Wildtierschutz? – ÖVP-Landesrat will stattdessen sparen

Es gibt keine objektive Ethik heißt es, Ethik sei immer subjektiv. Naja, in meinem Buch „Kontinuität des Bewusstseins“ argumentiere ich für das Nächstbeste, kategorisch notwendige ethische Forderungen. Wie auch immer, im Folgenden fällt es mir sehr schwer, die jeweiligen Handlungen nicht objektiv-ethisch zu bewerten.

In meinen 8 Jahren in England arbeitete ich über Jahre hinweg an den Sonntagen für den Cambridge Rescue and Emergency Service (CARES), ein Wildtierspital. Dort wurden Tiere aufgenommen und behandelt, für die niemand bereit war, die Krankenhauskosten zu übernehmen. Ich half u.a. als Rettungsfahrer und es war beeindruckend, mit wieviel Herz und Selbstlosigkeit sich das Ehepaar, das das Spital führte, für seine PatientInnen engagierte. In England ist der Großteil des Landes noch im Besitz des Adels, dessen Lieblingsbeschäftigung – hoch zu Ross und mit Hundemeute – die Jagd auf Füchse ist. Ich war sehr intensiv in der Jagdsaboteursbewegung (HSA) genau gegen diese Jagden engagiert. Und deshalb spezialisierte ich mich in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Wildtierspital auf durch solche Jagden verletzte Füchse. Sehr häufig wurden wir diesbezüglich von der Bevölkerung zu Hilfe gerufen, viele EngländerInnen beobachten „ihre“ Füchse und füttern sie auch. Diese Menschen konnten uns regelmäßig Hinweise auf verletzte Füchse geben, die ich dann mit dem Netz einfing, und, falls es mir gelang, mit dem Rettungsauto ins Spital brachte. Ich baute ihnen sogar eine eigene Rehab-Station, bis sie soweit genesen waren, dass man sie wieder freilassen konnte. Gut 300 (!) Füchse pro Jahr wurden in diesem Spital aufgenommen.

Hier die Jägerschaft, die völlig willkürlich und aus purer Jagdlust die Füchse verletzt, da selbstlose Menschen, die sehr viel Zeit und Geld investieren, um den solcherart verletzten Füchsen zu helfen. Ein Video im Internet hat mich wieder an das Wildtierspital erinnert. Am 9. Jänner 2012 retteten einige Menschen einen angeschossenen Wolf in Italien, der in ihren Armen einen Herzstillstand erlitt. Die tapferen RetterInnen gaben dem Tier eine Herzmassage und beatmeten ihn, brachten ihn so zu den Lebenden zurück und operierten anschließend 35 Bleikugeln aus seinem Körper heraus. Hier das Video:  http://www.youtube.com/watch?v=oc_4NteT9rQ&feature=player_embedded#

Im Standard wird der für Tierschutz zuständige steirische ÖVP-Landesrat Johann Seitinger zitiert. Er sagt, dass im Rahmen des Sparpakets auch beim Tierschutz gespart werden müsse, das Land solle den Tierheimen, die obdachlosen Streunertieren helfen, nicht mehr so viel Geld geben, und überhaupt gäbe es einen Erklärungsbedarf gegenüber behinderten Menschen, wenn für verletzte Wildtiere Geld ausgegeben wird. Er als Jäger weiß offensichtlich, wie man mit Wildtieren umgeht: einfach zusammenschießen und Schluss. Das gesamte Interview: http://derstandard.at/1328507766406/Sparpaket-Auch-der-Tierschutz-hat-seine-Grenzen

So ähnlich geschah es dann auch einmal im englischen Wildtierspital. Eines nachts kamen einige JägerInnen, brachen ins Spital ein, gingen in die Rehab-Klinik und steckten ein Dutzend kranke Füchse in mitgebrachte Säcke. Der Leiter des Spitals wurde von einem Hund geweckt und verfolgte die EinbrecherInnen. Auf einem Feld ließen sie die Füchse aus den Säcken und schossen auf sie! Bei Erscheinen des Tierschützers flohen die JägerInnen. Einige tote und z.T. schwerst verletzte Füchse blieben zurück.

Es gibt keine objektive Ethik? Also ich weiß nicht. Hier kann es wirklich keinen Menschen mehr geben, der in diesem Szenario nicht eindeutig zwischen ethisch gut oder nicht unterscheiden kann!

3 thoughts on “Wildtierschutz? – ÖVP-Landesrat will stattdessen sparen

  1. Martin C. says:

    Der steirische ÖVP-Landesrat für Tierschutz ist zudem Bauer und Jäger: Ein klassisches Beispiel für den Bock zum Gärtner machen. Das ist genauso, als würde ein Pädophiler einen Kindergarten leiten.

  2. julia says:

    Doch, natürlich gibt es solche Menschen, die das ethisch akzeptabel finden. Jäger, Metzger und andere Zeitgenossen haben nun mal eine „Ethik“, in der immer wieder von „nur ein Tier …“ die Rede ist.
    Wenn das, was ethisch gut und vertretbar ist, für alle Menschen gleich wäre, dann würden entweder alle Menschen Tiere ebenso rücksichtsvoll behandeln wie ihre Mitmenschen – oder Du und ich hätten kein Problem damit, Tiere zu essen oder zu quälen.
    Tiere gegen behinderte, hungernde oder sonstwie benachteiligte Menschen auszuspielen und Tierschützer oder -rechtler dann als Menschenfeinde auszugeben, ist nur eine Facette des Spiels. Menschen wie dieser Stammtischpolitiker finden sich dann „human“, und vor allem „vernünftig“, denn der Mensch mag nun einmal eine Werteskala, auf der er den obersten Platz einnimmt. Wir seien demnach mehr „wert“ als Tiere, und darum darf mensch sie quälen und essen. Das läßt sich ebensowenig beweisen wie widerlegen und führt daher in die Aporie.
    Von daher finde ich inzwischen die Frage nach Werten oder gar absoluten Werten problematisch. „Werte“ haben immer gleich etwas Ökonomisches, Ver-wertbares.
    Viel zielführender fände ich die aristotelische Kategorie des Strebens nach Glück, und der Vermeidung von Leid.
    Niemand kann leugnen, dass ein Tier dieses Ziel mit den Menschen teilt. Unbegrenzt.

  3. Andrea says:

    Zunächst zu dem Standard-Interview mit dem Herrn von und zu Seitinger. Ich habe es damals auch gelesen und war einfach fassungslos. Was für ein Wirtshausniveau einzelne österreichische Politiker immer wieder auffahren – sagenhaft. Die Argumentation völlig haltlos: Die Natur sei eben grausam, betont Seitinger und spricht von einer von einem Auto überfahrenen Feldhasenmutter… Das Auto, die perfekte Schöpfung der Natur? Wie bitte? Und was hat Tierschutz mit behinderten Menschen zu tun? Das ist genauso zusammenhangslos wie die Aussage einiger Menschen, dass heutzutage jedes Meerschweinchen tierärztlich versorgt werde, aber dass in Afrika Kinder verhungern. Richtig! Meerschweinchen können behandelt werden und andernorts sterben Kinder. Wo ist der Zusammenhang? Behandle ich das Tier nicht, stirbt das Kind trotzdem! Beides schrecklich!
    Zu den Füchsen: In meinen Augen steht Ethik stark in Zusammenhang mit Empathie. Es mag auf dieser Welt unterschiedliche Werte und Normen geben, andere kulturelle Hintergründe etc. aber die Fähigkeit sich in ein Lebewesen einfühlen zu können, sollte die nicht jedem und jeder gegeben sein? Es ist doch völlig egal, ob und wie intelligent ein Tier nun wirklich sein mag, ob es sein Spiegelbild erkennt oder nicht, in dem Moment wo wir (auch nur ansatzweise) davon ausgehen müssen, dass es die Fähigkeit hat Leid zu empfinden, dürfen wir ihm keines antun. Man sollte sogar noch weiter gehen und sagen, egal ob es Leid empfinden kann oder nicht, wir dürfen ihm keines antun! Was berechtigt uns denn dazu? Das wir über so etwas überhaupt noch diskutieren müssen, finde ich furchtbar. Ich kann mich gut an einen Satz erinnern, den ich in meiner Kindheit manchmal gehört habe und den sicher jeder kennt: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Warum halten wir uns nicht einfach daran? Dann müssten wir viele grundlegende Thematiken nicht mehr diskutieren. Willst du verletzt aus einem Krankenhaus entführt, auf einem Feld ausgesetzt und von ein paar Verrückten erschossen werden? Nein? Na dann…

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