Anthropozentrismus

Ökologischer Footprint Teil 2: Kritik an einem anthropozentrischen Konzept

Die Berechnung des Ökologischen Footprints an sich ist eine naturwissenschaftliche Aufgabe, die keine Werthaltung voraussetzt. Es wird im Wesentlichen festgestellt, wieviel Land man verbraucht und die Einschränkung dieses Verbrauchs entsteht hauptsächlich durch die große Anzahl von Menschen, die heute auf der Erde leben. Der Ökologische Footprint sagt noch nichts darüber aus, ob die Rechte von Lebewesen missachtet werden, oder auch, ob ein Verbrauch besonders umweltbelastend ist. Würde man einige Menschen als SklavInnen halten, könnte man den eigenen Footprint senken, weil in die Footprintberechnung eines Produkts auch der für die ArbeiterInnen geleistete Aufwand einfließt. Genauso ist der Footprint bei einem Turbolegehuhn, das innerhalb von 1 Jahr so viele Eier legt, dass es dann zusammenbricht und stirbt, geringer, als bei einem Biofreilandhuhn einer alten Rasse mit geringerer Legeleistung. Und Holz hat einen hohen Footprint, weil Bäume viel Platz brauchen und langsam wachsen, auch wenn Holz an sich ein nachhaltiger und umweltverträglicher Rohstoff wäre. In der Geschichte der Menschheit haben Jäger-Sammler-Gemeinschaften ihre Umwelt relativ wenig belastet, aber viel Land für ihren Lebensstil gebraucht. Sie haben also einen viel höheren Footprint, als die Menschen nach der neolithischen Revolution mit Ackerbau und Viehzucht, was sich auch an der Bevölkerungsexplosion nach dieser Revolution ablesen lässt. Dieser Lebensstil schädigt zwar die Umwelt mehr, kann aber aus derselben Grundfläche viel mehr Ressourcen entnehmen und daher viel mehr Menschen ernähren. Das zeigt uns schon die Grenzen des Konzepts des Ökologischen Fußabdrucks auf.

(mehr …)

„Bedürfnis“, ein rein menschlicher Begriff? Ein Meinungsaustausch

Auf der Tagung „Ökonomien tierischer Produktion“ am Institut für Europäische Ethologie in Wien durfte ich an einer Podiumsdiskussion zur Frage einer Nutztierethik teilnehmen. Ich argumentierte u.a. mit meiner Beziehung zu meinem Hundefreund für Tierrechte und Autonomie. Da wurde mir die Frage gestellt, ob „Bedürfnis“ nicht nur ein menschlicher Begriff sei und wieso ich dieses Konzept so einfach auf nichtmenschliche Tiere anwende. Daraus entspann sich der folgende Emaildialog, den ich mit Zustimmung meines Diskussionspartners hier vollständug und unverändert wiedergebe:

(mehr …)

Anthropozentrismus revisited – „Lone Survivors“ von Chris Stringer

Rhodesiensis

Eine andere Menschenart, bis vor 20.000 Jahren in Afrika noch am Leben

Für meine Dissertation 2005 in Philosophie habe ich mich auch eingehend mit dem Neandertaler beschäftigt. Dennoch ließ mir das Buch „Lone Survivors“ von Chris Stringer im Times Books Verlag aus dem Jahr 2012 die Augen übergehen, wie es mir vorführte, was sich seither alles zu diesem Thema Neues entwickelt hat! Man geht mittlerweile davon aus, dass in den letzten 2 Millionen Jahren etwa 10 verschiedene Menschenarten zumeist gleichzeitig auf der Erde existiert haben – natürlich mit allen kontinuierlichen Übergängen dazwischen. Welche davon sollen jetzt im Ebenbild des christlichen Bibelgottes geschaffen sein? Welche davon bilden gemeinsam das „menschliche Bewusstsein“, das laut Sozialwissenschaften die Wirklichkeit konstruiert, und welche davon sind nach unserem Gesetz Personen und welche Sachen?

(mehr …)

Der Anthropozentrismus der Sozialwissenschaften

Als Naturwissenschaftler war ich kürzlich auf meiner ersten sozialwissenschaftlichen Konferenz. Mein spontaner  Eindruck: ein esoterisches und kein wissenschaftliches Treffen. Das deshalb, weil überhaupt keine empirischen Fakten präsentiert wurden, keine Statistik, wie ich es mir erwartet hätte, und keine in irgendeiner Form belegbaren oder überprüfbaren Aussagen. Dazu gab es ständig Seitenhiebe auf die Naturwissenschaften, als wäre das ein Erkennungsmerkmal „dazu“ zu gehören. Da wurde gesagt: „Das Schönheitsideal in der Mode ändert sich wie die Paradigmen in der Naturwissenschaft, abhängig davon, wer Macht und Einfluss hat.“ Oder: „Der Unterschied zwischen Pseudowissenschaft und Naturwissenschaft ist schwer zu definieren, vielleicht gibt es keinen.“ Und: „Die Mathematik wurde auf die Natur gepresst, um diese dem menschlichen Willen zu unterwerfen.“
(mehr …)

Bewusstsein, Künstliche Intelligenz und der Anthropozentrismus

Typisch New Scientist. In der Ausgabe vom 18. Mai 2013 findet sich ein Special Issue über Bewusstsein. Darin schreibt Daniel Bor über die hohe Komplexität von verschalteten Nervenbahnen, die Bewusstsein voraussetze und von den zwei Modellen im Rahmen der Erforschung Künstlicher Intelligenz, die es von Bewusstsein gebe. In einem entspricht das Gehirn einem Computer und das Bewusstsein dem Arbeitsspeicher, im anderen entspreche Intelligenz einfach der computerisierten Verarbeitung von sehr viel Information auf einmal. Seltsam, meine ich, weil in beidem übertreffen Computer heute schon bei weitem das menschliche Gehirn. Und haben die Bewusstsein?

(mehr …)