Kuksi

Eine kleine Anekdote

Vor ein paar Tagen ging ich abends mit meinem Hundefreund durch einen Park. Wieder einmal hat irgendjemand ein Sackerl mit einer Jause stehen gelassen. Kuksi freuts. Er wühlt sich durch und ergreift mit dem Mund eine in Plastik eingehüllte Wurst. „Nicht!“, ruf ich noch und springe hin, aber, schwupps, ist sie schon weg. Kuksi schaut ganz unschuldig, als wollte er sagen „ach so, ich wusste nicht, dass ich die nicht essen soll“. Dabei wusste er das genau, aber es war ihm einfach wichtiger. Naja, denke ich mir, hoffentlich kommt sie unten wieder raus. Ich werde ein Auge darauf haben.

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Mein Hundefreund Kuksi

Die Personen in unserer Gesellschaft, die ein tiefes Verständnis für die wilde, ursprüngliche Natur mit all ihren Tücken und Gefahren haben, sind dünn gesät. Doch einer davon, mein Hundefreund Kuksi, teilt meine Leidenschaft für die langen Wanderungen ohne konkretem Ziel, für die Nächte im Wald, für die weglose Wildnis abseits menschlicher Spuren. Gerade sind wir aus dem Regen zurückgekehrt, aus dem dampfenden Wald. Ein intensiver Geruch liegt in der Luft, Tannennadeln, feuchte Baumstämme, Moos. Es ist so wunderschön mit Kuksi hier heraußen zusammen zu sein.

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Wenn ein Hund bewusst entscheidet

In meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“ argumentiere ich, dass Hunde autonome und vernünftige Wesen sind, die bewusst entscheiden können, ganz unabhängig von ihrer Konditionierung. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Argumente dafür klar und deutlich dargelegt wurden und kein Zweifel mehr bestehen bleibt. In der Praxis begegnet mir dennoch ununterbrochen auch unter Tierschützer- und TierrechtlerInnen die Idee, dass Hunde nur mit Versuch und Irrtum auf Basis von Konditionierung lernen können, dass ihre Handlungsantriebe nur Reizreaktionen oder Triebe und Instinkte sind, dass es da keine Freiheit zur Entscheidung hinter diesen Schlappohren gibt.

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Einen Hund darf man nicht unterschätzen!

Wir waren wieder einmal auf einer Recherche im Jagdrevier von Mensdorff-Pouilly unterwegs. Und mein tapferer Hundefreund Kuksi hat mich, wie so oft, dabei begleitet. Heute war niemand auf der Jagd, aber wir wollten diese Fasankisten finden, die sich kreuz und quer in diesem seltsamen Jagdrevier befinden. Diese Kisten sind wenige Quadratmeter groß und gerade einmal 50 cm hoch, ins Unterholz fix montiert. Dort lässt Mensdorff-Pouilly die Fasane aus der Voliere hineinsetzen, wenn sich hochgestellte Persönlichkeiten zur Jagd angesagt haben. Kaum stehen die Schützen vor dem Waldstück, in dem sich die Kisten befinden, öffnet ein Helfer die Käfigtür und die Fasane verteilen sich im Gebüsch, außer Sichtweite der JägerInnen. Dann schickt man die Jagdhunde in den Wald und schon fliegen die Zuchttiere, eines nach dem anderen, Angst erfüllt über die Wiese hinaus und können von den Schützen abgeknallt werden. Manche unserer Mitmenschen verstehen unter einer erbaulichen Freizeitbeschäftigung eine derartige Tätigkeit.

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Ein Hund ist ja kein Mensch! – oder doch?

Wenn ich von meinem partnerschaftlichen Zusammenleben mit Kuksi berichte, da schütteln manche den Kopf. „Ein Hund ist ja kein Mensch“, heißt es dann. Den muss man ganz anders behandeln. Ein Hund ist kein Mensch. Stimmt. Und eine Frau ist kein Mann, ein Schwarzer kein Weißer. Was sagt uns das? Es mag Unterschiede geben, wesentlich ist doch die Gemeinsamkeit. Was sollen also ein Hund und ein Mensch nicht gemeinsam haben, das einen unterschiedlichen Umgang rechtfertigt?
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Ohne Leine? Dem Hund vertrauen!

Von der Podiumsdiskussion über Hunde in der Volkshochschule Ottakring in Wien am 12. Juni 2015 sind noch einige weitere Eindrücke bei mir hängen geblieben. Eine Mitarbeiterin der Veterinäruni Wien saß neben mir am Podium und stellte fest, dass sie nie im Leben ihren Hund irgendwo in der Nähe einer Straße von der Leine lassen würde. Das sei unverantwortlich. Man wisse nie, was einem Hund einfalle und was er als nächstes tun werde. Eine andere Diskussionsteilnehmerin kritisierte mich, weil ich meinen Hundefreund Kuksi mit einem Kollegen aus dem Büro spazieren gehen ließ, ohne diesen Mann vorher auf seine Hundetauglichkeit zu überprüfen.
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Die menschliche Nase funktioniert – laufende Motoren stinken!

Als ich bei einer Podiumsdiskussion über mein Buch von meiner engen Freundschaft mit Hund Kuksi sprach und meinte, der einzig richtig wesentliche Unterschied zwischen uns bestünde darin, dass meine VorfahrInnen vom Äquator kommen und ich daher nicht nackt im Schnee stehen kann – und zwar überhaupt nicht! –, sagte Prof. Ludwig Huber, nein, es gebe größere Unterschiede, z.B. die Nase. Nun, meine Aussage hat sich hauptsächlich darauf bezogen, dass viele PhilosophInnen einen qualitativen, unüberbrückbaren Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren in der Sprache sehen. Menschen nutzen die Sprache zum Denken, Hunde nicht, daher sind sie unvergleichbar. Meine Erfahrung in der Wildnis ist das nicht. Dort denke ich auch ohne Sprache. Wenn Kuksi und ich uns überlegen, wie wir eine Felsstufe überwinden, die sich vor uns aufbaut, dann machen wir das auf dieselbe Art. Ebenso bei einem wilden Fluss, der zu überqueren ist, oder anderen Gefahren. Wir entscheiden beide vernünftig und beide auf der Basis mentaler Bilder, mit denen wir uns die Überwindung des Hindernisses zunächst ausmalen, bevor wir es in der Realität angehen.
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Hund Kuksi auf Vortragstournee

In meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“ ist Kuksi ja eigentlich die Hauptperson. An der Beziehung zu ihm ist das Argument aufgebaut, dass Tiere sich selbst Zwecke setzen und dadurch auch im Kantschen Sinn autonom sind. Meine Schlussfolgerung ist letztlich die Forderung nach Personenrechten für Tiere, und nach Bürgerrechten für Hunde. Zu letzteren gehören nicht nur die Rechte, in der menschlichen Gesellschaft existieren zu dürfen und bei politischen Entscheidungen die eigenen Interessen vertreten zu bekommen, sondern auch das Recht auf politischen Aktivismus, d.h. die Möglichkeit, sich aktiv für die eigenen Vorstellungen der Gesellschaftsgestaltung zu engagieren. Und wie ich meine hat Kuksi das u.a. dadurch getan, dass er mit mir bei meinen letzten Vorträgen und Buchpräsentationen aufgetreten ist bzw. auch auftreten durfte, was manchmal nicht so einfach war und sogar von ihm erst erkämpft werden musste.
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Ein Blick auf den Hundeverstand

Ach könnte ich nur einmal mit einem Hund tauschen, um zu wissen was er denkt, seufzte ein Wissenschaftler im Gespräch mit mir. Was denkt er bloß? Der Hund, das nicht vrstehbare Wesen? Da lieber sicherheitshalber wegsperren, Leinenpflicht und Beißkorbzwang sind die Konsequenzen. Was, bitte schön, ist am Hundeverstand so schwer nachzuvollziehen? Im sehr engen Zusammenleben mit meinem Hundefreund Kuksi habe ich praktisch nie das Gefühl, überhaupt nicht zu verstehen, was in ihm vorgeht, was er gerade denkt. Also mir scheint das jedenfalls oft viel nachvollziehbarer, als was in manchen Menschen so vorgeht. Selbst wenn sie mir in Worten farbig schildern, was sie denken, verstehe ich oft nur Bahnhof. Kein Wunder, ich kenne sie ja gar nicht persönlich genauer – im Gegensatz zu Kuksi, mit dem ich mehr oder weniger ununterbrochen zusammen bin, Tag und Nacht, und das seit bald 7 Jahren!
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Freiheit: wenn die Hundeleine das Bewusstsein ändert

Rumms fiel das Tor ins Schloss und das anschließende metallische Geräusch machte mir klar, dass ich nun eingesperrt war. Das Schlimme daran, in einer Zelle im Gefängnis zu sitzen, ist weniger der verkleinerte Lebensbereich. Vermutlich sitzt man öfters einmal über viele Stunden oder sogar Tage völlig freiwillig in einem kleinen Raum, ohne ihn zu verlassen. Das Schlimme am Gefangensein ist der Verlust der Autonomie. Es macht einen sehr großen Unterschied, ob man eingesperrt ist oder nicht, ob man einen Raum jederzeit verlassen könnte, auch wenn man das gar nicht will.
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