Philosophie

Ist der Mensch-Tier Vergleich extremistisch?

Bei der Podiumsdiskussion in Graz zum Vegetarismus, siehe http://www.vgt.at/presse/news/2014/news20140414es_2.php, hörte ich aus der letzten Reihe zu. Ein Fleischer erzählte davon, dass er seine Tiere respektiere und nur zwei Rinder pro Tag schlachte. Darauf antwortete Univ.-Prof. Kurt Remele, dass dieselbe Rede in Bezug auf Menschen als sehr widersprüchlich empfunden würde. Man könne niemals Menschen respektieren und sie dann „human“ töten und das als ethisch akzeptabel einstufen. Darauf griffen zwei pro-vegetarische Ärzte in die Diskussion ein und meinten, dass es purer Extremismus sei, Menschen mit Tieren zu vergleichen. Das wäre offenbar völlig absurd.
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„Artgerecht ist nur die Freiheit“ von Hilal Sezgin, Verlag CH Beck 2014

Ich hatte keine großen Erwartungen an dieses Buch, kaufte es nur, weil ich es zufällig in einer Buchhandlung sah und natürlich davon gehört hatte. Foers „Tiere essen“ war für mich auch nicht die große Neuigkeit, vielmehr wunderte ich mich, warum es so viele Menschen lesen, aber nicht z.B. unsere Fleischbroschüre, obwohl, salopp gesprochen, beide zu 80% denselben Inhalt haben. Der Trick scheint zu sein, in der Welt der AutorInnen einen von Tierschutz völlig unabhängigen Namen zu haben und sich selbst als fehlbar, verletzlich und zweifelnd darzustellen, statt im Oberlehrer-Jargon alles mit großer Bestimmtheit besser zu wissen und den moralischen Zeigefinger zu heben. Hilal Sezgins Buch würde so ähnlich sein, dachte ich.
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Ein kritischer Blick auf den Ökofeminismus

Viele philosophische Traditionen und sozialen Bewegungen haben einen eigenen Zugang zu Tierschutz, Tierrechten und Tierbefreiung entwickelt, und das ist gut so. Müsste man erst einer gewissen Tradition oder Bewegung angehören, bevor man sich für Tiere engagieren kann, wäre das eine völlig unnötige Einschränkung. Und so hat auch der Feminismus eine eigene Version von Tierethik entwickelt, den Ökofeminismus, wie er z.B. von Carol Adams, Josephine Donovan und Barbara Noske propagiert wird.
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„Animal Rights and Moral Philosophy“ von Julian Franklin, Columbia University Press 2005

Sich für Tierrechte bewusst zu entscheiden und danach zu leben ist in den meisten Fällen keine Folge wissenschaftlich-rationaler Schlussfolgerungen, weil Menschen keine rationalen Tiere sind. Julian Franklin, ein emeritierter Politikwissenschaftsprofessor der Uni Columbia in New York, erkennt diesen Umstand an, schreibt aber dennoch ein Buch über das philosophische Konzept von Tierrechten, um es auf solide Füße zu stellen. Das Ergebnis ist ein kurzer und sehr lesbarer Text (120 Seiten), der aber an den entscheidenden Stellen etwas zu salopp und oberflächlich argumentiert. Ein bisschen befremdlich wirken die Schlussfolgerungen in Sachen Umweltethik.
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Zur momentanen Welle von Anti-Tierschutz Kommentaren

Offenbar ausgelöst durch ein Buch, das ich selbst noch nicht kenne, nämlich „Artgerecht ist nur die Freiheit“ von Hilal Sezgin, fühlen sich einige KommentatorInnen bemüßigt, diesem Tierschutzgedanken einmal endlich entgegen zu halten, wie dekadent er ist. Wir hätten offenbar keine anderen Probleme, wenn wir über etwas so „Lächerliches“ wie milliardenfaches Tierleid diskutieren. Tiere seien wie Erdöl und Wälder, nur eine Ressource für den Menschen und Punkt. Die einzig wichtige Frage wäre dann also, wie man sie so nachhaltig nutzen kann, dass sie den nachkommenden Generationen erhalten bleiben. Und selbst was Tierleid betrifft rechnet man uns VegetarierInnen und VeganerInnen vor, dass für den Anbau von Weizen in Monokulturen mehr Mäuse sterben, als „die paar Rinder“ in der extensiven Fleischproduktion. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr die Sozialisation in einer Gesellschaft mit gewissen Werten diese so indoktrinieren kann, dass jedes rationale Denken aussetzt.
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Die Human-Animal-Studies Konferenz in Innsbruck

Was sind Critical-Animal-Studies (CAS) und was Human-Animal-Studies (HAS)? Ich habe jetzt jeweils Konferenzen unter diesen Rubriken besucht, siehe http://www.martinballuch.com/critical-animal-studies-konferenz-in-karlsruhe/ in Karlsruhe und zuletzt von 6.-8. Februar 2014 in Innsbruck, und meinem persönlichen Eindruck nach setzt CAS für seine mehrheitlich sozialwissenschaftliche Arbeit den Anti-Speziesismus voraus, während HAS eher das Mensch-Tier Verhältnis in seinem Ist-Zustand in der Gesellschaft objektiv beschreibt, und zwar historisch, philosophisch, auch sozialwissenschaftlich, sprachwissenschaftlich, theologisch, rechtswissenschaftlich und sogar naturwissenschaftlich. Bei der Konferenz in Karlsruhe gab es eine gefühlte ideologische Vorgabe, wie sie auch in den Einleitungsvorträgen formuliert wurde. Bei der Konferenz in Innsbruck definitiv nicht, wenn dort auch das gesamte Buffet rein vegan war. Mir ist ein HAS-Zugang irgendwie sympathischer, zumal er die Naturwissenschaft einschließt, die für mich sowieso die relevanteste Quelle für Wissen darstellt. Und Naturwissenschaft funktioniert definitiv nur ohne ideologische Vorgaben.
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Kants a priori, Anthropozentrismus und Tierschutz

Malerei von Hartmut Kiewert, auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe ausgestellt

Malerei von Hartmut Kiewert, auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe ausgestellt

Gerade noch scheinbar rein akademisch über Kant und sein a priori philosophiert, siehe http://www.martinballuch.com/?p=3499, holt mich schon die Realität ein. Auf der sozialwissenschaftlichen Konferenz in Karlsruhe trägt eine Universitätsprofessorin aus Finnland vor. Ihre These: dass wir die Leidensfähigkeit für so einen wichtigen ethischen Wert halten, sei nur menschliche Intuition, nicht mehr. Ja, „all thinking, all knowledge is human intuition, there can be no understanding of an objective reality“. Und diese Ansicht würden heute immer mehr AkademikerInnen teilen. Ihre Schlussfolgerung in Sachen Tierschutz: alle unsere Werte seien anthropozentrisch und dürften daher nicht auf nichtmenschliche Tiere angewandt werden. Es sei also nur anthropozentrisch zu sagen, ich möchte all jenen, die Leiden empfinden können, kein Leid zufügen.
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Buchbesprechung: Animal Law – Tier und Recht

BuchCoverTierRechtEntwicklungen und Perspektiven im 21. Jahrhundert, herausgegeben von Margot Michel, Daniela Kühne und Julia Hänni, Dike Berliner Wissenschaftsverlag 2012

Ein 630 Seiten starkes Buch über Tierschutzrecht! Erfreulich, dass sich jetzt auch im Bereich der juristischen Literatur so viel zu Tierschutz tut, obwohl dieses Buch die Rechtslage in Österreich eher stiefmütterlich behandelt, auch was die Auswahl der AutorInnen betrifft, von denen nur zwei in Österreich forschen, und einer in seinem Beitrag erst wieder die Schweiz behandelt. Die andere, Univ.-Prof. Eva-Maria Maier, sieht einen Paradigmenwechsel im Tierschutz sich anbahnen. Und diese Einsicht teilt sie mit den meisten AutorInnen des Buches: gefordert wird der Schritt von Tierschutz zu Tierrechten, ein Personenstatus von nichtmenschlichen Tieren, der ihnen subjektive Rechte verleiht.

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