Utilitarismus

Warum Altruismus kein Egoismus ist: hedonistisches und eudämonistisches Glück

Die UtilitaristInnen sind ja ExpertInnen bei Glücksgefühlen. Sie können sie addieren, und zwar sogar jene von verschiedenen Wesen, und dann subtrahieren sie Leid und dann maximieren sie das Ganze und dann wissen sie, wie ethisch richtig zu handeln ist. In diesem Bild ist das Leid eineR RassistIn (z.B. wenn jemand leidet, weil subjektiv „zu viele“ Menschen mit anderer Hautfarbe in seiner/ihrer Umgebung leben) und das Leid eines Opfers von Rassismus (z.B. durch Ausgrenzung und Abwertung) numerisch grundsätzlich gleich einzubeziehen. Und Ähnliches gilt für Glücksgefühle. Altruismus gäbe es gar nicht, alles sei letztendlich Egoismus. Auch AltruistInnen würden sich nur egoistisch selbst befriedigen, indem sie ihre Lust, anderen zu helfen, ausleben.

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Ein kritischer Blick auf Nick Cooneys Kampagnenkonzept

Nick Cooney ist in der Tierrechtsszene durch seine mittlerweile bereits drei Bücher bekannt geworden. Da ist einmal „Change of Heart“, dann „Veganomics“ und nun „How to be great at doing good“. Sein erstes Buch habe ich rezensiert: http://www.martinballuch.com/change-of-heart-von-nick-cooney-im-lantern-verlag-new-york/. Und das mit einiger Begeisterung, insbesondere weil Cooney Fakten gegen rein ideologische Vorbehalte seitens Francione und anderer, sich selbst als „AbolitionistInnen“ bezeichnender Personen, stellt, siehe http://www.martinballuch.com/nick-cooneys-fakten-gegen-den-mad-abolitionism/. Und das begrüße ich, weil ich überzeugt bin, dass wir für die politische Arbeit viel mehr Pragmatismus als Ideologie brauchen.
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Bemerkungen zum Utilitarismus: Leid ist nicht Leid

Wollen wir keine willkürlichen Werte definieren, und keine willkürlichen metaphysischen Annahmen voraussetzen, dann ist der unmittelbarste Zugang zu ethisch gut oder schlecht die Bewertung der Gefühle von Leiden und Glück. Leid fühlt sich definitionsgemäß schlecht an, Glück gut, also ist Leid universal schlecht und Leidvermeidung gut, ebenso wie umgekehrt die Behinderung von Glücksgefühlen schlecht und ihre Vermehrung gut ist. Das beschreibt, in aller Kürze, die scheinbar eingängliche Begründung des Utilitarismus.
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Beim Utilitarismus bleiben viele Fragen offen

Nick Cooney hat nun sein drittes Buch geschrieben. Ich finde den Zugang, statt politische Taktikunterschiede zu ideologisieren, sie wissenschaftlich zu untersuchen und zu vergleichen, sehr spannend. Aus Cooneys Büchern kann man diesbezüglich sicher einiges lernen. Doch andererseits strotzen seine Schriften von plattem Utilitarismus. Als er in Wien einen Vortrag über sein Buch „Change of Heart“ hielt, meinte er auf meine Frage ganz verwundert, dass es wohl allen AktivistInnen darum gehen müsse, möglichst viel Leid zu vermeiden. Das schien ihm völlig selbstverständlich und keiner weiteren Überlegung wert. So kommt er auf Forderungen, wie, man solle die Menschen dazu bringen, statt Hühnern Rinder zu essen, weil für dieselbe Menge Hühnerfleisch müssen viel mehr Tiere leiden als bei Rindfleisch, einfach weil Rinder größer sind. Also so etwas Seltsames als Kampagnenziel zu formulieren fiele mir nicht im Traum ein. PETA brachte es einmal auf den Punkt mit einer, wie ich glaube, ironisch gemeinten Forderung, nämlich Wal- statt Hühnerfleisch zu konsumieren, aus demselben Grund. Zu meinem Erstaunen traf ich in Cooneys Kielwasser kürzlich einige utilitaristisch denkende AktivistInnen in Wien. Das motiviert mich nun, darüber ein paar Worte zu verlieren.
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