Wie die Schweineindustrie den Tierschutz sieht

Seit geraumer Zeit wird ja momentan von Tierschutzorganisationen versucht, ein Kastenstandverbot zu erreichen. Jetzt ging ein Schreiben der Schweineindustrielobby an die Schweinefabriken hinaus, in dem berichtet wird, wie gut für ihre Sache der Profitmaximierung, also gegen ein Kastenstandverbot, gekämpft wurde. Dabei, so steht dort ganz deutlich, habe sich die Schweineindustrie immer unmittelbar mit Landwirtschaftskammer und Landwirtschaftsministerium in allen Schritten abgesprochen. Dann werden die GegnerInnen analysiert:

Zu Tierschutzorganisationen:

„Für die handelnden Personen der Tierschutzorganisationen ist bis zu einem gewissen Grad sogar Verständnis aufzubringen, dass sie Sachverhalte in der Tierhaltung und der Landwirtschaft völlig verdrehen, eine Vermenschlichung der Begriffe in der Tierhaltung verwenden und die Halbwahrheit zur Methode erhoben haben. Manche stellen sogar den Kampf gegen das Fleisch als Nahrungsmittel in den Vordergrund. Letztendlich geht es für die Tierschutzorganisationen ein Millionengeschäft zu bedienen. Die Spendenfreudigkeit steigt proportional mit der Steigerung der Grauslichkeiten. Würden sie das nicht tun, würden sie vielleicht sogar ihre Daseins-Berechtigung verlieren.“

Ich finde es immer wieder überraschend, dass die Tierindustrie keinem Menschen in Sachen Tierschutz einen ehrlichen Idealismus zutraut. Wenn wir uns für Schweine einsetzen, dann kann das nur sein, um Spendenmillionen zu lukrieren. Offensichtlich übersteigt es die Vorstellungskraft der Tierindustriellen, dass man mit den von ihnen misshandelten Tieren ernsthaft Mitleid haben kann. Natürlich ist es schwer, bei diesen Leuten unter diesen Bedingungen für Tierschutz irgendein Verständnis zu wecken.

Aber die Schweineindustrie traut auch sonst niemandem in der Frage eines Kastenstandverbots Idealismus und ehrliches Mitgefühl zu. Die anderen GegnerInnen werden genauso verunglimpft:

Zu Volksanwalt Peter Kostelka:

„In dieser Sache ist ein Volksanwalt tätig, dem alle Mittel recht sind, seinen parteipolitisch motivierten Feldzug gegen die Landwirtschaft zu gewinnen. […] Darf ein Volksanwalt wie Kostelka wirklich alles tun? Darf er auch in seiner Funktion mit Hilfe des ORF bewusst Unwahrheiten verbreiten, um seine persönlichen Befindlichkeiten durchzusetzen? Wird hier bewusst versucht Einfluss auf die öffentliche Meinung oder sogar auf andere rechtsstaatliche Einrichtungen auszuüben?“

Zu den Parteien:

„Grüne, FPÖ und SPÖ machen sich für eine Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung stark und ihre Tierschutzsprecher fordern das im Parlament auch vehement. Einzig der Tierschutzsprecher der ÖVP und Landwirtschaftsminister Berlakovich verweisen auf den Parlamentsbeschluss 2004 und lehnen deshalb eine Änderung der 1. THVO in einem österreichischen Alleingang ab. So weit reicht also die Verantwortlichkeit von manchen im Parlament vertretenen Parteien für eine betroffene Berufsgruppe.“

Zu Minister Alois Stöger:

„Es ist geradezu provokant, wenn der zuständige Minister Stöger mit einem Verordnungsentwurf in eine bestehende, mit klarem politischem Willen beschlossene Rechtsmaterie eingreift und eine dort festgesetzte Übergangsfrist von 7 Jahren als völlig ausreichend bezeichnet. […] Völlig unverständlich sind für uns Äußerungen von Minister Stöger, die Landwirtschaft wäre nicht gesprächsbereit und würde keine Vorschläge einbringen.“

Zu Univ.-Prof. Josef Troxler:

„Das Vorgehen von bestimmten Politikern oder Tierschützern oder der Volksanwaltschaft ist vielleicht noch mit Profilierungssucht auf Kosten anderer erklärbar. Das Handeln der für Tierschutz zuständigen wissenschaftlichen Abteilung der Vet Med ist aber nicht nachvollziehbar. […Troxler] stellt immer wieder, wie zuletzt in den ORF Sendungen, fest, dass genug funktionierende freie Abferkelsysteme am Markt vorhanden sind. Seine Feststellungen, dass der Ferkelschutzkorb Qualen und Leid auslöst, werden von den Landwirtschaftsgegnern genüsslich gegen die Bauern verwendet. Das Leid der erdrückten Ferkel in freien Abferkelsystemen verschweigt er. Dieses Verhalten ist mit dafür verantwortlich, dass unsere heimischen Bäuerinnen und Bauern öffentlich Tierquäler geschimpft werden dürfen.“

Erstaunlich, die Schweineindustrie erkennt im Versuch, Mutterschweine aus körpergroßen Käfigen zu befreien, eine große böse Verschwörung. Sie hat nur ein Problem, nämlich das Motiv für diese Verschwörung zu identifizieren. Dabei ist es doch umgekehrt, die Schweineindustrie hat Profite zu verlieren und nutzt ihren undemokratischen Einfluss auf die ÖVP und das Landwirtschaftsministerium, um sich diese Profite durch Produktion am Profitmaximierungslevel auf Kosten der Schweine und gegen den deklarierten Mehrheitswillen der Menschen zu erhalten. Wenn man von Verschwörung und Propaganda spricht, dann wohl an dieser Stelle. Vielleicht ist sich die Schweineindustrie dieser Situation aber eh genau bewusst und betreibt hier nur ihre eigene Propaganda, um ihre Interessen durchzusetzen.

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