Naturwissenschaft

Speziesismus: psychoanalytische Kulturtheorie und Sozialwissenschaft

Ich wundere mich oft über religiöse Personen, die ständig von übernatürlichen Ereignissen sprechen, die sie beeinflussen sollen, und nach denen sie sich in ihrem Handeln richten, ohne dass sie auch nur im Entferntesten etwas darüber wissen könnten. Natürlich ist allen selbst überlassen, was sie glauben wollen, aber dennoch bin ich immer wieder ehrlich überrascht, wie überzeugt jemand von etwas sein kann, ohne den geringsten Beleg dafür zu haben. Zunehmend muss ich nun sehen, dass sich diese Haltung nicht auf religiöse Menschen bzw. TheologInnen beschränkt. In einigen Bereichen der sogenannten Geistes“wissenschaften“, namentlich in den Kultur- und Sozial“wissenschaften“, ist man offenbar auch ohne weiteres zu Ähnlichem in der Lage.

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Anthropozentrismus revisited – „Lone Survivors“ von Chris Stringer

Rhodesiensis

Eine andere Menschenart, bis vor 20.000 Jahren in Afrika noch am Leben

Für meine Dissertation 2005 in Philosophie habe ich mich auch eingehend mit dem Neandertaler beschäftigt. Dennoch ließ mir das Buch „Lone Survivors“ von Chris Stringer im Times Books Verlag aus dem Jahr 2012 die Augen übergehen, wie es mir vorführte, was sich seither alles zu diesem Thema Neues entwickelt hat! Man geht mittlerweile davon aus, dass in den letzten 2 Millionen Jahren etwa 10 verschiedene Menschenarten zumeist gleichzeitig auf der Erde existiert haben – natürlich mit allen kontinuierlichen Übergängen dazwischen. Welche davon sollen jetzt im Ebenbild des christlichen Bibelgottes geschaffen sein? Welche davon bilden gemeinsam das „menschliche Bewusstsein“, das laut Sozialwissenschaften die Wirklichkeit konstruiert, und welche davon sind nach unserem Gesetz Personen und welche Sachen?

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Der Anthropozentrismus der Sozialwissenschaften

Als Naturwissenschaftler war ich kürzlich auf meiner ersten sozialwissenschaftlichen Konferenz. Mein spontaner  Eindruck: ein esoterisches und kein wissenschaftliches Treffen. Das deshalb, weil überhaupt keine empirischen Fakten präsentiert wurden, keine Statistik, wie ich es mir erwartet hätte, und keine in irgendeiner Form belegbaren oder überprüfbaren Aussagen. Dazu gab es ständig Seitenhiebe auf die Naturwissenschaften, als wäre das ein Erkennungsmerkmal „dazu“ zu gehören. Da wurde gesagt: „Das Schönheitsideal in der Mode ändert sich wie die Paradigmen in der Naturwissenschaft, abhängig davon, wer Macht und Einfluss hat.“ Oder: „Der Unterschied zwischen Pseudowissenschaft und Naturwissenschaft ist schwer zu definieren, vielleicht gibt es keinen.“ Und: „Die Mathematik wurde auf die Natur gepresst, um diese dem menschlichen Willen zu unterwerfen.“
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Ist das Atom ein Perpetuum Mobile? – Abschied vom epistemologischen Anthropozentrismus

AtomLange hat man dieses Gespenst verfolgt und zu fangen versucht, das Perpetuum mobile, ein sich immer bewegendes und Arbeit leistendes, physikalisches System. Aber, ähnlich wie die Goldherstellung in der Alchemie, wurde ein Perpetuum mobile nie gefunden. Es widerspricht dem Naturgesetz der Energieerhaltung. Doch dreht sich im Wasserstoffatom nicht ein Elektron wie ein Perpetuum mobile ewig um ein Proton im Atomkern, ohne Energie zu verlieren?
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Kants a priori, Anthropozentrismus und Tierschutz

Malerei von Hartmut Kiewert, auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe ausgestellt

Malerei von Hartmut Kiewert, auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe ausgestellt

Gerade noch scheinbar rein akademisch über Kant und sein a priori philosophiert, siehe http://www.martinballuch.com/?p=3499, holt mich schon die Realität ein. Auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe trägt eine Universitätsprofessorin aus Finnland vor. Ihre These: dass wir die Leidensfähigkeit für so einen wichtigen ethischen Wert halten, sei nur menschliche Intuition, nicht mehr. Ja, „all thinking, all knowledge is human intuition, there can be no understanding of an objective reality“. Und diese Ansicht würden heute immer mehr AkademikerInnen teilen. Ihre Schlussfolgerung in Sachen Tierschutz: alle unsere Werte seien anthropozentrisch und dürften daher nicht auf nichtmenschliche Tiere angewandt werden. Es sei also nur anthropozentrisch zu sagen, ich möchte all jenen, die Leiden empfinden können, kein Leid zufügen.
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Die Zahlen – eine komplexe Welt

Okternionen geometrisch dargestellt

Okternionen geometrisch dargestellt

Nehme ich von drei Äpfeln zwei weg, bleibt einer übrig. Gebe ich zwei Äpfel zu einem hinzu, erhalte ich drei. Konkrete Dinge lassen sich zählen und voneinander abziehen oder zusammenaddieren. Man nennt diese Zahlenfolge mit der Addition und Subtraktion die natürlichen Zahlen eins, zwei, drei usw. Diese Zahlen können wir darstellen, indem wir zumindest zwei verschiedene Symbole benutzen, z.B. 1 und 2 (d.i. die binäre Darstellung: drei = 11, vier = 12, fünf = 111 usw.). Leichter und für uns gebräuchlich ist die Dezimaldarstellung mit 10 verschiedenen Symbolen 0,1,..9. Aber die Darstellungsform ist egal, wesentlich ist die Substanz dahinter: drei – zwei = eins, in allen Darstellungen, egal mit welchen Symbolen. Die Wirklichkeit muss darstellungsunabhängig sein.
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Kant, die klassische Logik und die Quantenwelt

P1000379Das größte Mysterium dieser Welt war für mich immer schon die Frage, wieso die Mathematik so unheimlich gut in die physikalische Welt passt. Ja, meinem Eindruck nach scheint die Welt eher mathematisch als physikalisch zu existieren. Wer die mathematische Beschreibung nur für ein Modell der Wirklichkeit hält, das lediglich so ungefähr den Experimenten entspricht, den würde ich gerne Fragen ob z.B. die Erhaltungsgrößen Energie und Impuls nur so ungefähr oder nicht doch exakt erhalten sind. Ist da nicht die mathematische Gleichung, die diese Erhaltung exakt beschreibt, der Wirklichkeit näher, als das Experiment (also die Erfahrung), das immer mit einem Fehler behaftet ist?
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Ein großer Triumph der Naturwissenschaft: das Higgs Boson wurde gefunden!

Das Buch von Oxford University Press kann ich nur empfehlen!

Das Buch von Oxford University Press kann ich nur empfehlen!

Der Mensch neigt dazu, wie vermutlich die meisten anderen Tiere, Vorgänge teleologisch zu interpretieren. D.h. er erwartet hinter jedem Vorgang ein agierendes Subjekt, das den Vorgang absichtlich ausgelöst hat und dadurch etwas Konkretes bezweckt. Diese Erwartungshaltung hilft vielleicht unter üblichen Bedingungen, Gefahren abzuwenden und Subjekte zu besänftigen oder abzulenken. Aber es führt auch oft ins Abseits.

Man wandert in der Landschaft in einem Unwetter und plötzlich schlägt ein Blitz neben einem ein. Ohne weitere Information geht der betroffene Mensch dann davon aus, ein ziemlich mächtiges Subjekt wird diesen Blitz geschleudert und damit etwas bezweckt haben. War es eine Warnung? Habe ich in letzter Zeit etwas falsch gemacht? In verwerflichen Tierversuchen hat sich gezeigt, dass Ratten gegenüber unkontrollierbaren Ereignissen im Käfig alle möglichen Rituale entwickeln, von denen sie offenbar hoffen, dass sie dazu führen, dass sich schöne Ereignisse eher wiederholen und schlimme Ereignisse eher nicht. Ähnlich beim Menschen: der Wetterzauber soll den Blitz abweisen, in den Raunächten wird das Haus geräuchert, um Blitze vom Haus abzuwenden, vielleicht betet man innig zu einem oder mehreren GöttInnen und nimmt sich fest vor, etwas, von dem man vermutet diese GöttInnen mögen es nicht, auch nicht mehr zu tun.
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Der neue UN-Bericht zum Klimawandel ist da

P1000324Von 1989 bis 1997 arbeitete ich am Department for Applied Mathematics and Theoretical Physics der Uni Cambridge, u.a. an der Computersimulation der Erdatmosphäre durch die numerische Lösung jener mathematischen Gleichungen, die den Naturgesetzen entsprechen. Damals gab es ein ganz heißes Thema: das Ozonloch. 1985 von einem Physiker aus Cambridge entdeckt, begann die fieberhafte Arbeit am physikalisch-chemischen Verständnis des Problems und seiner Lösung. Bald war klar, dass die vom Menschen produzierten Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die aus Kühlschränken und Spraydosen in die Atmosphäre entwichen, an der Ausdünnung der lebenswichtigen Ozonschicht insbesondere im Frühjahr an den Polen schuld war. Eine technische Umstellung in der Produktion ermöglichte es, diese Emissionen zu vermeiden. Und tatsächlich begann sich das Ozonloch nach über einem Jahrzehnt langsam wieder zu schließen, mit einer maximalen Ausdehnung 2006.

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