Tierethik

„Warum Kühe lachen und Hühner nicht weinen“ von der Wiener Journalistin Elisabeth Zacharia über die dunkle Seite des Konsums, im Goldegg Verlag 2013 erschienen

„Niemand mag Menschen, die einem das Essen vermiesen“ schreibt die Autorin und geht dann daran, genau das auf 350 Seiten gründlich zu tun. Da geht es um menschliche Darmbakterien in Kuhjoghurt, um Sklavenarbeit für spanische Erdbeeren, um Fertigbrotgemisch mit Backduftspray in Bäckereien und um Kinderarbeit für Schokolade. Aber 6 der 11 Kapitel handeln vom Leid der sogenannten Nutztiere in der Massentierhaltung, wobei die Autorin nicht davor zurückschreckt, auch die Biogroßbetriebe als solche zu bezeichnen. Das Buch ist dabei eine Tour de Force durch die Abgründe der Tierausbeutung mit allen Schikanen. Für die positive Alternative bleiben lediglich ein paar Seiten des Epilogs. Doch dieser ist kein Plädoyer für Vegetarismus und das Wort Veganismus kommt gar nicht vor. Zacharia will die Menschen nicht überfordern, indem sie ihnen Vorschriften macht oder auch nur vorschlägt, aber gleichzeitig lässt sie an praktisch keinem Produkt – zumindest aus dem Supermarkt – ein gutes Haar.
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Medizinische Versuche an Menschen: Resultate werden genutzt!

Die USA schon wieder. Zwischen 1920 und 1975 wurden mehrere 10.000 Soldaten der US-Armee für Versuche benutzt, bei denen es um Chemiewaffen und mögliche Schutzmaßnahmen bzw. Heilung von dadurch entstandenen Schäden ging. Die Soldaten hatten – aus Patriotismus, insbesondere in der nach 1945 aufgeheizten Stimmung des kalten Krieges und der gefühlten Bedrohung durch Kommunismus und Sowjetunion, die angeblich Chemiewaffen entwickelt hatte – freiwillig zugestimmt, sich als Versuchsobjekte benutzen zu lassen, allerdings ohne zu wissen, genau wofür. Das war nämlich ein Militärgeheimnis. Im Edgewood Arsenal Programm wurden zwischen 1958-1975 insgesamt 7800 Soldaten Kampfgasen wie VX (740 Testobjekte), Sarin (246 Testobjekte) und hunderten anderen Wirkstoffen ausgesetzt. Selbst die CIA durfte dort Drogen an Soldaten erproben, z.B. BZ und LSD.

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Wenn ein begeisterter Jäger Vegetarier wird!

TT 404kleinRudolf Winkelmayer ist praktizierender Tierarzt in Bruck an der Leitha, NÖ. Er ist auch Amtszierarzt, dabei trägt er den Titel „wirklicher Hofrat“, und Professor, wenngleich nicht an der Universität, vielmehr hat ihm der derzeitige Bundespräsident Heinz Fischer diesen Titel laut Wikipedia im Jahr 2006 für „besondere kulturelle Leistungen“ verliehen. Aber Winkelmayer ist für seine jagdliche Tätigkeit bekannt, als deren Vertreter ich auch mit ihm in argumentative Konflikte geriet. Er stammt aus einer Jägerfamilie, wie er selbst sagt, hat die Jagd selbst sehr lange praktiziert und viel darüber geschrieben. Zu den Publikationen in diesem Bereich, siehe http://www.winkelmayer.at/pub.htm, gehören Bücher über Jagdsafaris und die Jagd auf Büffel in Afrika genauso, wie viele Artikel in den einschlägigen Jagdzeitschriften. Man kann Winkelmayer sicher als einen Sprecher der Jägerschaft bezeichnen. (mehr …)

The Vegetarian Myth und die „wise use“ Initiative gegen Tierschutz

100_0191kleinJetzt wird das Buch „The Vegetarian Myth“ von Lierre Keith tatsächlich auch auf Deutsch unter dem Titel „Ethisch Essen mit Fleisch“ erscheinen. Darin beschreibt eine Frau, die sich als radikale Feministin bezeichnet und behauptet, 20 Jahre vegan gelebt zu haben, warum zwar die Agrarindustrie und die Massentierhaltung unethisch sind, aber nicht das Töten und Nutzen von Tieren an sich für die eigene Ernährung. An diesem Buch erkennt man rasch, was das Problem ist, wenn Ethik nicht rational diskutiert wird. Es gibt keinen erkennbaren Beginn und kein erkennbares Ende eines Arguments, es wird sozusagen vor sich hin geredet, in der Hoffnung, dass manches davon sinnvoll klingt und an Assoziationen oder Symboliken andockt, die etwas auszusagen scheinen.

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Tierarten gibt es nicht – die genetische Trias Gene, Epigenetik und Mikroben

Selbst Nobelpreisträger Konrad Lorenz ging noch von einem Arterhaltungstrieb in allen Tieren aus, die z.T. durch das Opfern ihres Lebens ihre Tierart erhalten würden. Das Individuum sei nichts, seine Art alles. Der Nationalsozialismus spitzte diese Annahme darauf zu, dass das Individuum in aller erster Linie seinem Volk zu dienen habe. Heute hören wir diese Idee häufig als Argument gegen Tierrechte: es sei dem Menschen angeboren, seine eigene Art anderen Tierarten vorzuziehen, und daher wäre der Speziesismus natürlich und ethisch richtig.

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Das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte: kategorische Werte

Zunächst begehen wir den Weg der rationalen Ethik und legen damit fest, was zulässige und unzulässige Argumente sind, http://www.martinballuch.com/?p=2211. Dann streifen wir die anthropozentrischen Aspekte der wichtigen Begriffe Bewusstsein, Autonomie und Werte ab, http://www.martinballuch.com/?p=2220, und konzentrieren uns auf deren wesentlichen Gehalt. Damit, und mit der Erkenntnis, dass Bewusstsein ein physikalisches Phänomen ist und keiner spirituell-meditativen Erleuchtung bedarf, wird klar, dass keine objektiven Werte existieren können, sondern nur subjektive. Jedes autonomiefähige Wesen hat sein eigenes Wertesystem, das grundsätzlich allen anderen gegenüber gleichberechtigt ist. So stoßen wir auf den Urimperativ einer rational-naturwissenschaftlichen Ethik: Handle immer so, dass du die Autonomie autonomiefähiger Wesen respektierst, http://www.martinballuch.com/?p=2150.

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Bewusstsein, Autonomie und Werte von Anthropozentrismus bereinigt

 

Herwig Grimm vom Wiener Messerli Institut drückt sich bei seinen Vorträgen über Tierethik jedes Mal um die Frage, ob es denn, rational gesehen, noch ethisch vertretbar sein könne, Fleisch zu essen. Der axiologische Anthropozentrismus, also jene Weltanschauung, nach der alles nur in Bezug auf Menschen einen Wert haben könne, sei zwar überwindbar, so Grimm, nicht aber der epistemische. Alles, was der Mensch in diesem Kosmos zu erfassen versuche, könne er nur auf Basis seines Anthropozentrismus. Und deshalb sei es offenbar vertretbar, die Präferenzen der eigenen Art zu verabsolutieren und andere Tiere für sich zu nutzen. Einen epistemischen Anthropozentrismus kann man aber nur vertreten, wenn man sich nie mit Mathematik und Naturwissenschaft ernsthaft auseinandergesetzt hat. Dort wird nämlich genau dieser Schritt von der menschlichen Begrifflichkeit weg vollzogen. Wie könnten sonst Elementarteilchen in unendlich dimensionalen Räumen existieren, grundsätzlich komplexwertig sein (i=Wurzel-1) und eine Eigendrehung (Spin) besitzen, die genau der kleinsten irreduziblen Darstellung der 3-dimensionalen Drehgruppe entspricht. Keine dieser Eigenschaften entspricht einer menschlichen Begrifflichkeit auch nur im weitesten Sinne sondern ist nur rein mathematisch begreifbar!

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Was ist eine rationale Ethik?

 

Mit meinem Studium an der Uni Wien habe ich auch mit der Organisation von Veranstaltungen und Seminaren zu Ethik und Politik, mit besonderem Bezug zur Tierethik, die damals ökologische Ethik hieß, begonnen. Ich erinnere mich noch gut an unsere erste Diskussion. Ein Kommilitone von mir verkündete dort voller Überzeugung, dass er jede rationale Ethik ablehne. Gut könne nur eine religiöse Ethik sein, die echte Werte liefere, während eine rationale Ethik immer nur den Egoismus fördere.

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Tierethik im Christentum?!

Im katholischen Katechismus von 1997 Absatz 2415 steht wörtlich: „Tiere […] sind von Natur aus zum gemeinsamen Wohl der Menschheit von gestern, heute und morgen bestimmt.“ Und weiter in 2418: „Auch ist es unwürdig, für [Tiere] Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.“ Nachzulesen unter http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P8H.HTM

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