Tierrechte

Ein kritischer Blick auf den Ökofeminismus

Viele philosophische Traditionen und sozialen Bewegungen haben einen eigenen Zugang zu Tierschutz, Tierrechten und Tierbefreiung entwickelt, und das ist gut so. Müsste man erst einer gewissen Tradition oder Bewegung angehören, bevor man sich für Tiere engagieren kann, wäre das eine völlig unnötige Einschränkung. Und so hat auch der Feminismus eine eigene Version von Tierethik entwickelt, den Ökofeminismus, wie er z.B. von Carol Adams, Josephine Donovan und Barbara Noske propagiert wird.
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Ein Hund, ein Fuchs, ein Pavian und Immanuel Kant

Kuksi und ich liegen im Sommer auf einer Bergwiese mit geschlossenen Augen nebeneinander. Die Sonne ist hinter den Wolken versteckt und es ist angenehm kühl. Doch langsam geben die Wolken die Sonne frei und es wird heiß. Ich richte mich auf, blinzle in das strahlende Licht. Kuksi neben mir macht zur gleichen Zeit dasselbe. Auch ihm wird heiß. Ich schau mich um. Dahinten ist ein großer Fels mit kühlem Schatten. Gleichzeitig stehen wir auf, gehen hinüber und legen uns im Schatten wieder nieder. Wir hatten dieselbe Idee. Kuksi ist mein Hundefreund.
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Die Human-Animal-Studies Konferenz in Innsbruck

Was sind Critical-Animal-Studies (CAS) und was Human-Animal-Studies (HAS)? Ich habe jetzt jeweils Konferenzen unter diesen Rubriken besucht, siehe http://www.martinballuch.com/critical-animal-studies-konferenz-in-karlsruhe/ in Karlsruhe und zuletzt von 6.-8. Februar 2014 in Innsbruck, und meinem persönlichen Eindruck nach setzt CAS für seine mehrheitlich sozialwissenschaftliche Arbeit den Anti-Speziesismus voraus, während HAS eher das Mensch-Tier Verhältnis in seinem Ist-Zustand in der Gesellschaft objektiv beschreibt, und zwar historisch, philosophisch, auch sozialwissenschaftlich, sprachwissenschaftlich, theologisch, rechtswissenschaftlich und sogar naturwissenschaftlich. Bei der Konferenz in Karlsruhe gab es eine gefühlte ideologische Vorgabe, wie sie auch in den Einleitungsvorträgen formuliert wurde. Bei der Konferenz in Innsbruck definitiv nicht, wenn dort auch das gesamte Buffet rein vegan war. Mir ist ein HAS-Zugang irgendwie sympathischer, zumal er die Naturwissenschaft einschließt, die für mich sowieso die relevanteste Quelle für Wissen darstellt. Und Naturwissenschaft funktioniert definitiv nur ohne ideologische Vorgaben.
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Critical Animal Studies Konferenz in Karlsruhe

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Ein Bild von Hartmut Kiewert, das auf der CAS Konferenz präsentiert wurde

Critical Animal Studies (CAS) nennt sich eine Strömung der Sozialwissenschaften, die in diesen werte-anthropozentrischen Bereich eine kritische, antispeziesistische Sicht einbringen will. Im deutschsprachigen Raum gibt es da z.B. den Chimaira – Arbeitskreis für Human-Animal-Studies, der im Transcript-Verlag einen Sammelband herausgegeben hat. Die 3. Europäische Konferenz zu Critical Animal Studies wurde Ende November 2013 in Karlsruhe abgehalten.
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Homo Floresiensis und die Montessori-Pädagogik

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Dieses Wesen hat vor 18.000 Jahren auf der Insel Flores in Südostasien gelebt. Mensch oder Tier?

Was unterscheidet den Menschen (d.h. die Tierart Homo Sapiens) von anderen Tieren? Diese Frage wird seltsamerweise im vorrangig an technischen Entwicklungen interessierten Fachmagazin New Scientist mantrahaft wiederholt und anthropozentrisch überhöht beantwortet. Die Abgrenzung scheint für das Weltbild der Leserschaft offenbar zentral. Auch im aufgeklärten Humanismus bemüht man sich fanatisch, alle Schlacken des Tierseins abzuschütteln. Und jetzt dieselbe Erfahrung in der Montessori-Pädagogik: Tiere seien rein instinktgesteuerte Triebwesen, Menschen dagegen hätten überhaupt keine Instinkte, sie wären völlig frei. Auf die Frage an die Ausbildnerin, wie sie das mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaft in Einklang bringen könnte, siehe z.B. http://derstandard.at/1369362949209/Hat-der-Glaube-an-die-menschliche-Ueberlegenheit-ausgedient, kommt eine dogmatische Antwort: so sei eben die Montessori-Lehre und wem das nicht passe, der bzw. die könne ja eine andere Pädagogik studieren.

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Medizinische Versuche an Menschen – können wir daraus lernen?

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Die Krankenbaracken RI und RII des KZ Sachsenhausen, in denen medizinische Experimente an Menschen durchgeführt wurden

Momentan in Berlin auf dem Globale Filmfestival, nutze ich die Zeit zwischen interessanten Filmen mit dem Besuch der wirklich exzellent aufgearbeiteten Museen und Gedenkstätten hier. So war ich auch im ehemaligen KZ Sachsenhausen, das dermaßen viele Ausstellungen umfasst, sodass man gut und gern zwei ganze Tage dort verbringen könnte. Besonders erschüttert hat mich dabei eine Sonderausstellung über medizinische Experimente an Menschen, die in den beiden original erhalten gebliebenen Krankenrevierblöcken RI und RII durchgeführt worden waren. Eines der dort dargestellten historischen Beispiele umfasst einen Versuch vom Sommer 1943, in dessen Verlauf 11 kleine gesunde Buben mit Hepatitis-Viren infiziert wurden und letztlich daran starben. Auch die Gefängniszelle dieser Kinder ist völlig erhalten und führt einem diese erschreckenden Ereignisse vor Augen.

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Bewusstsein ist ein physikalisches Phänomen, Autonomie die notwendige Folge

Als wissenschaftlich denkender Mensch, aber auch als jemand, der die Gesellschaft verändern und mitgestalten will, ist es mir ein Anliegen, ethische Fragen möglichst rational und allgemeingültig zu diskutieren. Wird die Ethik nur eine Frage persönlicher Vorlieben oder religiöser Dogmen, dann lässt sie sich nicht für alle fordern. Wenn jemand z.B. durch ein Tierschutzgesetz an einem gewissen Umgang mit Tieren gehindert werden soll, dann muss man dafür auch rational-objektive Gründe vorbringen, und kann nicht einfach mit kulturellem Interesse der Menschen an Tierschutz oder mit tradierten Moralvorstellungen argumentieren.

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Zwangsarbeitslager statt Tier-KZ?

Der Vergleich von Tierfabriken mit Konzentrationslagern des Dritten Reichs, bzw. allgemeiner, der Vergleich der Nutztierhaltung mit dem Holokaust ist in vieler Hinsicht problematisch. Der wesentlichste Punkt dabei ist sicherlich die absolut unfassbare Dimension, die der Umgang mit Menschenleben in Nazideutschland erreicht hat. Die dokumentierten Aussagen in der Wannseekonferenz z.B., wo über das Leben von 70.000 sogenannter „Halbjuden“ entschieden wurde, als diskutiere man die größte Nebensächlichkeit der Welt, erschüttert abgrundtief. Es ist für mich rein emotional völlig nachvollziehbar, diese Dimension des Grauens nicht mit anderen Gräueltaten vergleichen zu wollen, egal welcher Form.

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Lichtblicke aus Lech

Bisher habe ich mich ja ziemlich kritisch über das Philosophicum in Lech geäußert, auch wenn ich offen aussprach, dass ich die Veranstaltung an sich sehr begrüßte. Nun las ich aber eine Kritik am Philosophicum in Lech sozusagen von der anderen Seite, vom stellvertretenden Chefredakteur der katholischen Wochenzeitschrift „Die Furche“, Rudolf Mitlöhner. Herr Mitlöhner findet in seinem Artikel nicht nur, dass das Thema „Tiere“ eigentlich völlig uninteressant ist, und wundert sich deshalb, warum es ein Philosophicum wert war. Er kritisiert auch scharf den Grundkonsens der Veranstaltung und sah sich offenbar im Auditorium geradezu in einer radikal fundamentalistischen Tierschutzgesellschaft. Insbesondere Kirchenkritiker Drewermann war Mitlöhner ein großer Dorn im Auge (dessen standing ovations schockierten ihn sehr), aber alle Vortragenden, die die Ähnlichkeit von Menschen und anderen Tieren unterstrichen, werden von ihm mit völligem Unverständnis bedacht. Nur Reinhardt Brandt, der den Tieren das Denken absprach, war so ganz nach seinem Geschmack. Er zitiert ihn daher ausführlich, unter anderem mit dem reichlich kindischen Satz „[es] ist nicht nachgewiesen worden, dass Erdbeeren und Hunde über uns nachdenken und dass sie das Wahlrecht für Menschen wirklich beschlossen haben“, nur um dann bedauernd hinzuzufügen: „Brandt war freilich so etwas wie ein Exot auf diesem Symposium.“ (Seite 21 der Furche vom 4. Oktober 2012)

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Von Tieren, die nicht denken, und dass Vegetarismus fundamentalistisch ist

Momentan bin ich täglich von früh bis spät für Tierschutz und insbesondere die Reform des Tierversuchsgesetzes unterwegs, und hatte bereits seit 2 vollen Wochen keinen freien Tag mehr. So konnte ich bisher auch nicht weiter die Vorträge am Philosophicum in Lech kommentieren, was ich jetzt aber nachholen will.

Beim Spektrum der eingeladenen Vortragenden scheint mir ein Grundkonsens formulierbar zu sein: (nichtmenschliche) Tiere können bewusst fühlen und subjektiv leiden, und der Umgang mit insbesondere den sogenannten Nutztieren in unserer Gesellschaft ist kritikwürdig. Interessanterweise erstreckte sich dieser Konsens dann aber nicht auf die daraus abzuleitenden Folgen für das persönliche Verhalten: man aß praktisch ausnahmslos in den Pausen sowie morgens, mittags und abends unverhohlen Massentierhaltungsfleisch ohne jedes Zögern. Ursula Jauch, die – leider, muss ich sagen – für Jean-Claude Wolf eingesprungen war, der offenbar nicht kommen konnte, sprach über Julien Offray de La Mettrie und dessen Kritik an Rene Descartes‘ mechanistischem Bild von Tieren. La Mettrie musste nach Jauchs Darstellung vor Zensur und Verfolgung letztlich nach Sanssouci fliehen und sei dort vergiftet worden. Jauch enthielt sich dabei nicht leidenschaftlicher Appelle für mehr Respekt vor Tieren und Tierschutz. Nach ihrem Vortrag wurde sie (nicht von mir) angesprochen und im persönlichen Gespräch gefragt, ob sie vegetarisch lebe. „Sicher nicht“, antwortete sie wie aus der Pistole geschossen und geradezu beleidigt, „ich bin doch nicht fundamentalistisch!“.

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