Die Irrationalität von Tiertransporten

Freie Bahn für den freien Markt! Warum gibt es Tiertransporte: freien Warenverkehr nennt man so etwas. Tiere als Waren. Freiheit als Deckmantel für die eiskalte Brutalität, wie mit ihnen umgegangen wird. Betrachten wir die Zahlen:

Aus Österreich werden jährlich fast 80.000 männliche Kälber in tagelangen Tiertransporten exportiert. Gleichzeitig werden nach Österreich jährlich etwa 100.000 männliche Schlachtrinder in tagelangen Tiertransporten importiert. Zusätzlich werden etwa 10.000 Kälber wiederum importiert und ca. 12.000 Schlachtrinder exportiert. Könnte man die Tiere nicht einfach an der Grenze austauschen und ihnen so die Reise ersparen?

Oder Hühner und Puten: Pro Jahr importiert Österreich 12.690.000 lebendes Mast- und Legegeflügel und exportiert 16.806.000! Dabei kommen aus Deutschland 6,5 Millionen Tiere, und wir schicken wiederum 5,6 Millionen hin. Aus Ungarn beziehen wir 1,5 Millionen und schicken 4,1 Millionen hin.

Deutschland transportiert nach Rumänien ziemlich genau gleichviele Schafe pro Jahr, nämlich etwa 300.000, wie es von dort bezieht.

Was ist der Sinn hinter diesem seltsamen Handel? Die EU-Subventionen für Lebendtierexporte können es nicht sein. Aufgrund öffentlichen Drucks laufen mit Ende 2014 nämlich alle derartigen EU-Subventionen aus. Schon Ende 2005 wurden die Stützungszahlungen für Schlachtrindexporte abgeschafft. Also widmete man alle Rinder zu Zuchttieren um. Mit 21. 9. 2012 wurde auch dieses lukrative Schlupfloch geschlossen. Seither gibt es keine Subventionen mehr für Rinderexporte. Dabei hatte Österreich mit dem Bezug von 14-19 % aller EU-Exportsubventionen für Lebendrinder überproportional kräftig mitgeschnitten. Heuer enden nun auch die Exportsubventionen für Lebendgeflügel. Doch die Tiertransporte rollen weiter. Der freie Warenverkehr. Die Tiere werden an die Meistbietenden verkauft, egal wo auf der Welt sie sich befinden. Das Tierleid beim Transport ist dabei kein relevantes Kriterium. Die Transportkosten wiederum sind zu gering, um eine Rolle zu spielen.

Der Denkfehler dabei: Tiere sind keine Waren. Sie sind keine Sachen, auch wenn das so in unserem Zivilrecht verankert ist. Sie können fühlen und selbst frei sein. Der sogenannte „freie“ Warenverkehr wird damit zur dramatischen Freiheitseinschränkung für Tiere.

Einerseits könnte man die Transporte verteuern, z.B. durch eine Sondersteuer für den Handel mit lebenden Tieren, je länger die Handelsroute, desto mehr ist zu bezahlen.

Andererseits müssen Langstreckentransporte grundsätzlich unterbunden werden: 8 Stunden als absolute Obergrenze für die Transportzeiten. Über 1 Million Unterschriften auf einer entsprechenden Petition hatten das gefordert, doch die EU-Kommission sah sich außerstande, es umzusetzen. Der freie Warenverkehr!

EU-Statistik: 37 Millionen „Nutz“-Säugetiere und über 1 Milliarde lebendes Geflügel werden jährlich in der EU kreuz und quer transportiert, 30% davon auf Langstrecken. Wie wir bei unserer Kälbertransportrecherche gesehen haben, ist das Papier der Transportformulare geduldig und Kontrollen sind nicht zu bemerken. Hier können nur rigorose Verbote echte Änderungen bewirken.

One thought on “Die Irrationalität von Tiertransporten

  1. amor says:

    Die 8hours-kampagne war eine Initiative des dänischen EU-Parlamentariers Dan Jørgensen und der Organisation Animals Angels.
    Es war das Jahr 2010 als ich mich da stark beteiligt hatte.
    Mit Unterschriften Sammlung, mit Aufklärung meines Arbeitsumfeldes… viel mehr war damals von der „Basis“ sowieso nicht zu machen.
    Mit jedem Monat stieg die Zahl der Unterschriften und die Hoffnung dazu, dass sobald wir die 1 Mio. Marke knacken, wie das Ziel von Anfang an war, wäre die Kampagne eine beschlossene Sache.
    Ich konnte sehr interessante Erfahrungen dabei machen, jeder der seine Unterschrift gab, wollte was dazu sagen, meistens total irrelevante Dinge!!
    Ich hatte mich daran gewöhnt, für mich zählt nur das Ergebnis im Tierschutz.
    Und das Ergebnis war Mitte 2012 1,2 Mio. Unterschriften und 395 Parlamentarier auf der Seite der Kampagne.
    Nie hat der Tierschutz eine derart starke Unterstützung seitens der „Basis“ bekommen, wie bei der 8hours-kampagne!

    Das Ergebnis?
    Immer noch tagelang Tiertransporte, und wir stehen heute dort, wo wir am 2008 angefangen haben. Mit einer starken „Basis“ aber keine starke Leitung!
    Was ist schiff gegangen?
    John Dalli, damaliger EU – Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, hatte sein Versprechen auf Aufruf des EU-Parlaments dementiert.
    Aber kurz danach trat er wegen Korruptionsvorwürfen am 16. Oktober 2012 als EU-Kommissar zurück.
    Da hat, meiner Meinung nach, die Leitung der Kampagne eine einmalige Gelegenheit verpasst, ihn an die Öffentlichkeit so in den Dreck zu ziehen, dass alle glaubten, es könnte das Zurückziehen seines Versprechens auch unter Korruptionsverdacht stehen.
    Was machten sie stattdessen?
    Alle Beteiligten kündigten offiziell ihre Distanz zu dieser Sache an!

    Jetzt haben die AnimalsAngels die Kampagne an anderen Organisationen übergeben.
    Jetzt sind die 1,2 Mio. Unterschriften nur Statistik.
    Und die Tiere tagelang in LKW`s!

    Jetzt scheint mir der Satz aus dem Theater Stück von Arthur Miller „Tod eines Handlungsreisenden“ so aktuell wie noch nie:
    „Kämpf’ niemals fair mit ’nem Fremden, mein Junge. Sonst schaffst du’s nie im Dschungel“!
    Amor

Leave a Comment

Your email address will not be published.

Spamschutzrätsel *

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
30 Jahre Besetzung der Hainburger Au

Dieser Tage feiern wir das 30 jährige Jubiläum der Besetzung der Stopfenreuther Au bei Hainburg. Dort sollte ein Wasserkraftwerk gebaut...

Kälbertransport: 4 Tage Verfolgungsfahrt eines Tiertransporters

Ein seltsames Gefühl, hier im Weinviertel mitten in der Nacht auf einen Tiertransporter zu warten. Es soll bald einer kommen....

Kälbertransport: Tobis Reise vom Weinviertel nach Andorra

Seine Geburt war zwar nicht leicht, auf diesem Milchbetrieb bei Ernstbrunn im niederösterreichischen Weinviertel, doch letztlich gelang es den Menschen,...

Schließen