Autonomie

Leidminimierung bei Konflikten unter Wildtieren?

Kürzlich bei einer Konferenz über Effektiven Altruismus in Berlin hielt jemand einen Vortrag über das Leid von Wildtieren, wenn sie in der Kälte ohne Heizung in der Wildnis stehen, oder wenn sie sich gegenseitig töten und essen. Dieses Leid, so der Vortragende, sei wesentlich schlimmer weil von der Anzahl betroffener Tiere her größer, als das Leid der sogenannten Nutztiere in Tierfabriken. Seine Tierschutzgruppe würde deshalb wild lebende Paarhufer in Spanien im Winter füttern. Bei einem anderen Vortrag wurde sogar gesagt, es sei gut, wenn ein wilder Wald abgeholzt und zubetoniert werde, weil dann gibt es weniger Lebensraum für Wildtiere und diese leiden doch so viel, sodass es global gesehen weniger Leid bedeutet, wenn es weniger Wildtiere gibt.

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Autonomie der primäre Wert: das emotionale Argument

Es wirkt zunächst so plausibel: da leidet jemand, aber wer will schon leiden, also ist es besser, dieser Jemand leidet nicht oder weniger, also ist Leidvermeidung gut. Diese Schlussfolgerung setzt aber nicht nur voraus, dass kein leidensfähiges Lebewesen leiden will, sondern auch, dass es die ethische Verpflichtung gäbe, den Willen leidensfähiger Lebewesen zu ignorieren und sie zu ihrem Glück, nicht leiden zu müssen, zu zwingen, wenn man meint, es besser zu wissen.

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Autonomie der primäre Wert: das theoretische Argument

In letzter Zeit ist es immer öfter zu hören, obwohl ich es schon längst für völlig diskreditiert halte: der primäre Wert in der Ethik sei Leidvermeidung bzw. Leidminimierung. Wirklich seltsam, dass das so vielen Menschen so leicht über die Lippen kommt. Vielleicht minimieren gewisse Tierversuche das Gesamtleid aller Wesen auf der Erde, aber ist das den benutzten Tieren gegenüber gerecht? Warum schließen wir dann Menschenversuche zum Vorteil der Menschheit aus? Tierrechte schützen genau davor, unschuldig für den Vorteil anderer herhalten zu müssen. Tierrechte und Leidminimierung schließen sich also gegenseitig aus. Gar nicht zu reden von Tierbefreiung, d.i. die soziale Befreiung von menschlicher Dominanz und menschlichem Paternalismus. Nun, was soll es sein, Leidvermeidung oder Tierrechte bzw. Tierbefreiung? Ist das einfach Sache der persönlichen Vorliebe?

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Wenn ein Hund bewusst entscheidet

In meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“ argumentiere ich, dass Hunde autonome und vernünftige Wesen sind, die bewusst entscheiden können, ganz unabhängig von ihrer Konditionierung. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Argumente dafür klar und deutlich dargelegt wurden und kein Zweifel mehr bestehen bleibt. In der Praxis begegnet mir dennoch ununterbrochen auch unter Tierschützer- und TierrechtlerInnen die Idee, dass Hunde nur mit Versuch und Irrtum auf Basis von Konditionierung lernen können, dass ihre Handlungsantriebe nur Reizreaktionen oder Triebe und Instinkte sind, dass es da keine Freiheit zur Entscheidung hinter diesen Schlappohren gibt.

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Konditionierungstrainng für Hunde: gewaltige Unterschätzung ihrer Fähigkeiten

Letzten Freitag gabs in der Volkshochschule Ottakring in Wien eine Podiumsdiskussion über „Hundetraining“, zu der ich freundlicher Weise eingeladen war. Gemeinsam war uns DiskutantInnen die Ablehnung des dominanzbasierten Umgangs mit Hunden. Doch einmal mehr fiel mir auf, was für Welten meine Vorstellung eines partnerschaftsbasierten Zusammenlebens mit Hunden und jene des konditionierungsbasierten Zusammenlebens auseinander liegen. Die Unterschiede sind nicht marginal, das Bild von Hunden fundamental verschieden.
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Tierethik: Selbstbestimmung statt paternalistische Leidensvermeidung

Mit vielen Personen, mit denen ich über mein neues Buch „Der Hund und sein Philosoph“ diskutiert habe, meinten, ich wäre übers Ziel hinaus geschossen. Es sei doch gar nicht nötig, von Autonomie und Selbstbestimmung von Tieren zu sprechen. Es reiche doch, sich auf das Tierleid zu beziehen. Dieses sei offensichtlich und unbestreitbar, ja, mittlerweile sogar von einer internationalen Konferenz von NeurobiologInnen öffentlich anerkannt. Da könnte ich mir doch den Streit darüber, ob Kuksi jetzt denken und sich selbst Zwecke setzen kann oder nicht, ersparen. Sein Leid ist anerkannt und so kann man auf seinen Schutz pochen.

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Haben Tiere das, was Kant unter Freiheit versteht?

Im Zusammenleben mit einem Hund scheint mir die Antwort, ob Tiere eine innere Freiheit haben im Sinne von intentional handeln zu können, selbstverständlich. Mein Hundefreund hat einen Charakter und eine Persönlichkeit, die ihn auf eine gewisse Weise agieren und sein Leben gestalten lassen. Doch diese Intentionalität mit Autonomie gleichzusetzen, also mit Freiheit im Sinne von Immanuel Kant, würden die allermeisten PhilosophInnen sofort ablehnen. Selbst Hilal Sezgin zögert in ihrem Buch „Artgerecht ist nur die Freiheit“ bei Tieren von Autonomie zu sprechen, auch wenn sie ihnen verschiedene andere Ebenen von Freiheit zubilligt, siehe http://www.martinballuch.com/artgerecht-ist-nur-die-freiheit-von-halal-sezgin-verlag-ch-beck-2014/. Was macht also diese Kantsche Freiheit aus?
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Haben Sie Ihren Hund schon einmal gefragt, was er tun will?

Gestern sind mein Hundefreund und ich wieder mit dem Fahrrad und dem Buggy-Anhänger mitten in der Stadt unterwegs gewesen. Nach 30 Minuten Asphalt-Laufen frage ich Kuksi, ob er in den Buggy einsteigen will. Nein, will er nicht. 10 Minuten später bleibe ich noch einmal stehen und frage ihn erneut, trabt er doch bereits seit einiger Zeit mit gleicher Geschwindigkeit, ohne zum Schnüffeln zu stoppen. Er kommt her, schaut in den Buggy hinein, schaut heraus und entscheidet dann, weiter laufen zu wollen. Noch einmal vergehen 10 Minuten. Wieder halte ich an und frage meinen Hundefreund und dieser springt nun ohne zu zögern in den Buggy hinein.
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Ein Hund, ein Fuchs, ein Pavian und Immanuel Kant

Kuksi und ich liegen im Sommer auf einer Bergwiese mit geschlossenen Augen nebeneinander. Die Sonne ist hinter den Wolken versteckt und es ist angenehm kühl. Doch langsam geben die Wolken die Sonne frei und es wird heiß. Ich richte mich auf, blinzle in das strahlende Licht. Kuksi neben mir macht zur gleichen Zeit dasselbe. Auch ihm wird heiß. Ich schau mich um. Dahinten ist ein großer Fels mit kühlem Schatten. Gleichzeitig stehen wir auf, gehen hinüber und legen uns im Schatten wieder nieder. Wir hatten dieselbe Idee. Kuksi ist mein Hundefreund.
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Gelebte Utopie: ein Tag im Leben mit meinem Hund

P1010680kleinDie Nacht verbrachten wir gemeinsam zusammengekuschelt auf einer Matratze in einer Blockhütte. Mit dem Aufstehen ließen wir uns Zeit, doch um 9 Uhr krochen wir beide zur Kochstelle, um uns einen Grießbrei mit Sojamilch zu bereiten. Bald darauf sind wir im Wald unterwegs, beschnüffeln die Pflanzen, pflücken Himbeeren und Erdbeeren von den Stauden in Waldlichtungen und finden hier und da bereits die ersten Schwammerl.

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