Kurt Gerstein

Ziviler Ungehorsam im Dritten Reich? – „Kurt Gerstein oder die Zwiespältigkeit des Guten“

Ziviler Ungehorsam ist ein ganz wesentliches Mittel des Widerstands der Ohnmächtigen und der außerparlamentarischen politischen Kampagnenarbeit in einer Demokratie. Als ich mich in den 1970er und 1980er Jahre für Umwelt- und Tierschutz zu engagieren begann, war ziviler Ungehorsam bei uns hier gerade im Entstehen. Der Spirit der „Alternativbewegung“ hat sich daraus genährt. Es war ein Teil des politischen Selbstverständnisses, offen Gesetze zu brechen und der Staatsmacht dabei in die Augen zu schauen. Eigentlich hatte ich damals gedacht, dass das der neue Politstil wird, im Fahrwasser von Martin Luther King und der 1968er Bewegung, und dass Demokratie in den 2000er Jahren dadurch definiert sein wird. Doch irgendwie stimmt das nicht. Es gibt einen Backlash, erschreckender Weise. Ziviler Ungehorsam wird immer mehr skandalisiert und als radikal verfolgt. Der Staat, insbesondere der Überwachungsstaat, versucht mit scharfer Repression Zivilen Ungehorsam zu verunmöglichen. Und eine neue Generation einer politisch angepassten Jugend, so meine Wahrnehmung, lässt sich davon beeindrucken.

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