-anzeigen-gegen-die-kreuzigungsaktion/. Seit mehr als 10 Jahren, 2011 auch in Linz, ziehen jeweils am Karsamstag 3 AktivistInnen im Lendenschurz mit Tiermasken und Holzkreuzen am Rücken durch die Hauptstraßen der Landeshauptstädte. Gut 100 TeilnehmerInnen folgen diesem „Kreuzweg“. An neuralgischen Punkten werden die Kreuze aufgestellt, die AktivistInnen daran angefesselt und Zahlen und Fakten über den Missbrauch der Tiere vor allem in der Agrarindustrie, zu dem auch die katholische Kirche schweigt, verlesen. Innerhalb des Christentums gibt es viele kritische Stimmen, die im Kreuzigungstod Jesu auch die Erlösung der Tiere sehen, siehe http://www.martinballuch.com/tierethik-im-christentum/. Wie FeministInnen Jesus als Frau darstellten, und BürgerrechtlerInnen Jesus mit schwarzer Hautfarbe, so zeigen nun TierrechtlerInnen, dass für die Fleischwerdung Christi nicht nur Geschlecht und Hautfarbe, sondern auch Spezies des Gottessohnes irrelevant sind.

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Denunziation und Aufsplitterung in der Tierrechtsbewegung

Neue soziale Bewegungen wie die Tierrechtsbewegung ziehen viele verschiedene Menschen an, die im Rahmen dieser Bewegungen aktiv werden. Diese Menschen können sich aber in ihren Weltanschauungen, ihrem sozialen Hintergrund, ihrer Lebenserfahrung und ihrer Persönlichkeit ganz grundlegend unterscheiden. Viele Aktive können mit diesen Unterschieden nicht umgehen, es kommt oft zur Zersplitterung der Bewegung und zum Phänomen der Denunziation. Bei letzterem werden wahre oder falsche Informationen über einzelne AktivistInnen oder ganze Gruppen bzw. Vereine an die Öffentlichkeit gebracht, oft auch von anonymer Quelle, mit dem Ziel diese AktivistInnen oder die Gruppen bzw. Vereine negativ darzustellen und ihre Ausgrenzung aus der Bewegung oder sogar aus einem ganzen Segment der Gesellschaft zu erreichen.

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„M.E.“ – Meines Erachtens, ein Buch von Chris Moser im Kyrene Verlag

P1000497Nach „Die Kunst, Widerstand zu leisten“ hat Chris Moser nun ein zweites Buch über politische Kunst und seine Konflikte mit dem Staat nachgeschossen. Als ehemals Angeklagter im Tierschutzprozess und langjähriger Aktivist ist er dafür auch prädestiniert. So wurde Chris schon als Teenager wegen politischer Graffiti angeklagt, bei Globalisierungsprotesten mit Tränengas, Blendgranaten und Gummimunition beschossen, und hat mit seiner Radikalkunst bereits über Jahrzehnte die Gemüter bewegt. Ein rasantes Buch, sehr persönlich geschrieben, das sich leicht liest. Man fliegt mit Chris förmlich durch sein Leben und kann gut nachvollziehen, was ihn bewegt.
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Tierschützer Hubert Hirscher ist gestorben!

huberthirscherSeltsam, diese Serie von Todesfällen in der Tierschutzszene in Österreich! Oder kommt mir das nur so häufig vor, aber in Wirklichkeit gibt es mittlerweile so viele TierschützerInnen hierzulande, dass diese Todesrate dem Durchschnitt entspricht? Ob Durchschnitt oder nicht, jedes Mal bricht einem das Herz! Vor mehr als 10 Jahren starb Herta, eine Langzeitaktivistin des VGT, an Krebs, einiges darauf Michl, Gründer und Sprecher der Internationalen Vegetarischen Initiative, an Gehirnblutung, dann letztes Jahr Georg, Vater von 2 veganen Kindern und seit langem Unterstützer vieler Tierschutzaktionen in Salzburg, an einem Autounfall, kurze Zeit später Andrea, seit 17 Jahren im Tierschutz aktiv, bei einem Unfall in einem Gnadenhof in OÖ, und nun Ende Dezember 2013 Hubert Hirscher.
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Jahresrückblick zum Tierschutzaktivismus 2013

_DSC4219kleinWie entwickelt sich der Tierschutz über die Jahre und Jahrzehnte in Österreich? Gibt es Fortschritte und sind diese so groß, dass sich ein grundlegender Wandel abzeichnet? Oder treten wir auf der Stelle und betreiben lediglich Symptombehandlung?

In den letzten Jahren zeigt sich jedenfalls, dass Gesetzesreformen zunehmend schwieriger werden und längeren Übergangszeiten unterliegen. Seit dem Legebatterieverbot ist die Tierindustrie auf die Gefahr „Tierschutz“ aufmerksam geworden und hat sich organisiert. Einerseits spüren wir das in der staatlichen Repression im Rahmen der Tierschutzcausa, andererseits versucht man nun auf höchster politischer Ebene jeden Tierschutzeinfluss im Keim zu ersticken. Als nächstes will man, wie in der Regierungserklärung steht, auch die Aufdeckungsarbeit der TierschutzaktivistInnen kriminalisieren. Systematisch wird jede Tierschutzarbeit erschwert. Und trotzdem ist einiges weiter gegangen.
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