Antrag eines Grundbesitzers, dass sein Grund jagdfrei erklärt werde

Die österreichische Rechtsordnung sieht die totale Zwangsbejagung aller Grundstücke vor. Wer ein Land besitzt, muss in Österreich dulden, dass es von fremden Menschen bejagt wird. Dazu wird dieses Land von der Gemeinde einfach verpachtet. Die PächterInnen dürfen dann sogar ohne Zustimmung der GrundstückseigentümerInnen Jagdstände, Fütterungen und Jagdhütten aufstellen, selbst wenn sie dadurch die Wildtierpopulationen künstlich in die Höhe schrauben und in Folge den Wald der GrundbesitzerInnen schwer schädigen. Ein Waldbesitzer sagte zu mir wörtlich: die Jägerschaft ist wie eine bewaffnete Besatzungsmacht.

Viele europäische Länder wie Belgien, Dänemark, Finnland, die Niederlande und Großbritannien kennen keine Zwangsbejagung. In Frankreich und Luxemburg wurde ein Ende der Zwangsbejagung über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) erstritten. In den Jahren 1999 (Frankreich) und 2007 (Luxemburg) wurden zwei Streitfälle in dieser Frage jeweils für die GrundbesitzerInnen entschieden. Im Jahr 2012 schließlich entschied die Große Kammer des EGMR (http://www.zwangsbejagung-ade.at/downloads/grandchamberjudgmentherrman.pdf) auch gegen Deutschland. Ein Grundbesitzer in Rheinland-Pfalz hatte die Jagd auf 2 Grundstücken dulden müssen, obwohl er sie aus ethischen Gründen ablehnt. Selbst das deutsche Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gab noch der Jägerschaft Recht, der Grundeigentümer würde ja durch den Pachtschilling entschädigt, wenn er diesen beantrage.

Doch der EGMR drehte dieses Urteil um. In der Pressemitteilung des Gerichtshofs steht wörtlich: Der Gerichtshof war der Auffassung, dass die Verpflichtung eines Jagdgegners, für die von ihm abgelehnte Tätigkeit eine Entschädigung geltend zu machen, nicht mit der Achtung für die Ablehnung der Jagd aus Gewissensgründen in Einklang zu bringen war. Es war zweifelhaft, ob tiefe persönliche Überzeugungen durch eine Entschädigungszahlung aufzuwiegen waren. Im Übrigen berücksichtigt das Bundesjagdgesetz nicht ausdrücklich die ethische Überzeugung von Grundeigentümern, die die Jagd aus Gewissensgründen ablehnen. Deshalb sei die Zwangsbejagung eine unverhältnismäßige Belastung. Im Kielwasser dieses Urteils haben bereits zahlreiche GrundbesitzerInnen in Deutschland Anträge gestellt, ihren Grund und Boden jagdfrei erklärt zu bekommen.

Nicht so in Österreich, wo man bisher dieses Urteil des EGMR ignoriert. Nun hat aber ein Grundbesitzer in Kärnten den von der österreichischen Rechtsordnung bisher nicht vorgesehenen Antrag an die Bezirkshauptmannschaft Spittal an der Drau gestellt, seinen Grund für jagdfrei zu erklären. Hier ist dieser Antrag im Wortlaut:

AntragJagdfreistellung1AntragJagdfreistellung2

12 thoughts on “Antrag eines Grundbesitzers, dass sein Grund jagdfrei erklärt werde

  1. Anonymous sagt:

    ich bin zwar ebenfalls gegen Jagdgatter – das hat wirklich nichts mit „Jagd“ zu tun, aber die Jagd komplett einstellen? – na dann wünsche ich bei der explodierenden Wildschweinpopulation und der aus dem Osten einsickernden Schweinepest viel Vergnügen mit der daraus resultierenden Schweinepest in den Hausschweinbeständen…..

  2. Erika sagt:

    Ich verstehe die ganze Aufregung der Jäger nicht, dass Grundbesitzer ihr Grundstück einzäunen müssten, wenn sie es nicht bejagbar haben wollen. Ich persönlich verwende bei meinen Hühnern um Füchse, Dachse und Marder zu verscheuchen, Hukinol Vergrämungsmittel. Da braucht man keinen Zaun und auch kein sonstiges Abwehrmittel, wenn man sehr viele Flaschen dieses Mittels verwendet, verscheucht man mit dem Gestank auch Menschen. Info: http://www.siepmann.net/Weidezaunzubeh%C3%B6r/Wildabwehr/Hukinol_500ml.html
    Das Mittel wird im Jagdbereich angewandt und sollte bekannt sein.

  3. Martin Balluch sagt:

    @Waldgänger:
    Ja, mittlerweile hat die zweite Instanz den Antrag abgelehnt und es läuft die Berufung zum Verfassungsgerichtshof. Ich werde dazu etwas, so bald wie möglich, online stellen.

  4. Waldgänger sagt:

    Der Fall ist schon älter als sechs Monate, gibt es dazu schon neue Informationen?

  5. Matthias sagt:

    Manche scheinen nicht zu kapieren um was es hier wirklich geht aber egal.
    Als Waldbesitzer bin ich davon überzeugt dass die Jagd komplett sinnlos ist und ich würde mich freuen wenn man sich endlich auch gerichtlich wehren könnte gegen diesen Wahnsinn!

  6. Marie sagt:

    Ich finde das richtig so, und werde das in meinem Wald auch einmal durchkämpfen. Warum muss man als Eigentümer akzeptieren , dass fremde Leute eindringen und dann noch vielleicht meinen Hund oder meine Katze erschiessen auf dem eigenen Grund und Boden?!
    Wer lässt denn sowas im eigenen Haus zu oder im Garten?
    Und wie schon selber meinem Vater passiert, darf sich dann auch noch von einem Hobby Jäger am eigenen Grund beschimpfen lassen weil man spazieren geht?!Gehts noch ?

  7. Ella sagt:

    Sehr geehrter Herr Balluch,
    Das mit dem zwingen- ist so eine Sache- es dient in diesem Fall, wie „Waldbesitzer“ schreibt dem Allgemeinwohl und hier bin ich sehr wohl der Meinung, dass man dies mit Gesetzen regeln darf/muss!. Es is ja auch nicht erlaubt, dass ich meinen Wald „verkommen“ lasse- z.B Thema Käferbefall/Flug.- hier schlagen dann die gleichen Gesetze die der ökologische Jagdverband gerade benutzt (Waldverwüstung)- also wer „a“ sagt muss auch „b“ sagen- Zwang ist Zwang!!
    Darum werden in den Fällen die gerade in Deutschland verhandelt werden auch alle Beteiligten angehört, und hier gehört auch der Nachbar- e.g „Waldbesitzer“ und seine Interessen dazu!

    Weiters: Wie Waldbesitzer schreibt- man kann ja miteinander reden- und wenns nicht klappt- dann ist es ja nicht so das „der Forst“ keine Macht hat- und eine BH dazu bringt, Strafen oder Zwangsabschüsse durchszusetzen…

    Weiters: Ich habe in Österreich noch keine Wald gesehen, der nicht hochkommt wegen zu viel Rehwild-noch dazu über Jahre hinweg – wenn ich total-schlage, und mir dann außer Gras und ein paar Birken nichts kommt muss ich halt was machen, oder nochmal nachlesen wie man es vielleicht besser machen kann/könnte- aber nicht immer gleich mit dem Finger zeigen und sagen: das Wild, das Wild

    Abschließend: Sie sind doch naturverbunden- warum streichen Sie Ihre Bäume nicht einfach ein?- und freuen sich am Reh?

    mit freundlichen Grüßen
    Ella

  8. Franz de Paula sagt:

    Kurze Antwort an Waldbesitzer:
    Keine Angst – eine Jagd-Reform ist natürlich nicht von heute auf morgen umsetzbar! Einige Schritte sind zu berücksichtigen (bedeutet aber nicht, kein Schuss darf mehr fallen):
    Wildtiermanegement, weg von der Jägerschaft, hin zum Ökologen.
    1. Jagdfreie Zonen sind von Wichtigkeit und sensibilisieren die Bevölkerung – Es geht ohne Jagd im herkömmlichen Sinne.
    2. Jagdstop von Kleintieren wie Wildhühnern, Hasen, Dachsen, Mardern, Füchsen, usw.
    3. Stop der wirtschaftlichen Nutzung von Hirsch, Reh, Wildschwein, usw.
    4. Schluss mit übertriebener Wildtierfütterung und Hege.
    5. Akzeptanz von Bär, Luchs und Wolf.
    6. Nötige Regulierung nur durch Wildhüter/Berufsjäger ohne eigennützige oder wirtschaftliche Interessen (Beispiel: Rothwald http://de.wikipedia.org/wiki/Rothwald)
    Wildtiere sind Erbe der Welt und nicht Eigentum der Menschen!

  9. Franz de Paula sagt:

    Großartige Initiative – wie kann man teilhaben/teilnehmen? Gibt’s Unterschriftenlisten?

    plus ein Zitat:
    Change happens by listening and then starting a dialogue with the people who are doing something you don’t believe is right (J.G.)

  10. Martin Balluch sagt:

    Wie Sie das auch immer sehen, Waldbesitzer, Faktum ist, dass es in Österreich die Zwangsbejagung gibt und, falls Sie wirklich einen Wald besitzen, dann werden Sie doch hoffentlich zustimmen, dass WaldbesitzerInnen zu so etwas nicht gezwungen werden sollen.

    Wie auch immer, wo ich lebe gibt es wahnsinnig viele Rehfütterungen überall, die nicht einmal eine behördliche Bewilligung brauchen, wie mir von Amts wegen gesagt wurde, und die so hohe Rehpopulationen verursachen, dass ständig die Bäume – auch in unserem Garten – zerstört werden. Dazu gezwungen werden zu können, am eigenen Grund Fütterungen zu dulden, die den eigenen Waldbesitz vernichten, ist wohl absurd zur Potenz.

  11. Regina sagt:

    Das freut mich sehr, dass jetzt auch in Österreich jemand den Anfang macht. In Deutschland ist damit ja eine Lawine ins Rollen gekommen und es werden immer mehr. Bin schon gespannt auf die Reaktion der Behörde. Lieber mutiger Waldbesitzer: bitte nicht aufgeben!

  12. Waldbesitzer sagt:

    ich hätte da als Kleinwaldbesitzer die Frage, wie Wolf, Bär und Luchs, die ja bekanntlich ein sehr großes Streifgebiet brauchen und noch dazu sehr menschenscheu sind, die Rehwildpopulation so in Zaum halten sollen, damit ich keinen Aufwand mehr habe um meinen Jungwald das verbiss- und fegefreie Aufwachsen garantieren kann?
    Das ganze kann ich mir eventuell in großen Waldgebieten vorstellen aber doch nicht in der zersiedelten Landschaft in denen die meisten Wälder über ein paar hundert ha nicht hinausgehen.
    Ich muss sagen, dass ich mit der Jagdgesellschaft bei uns im Ort sehr gut zusammenfinde, dort wird im Winter weder zu viel gefüttert noch wird alles niedergeschossen. Ich will, wenn ich in den Wald gehe auch mal ein Reh sehen!
    Und dort wo gerade die Naturverjüngung ankommt wird von unseren Jagdpächtern intensiver gejagt. Nach fünf guten Jahren sind solche Flächen ja ohnehin kaum mehr anfällig für Rehwild. Beim Rotwild siehts natürlich anders aus.
    Also alles in allem, würde es mich als Waldbesitzer sehr schwer treffen, wenn bei meinem Nachbarn nicht mehr gejagt werden dürfte, da die Rehe wahrscheinlich schnell lernen wo sie sicher sind und wo nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, das in solche jagdfreien Gebiete dann noch irgendwie die Naturverjüngung hochkommen soll. Wenn dies aber nicht der Fall ist, werden die Rehe zu mir zum fressen gehen und Schaden verursachen. Dann wird der Jagddruck steigen und die Rehe werden nur mehr in der Nacht in meinen Teil des Waldes kommen, sodass sie gar nicht mehr gejagt werden könnten und der Schaden aber trotzdem da ist.
    Also, das kann doch nur in juristischen Streitereien über den Wildschaden ausarten. Und da muss ich sagen, verstehe ich dann die Jäger, wenn sie sagen, dass sie den Schaden nicht mehr zahlen wie bisher.
    Ich muss auch zu bedenken geben, dass es Leute gibt, die von ihrem Wald abhängig sind. Das wäre ja fast so, als ob Sie Bio Bauer wären, und der Nachbar der konventionell arbeitet sein Pflanzengift bei Wind ausbringt der dann zu ihnen herüberweht und ihnen die ganzen Pflanzen kaputt macht.
    Also diese auseinanderdividieren der Waldbesitzer nur um das Ziel der Jagdabschaffung in Österreich zu erreichen gefällt mir gar nicht.
    Nirgends in Europa gibt es in wirtschaftlichen genutzten Wäldern jagdfreie Zonen. (Auch in Genf wird gejagt, nur heißts da Wildmanagement)

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