Tierversuche

Klagsbeantwortung: Michael Hess, Josef Mengele und Tierversuche an Puten

Ich habe nun die Klage von Michael Hess gegen mich, siehe http://www.martinballuch.com/unfassbar-tierexperimentator-michael-hess-von-der-vet-uni-wien-klagt-schon-wieder/, beantwortet:

Der Kläger behauptet, der Beklagte habe festgestellt, dass die vom Kläger durchgeführten Tierversuche mit Menschenversuchen in Konzentrationslagern im Dritten Reich völlig parallel seien. Das ist nicht richtig. Im genannten Zitat wurde vielmehr ganz klar eine Parallele zwischen der Rechtfertigung der Menschenversuche im Dritten Reich von den Tätern und Täterinnen auf der Anklagebank im Nürnberger Prozess, mit der Rechtfertigung der Tierversuche in Österreich vom Beklagten gezogen. Beide, so das Zitat, würden sich darauf berufen, nur Gutes für Artgenossen und Artgenossinnen ihrer Opfer zu wollen, und bei beiden, so das Zitat, sei diese Behauptung gleichermaßen zynisch und unglaubwürdig. Es handelt sich also überhaupt nicht um einen Vergleich zwischen den Versuchen selbst, oder den historischen Situationen, sondern zwischen den jeweiligen Rechtfertigungen für die Versuche durch die Täter und Täterinnen. Und diese sind in der Tat parallel.

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Tierexperimentator Hess gewinnt Einstweilige Verfügung: ich darf seine Tierversuche vorerst nicht mehr kritisieren!

Das ist genau der Grund für die sogenannten SLAPPs: irgendwann irgendwo findet man eine Richterin oder einen Richter, die einem Recht geben, auch wenn man überhaupt nicht Recht hat. Das Risiko für die AktivistInnen aus der Zivilgesellschaft ist ungleich höher, steht hinter ihnen eben keine große Institution oder gar Universität, die lächelnd für alle Unkosten aufkommt. Im vorliegenden Fall habe ich lediglich aus einer Beschreibung des Tierversuchs, die von Hess selbst stammt, zitiert. Die Richterin war nun der Ansicht, ich müsse auch die andere Begründung für die Tierversuche, die Hess nennt, erwähnen, nämlich dass er quasi aus Tierliebe handelt. Alles andere werde mir unter Strafe gerichtlich untersagt. Schon ein ziemlich starkes Stück.

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Tierversuchspetition: Schreiben an den Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf die Pro-Tierversuchspetition auf Ihrer Webseite.

Sie rechtfertigen dort Tierversuche in der biomedizinischen Forschung, weil dadurch bessere Heilungschancen für menschliche Krankheiten bestehen würden. Aber die Petition, soweit ich das sehe, verteidigt grundsätzlich alle Tierversuche in allen Themenbereichen. Deshalb meine Frage: Verteidigen Sie auch Tierversuche in der Veterinärmedizin? Und in der Verhaltensforschung? Und in der Nutztierindustrie? Zu letzterer Thematik, also zur Effizienzsteigerung von der Nutzung von Tieren  zur Herstellung von Tierprodukten, gab es im Jahr 2014 insgesamt 36 Tierversuche. Mich würde interessieren, ob Sie auch diese Tierversuche verteidigen, und wenn ja, mit welchem Argument. Eine Verbesserung der Heilungschancen für menschliche Krankheiten kann dabei ja wohl keine Rolle spielen, sogar im Gegenteil, die Effiziensteigerung in der Tierindustrie wird zu mehr menschlichen Krankheiten führen.

Wieso machen Sie also keine Petition nur für Tierversuche in der biomedizinischen Forschung? Oder unterstützen Sie tatsächlich Tierversuche in anderen Sparten auch? Und wenn ja, warum führen Sie dann keine Argumente, die auch eine Rechtfertigung dieser Tierversuchszwecke umfassen, an? Als WissenschaftlerInnen sind wir einer Ethik der argumentativen Redlichkeit verpflichtet. Und diese zwingt uns, nicht Scheinargumnte vorzubringen, also z.B. so zu tun, als wären alle Tierversuche der Heilung menschlicher Krankheiten gewidmet. Die Redlichkeit verpflichtet, Argumente für alle Tierversuche, die wir vertretbar finden, anzuführen, und nicht ganze Sparten zu verheimlichen und mit der auf diese Weise erschlichenen Unterschrift für eine Petition mit zu unterstützen.

Es würde mich sehr interessieren, wie Sie dazu stehen. Wenn Sie Tierversuche z.B. für die Nutztierindustrie oder in der Verhaltensforschung oder der Veterinärmedizin aus ethischen Gründen ablehnen, warum sagen Sie das dann nicht öffentlich?

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Balluch

Tierversuche 2014 in Österreich: eine Übersicht

Als ich an der Uni Tübingen mit einigen TierexperimentatorInnen bei einer Podiumsdiskussion zu Tierversuchen saß, meldete sich ein honoriger Professor zu Wort, fragte die Zuhörerschaft, ob sie oder ihre Verwandten diese oder jene Krankheit hätten und erklärte dann, dass ohne Tierversuche keine Aussicht auf Heilung bestünde. Der Eindruck wurde bewusst erweckt, dass es bei allen Tierversuchen nur um die menschliche Gesundheit ginge. Wie bei der Jagd wird in den Raum gestellt, dass man entweder für alle Tierversuche oder gegen alle sein müsse, pragmatische Reformen, das Infragestellen von gewissen Tierversuchszwecken, ist offenbar absurd.
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Tierversuche: die Crux mit der Grundlagenforschung

Naturwissenschaft ist eigentlich Philosophie, wenn sie sich der Frage widmet, was ist und wie es ist, welche Naturgesetze es gibt und wie sich die Realität dadurch gestaltet. Das war auch für mich immer die Faszination an der Naturwissenschaft, mit den Mitteln des kritischen Rationalismus die Welt um mich verstehen zu lernen. Naturwissenschaft mit einem konkreten Anwendungsziel ist Technik, und das empfinde ich als Vergewaltigung der hehren Wissenschaften. Ich bin also prädestiniert dafür, den Antrieb zur Grundlagenforschung nachvollziehen zu können. In meinen 12 Jahren als Forschungsassistent an verschiedenen Unis habe ich nichts anderes gemacht.
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Tierversuche müssen nun „veröffentlicht“ werden – ein erstes Resümee

Mit dem neuen Tierversuchsgesetz, das 2013 in Kraft getreten ist, wurde eine EU-Richtlinie von 2010 umgesetzt, die eine „Harmonisierung“ der Tierversuchsindustrie in der EU zum Ziel hatte. Es gibt vieles an dieser Richtlinie zu bemängeln, vor allem, dass sie keinem Land mehr erlaubt, strengere Tierschutzmaßstäbe anzulegen, als die Richtlinie vorsieht. Aber sie hat auch zumindest für Österreich einige Vorteile gebracht. So wurde die Definition von Tierversuchen sinnvoll erweitert – die erste Statistik auf dieser Basis wird vermutlich im Juni 2014 veröffentlicht –, die Experimente werden in Schweregrade des Leids der betroffenen Tiere eingeteilt und es gibt eine Veröffentlichungspflicht sogenannter „nichttechnischer Projektzusammenfassungen“. Letztere sind jetzt vollständig auf der Webseite des (ehemaligen) Wissenschaftsministeriums öffentlich einzusehen.
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Besuch bei den SchimpansInnen in ihrem Refugium Aiderbichl in Gänserndorf

P1000208kleinMit diesen Tieren verbindet mich eine lange Geschichte, mit den SchimpansInnen aus dem Tierversuchslabor in Orth an der Donau, damals Immuno, heute Baxter, die nun endlich in Gänserndorf ein Freigehege und ein halbwegs autonomes Leben geboten bekommen. Wir haben vor dem Labor demonstriert, wir haben mit Immuno gestritten, wir haben letztlich die Rehab zum Safaripark Gänserndorf begleitet, der 2004 in einem Bankrott endete, und wir haben für die seitdem gestrandeten SchimpansInnen neue GeldgeberInnen gesucht, weil wir uns als VGT beim besten Willen die Übernahme nicht leisten konnten. Endlich war ab 2010 Aiderbichl finanzstark genug, die SchimpansInnen zu übernehmen, 2011 wurden die Freigehege gebaut. Die Eröffnung ging medial um die ganze Welt, http://www.youtube.com/watch?v=QG6k2FRrm_s, die erste Begegnung mit der Natur ist unheimlich berührend: http://www.youtube.com/watch?v=VG7e1PSYXTc.

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