Ein neues Wildtierspital der Stadt Wien

Momentan bin ich aus Tierschutzsicht ein Fan der rot-grünen Wiener Stadtregierung, da kann die Zeitung Österreich vom angeblichen „rot-grünen Chaos“ in Wien schreiben, so oft sie will. Wien hat vorbildlich den Lainzer Tiergarten von einem Jagdgatter zu einem Vorzeigenaturschutzgebiet umgestaltet und dabei auch die Jagd auf dem Rest ihres Grundbesitzes (vor allem in der Steiermark und in NÖ) sehr vernünftig eingeschränkt. In Wien kam als erstem Bundesland ein Gatterjagdverbot und das Verbot der Jagd auf ausgesetzte Zuchttiere. Wien hat jetzt gerade eine Resolution an das Parlament verabschiedet, die Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden zu verbieten. Wien hat die am besten ausgestattetste Tierschutzombudsschaft aller Bundesländer. Und wenn die Fiaker gegen die Stadtregierung demonstrieren, wie dieser Tage, dann muss diese auch etwas richtig gemacht haben, auch wenn wir da gerne viel mehr Aktivität sehen würden. Ja, und Wien hat jetzt ein eigenes Wildtierspital gegründet.

Freilich, man muss immer ein bisschen hinter die Kulissen schauen und sich fragen, warum eine Regierung etwas tut, was sie selbst daran profitiert. Die Politik macht keine Geschenke und handelt im Allgemeinen auch nicht von sich aus ethisch motiviert. Und tatsächlich, durch das eigene Wildtierspital erspart sich die Stadtregierung Zahlungen an Vereine, die bisher bedürftigen Tieren in Wien geholfen haben. Aber dennoch halte ich grundsätzlich ein stadteigenes Wildtierspital für gut. Die Gesellschaft sollte diese Hilfsleistungen für Streuner- oder Wildtiere zumindest auch übernehmen, genauso wie die Kontrollen von Tierfabriken oder die politische Vertretung der Tiere selbst. Das ehrenamtlichen Menschen allein zu überlassen heißt eine Verantwortung abzugeben, die man eigentlich übernehmen müsste. Abgesehen davon kann es (momentan jedenfalls noch) nicht genug Hilfe für bedürftige Tiere geben. Es gibt leider zu viele davon. Und so reiht sich nun neben der Wildtierhilfe Wien, dem Wiener Tierschutzverein, der Auffangstation Haringsee und anderen gemeinnützigen Vereinen auch die „Wildtierstation der MA49“ in die Liste ein, siehe www.wildtiereinderstadt.at. Schade, dass aber offenbar keine Zusammenarbeit des Wildtierspitals der Stadt Wien mit den gemeinnützigen Vereinen möglich ist.

Was ist eigentlich ein Wildtierspital? Das ist ein Spital, das Wildtiere aufnimmt, die verletzt sind und für deren Behandlungskosten niemand aufkommt. Ich selbst habe mich jahrelang für so ein Spital engagiert, und zwar in meiner Zeit in Cambridge in England. Man kann davon in meinem Buch „Im Untergrund“ lesen. Mit einem sehr traumatischen Ereignis, nämlich einem Überfall und dem Mord an drei Fuchspatienten. Fuchspatienten gibt es auch in diesem Wildtierspital der Stadt Wien, in den ersten Monaten des Jahres 2019 waren es mehr als 10. Der einzige davon, der noch stationär behandelt wird, ist auf dem Bild ganz oben zu sehen. Auf meine Frage, ob man deshalb mit der Jägerschaft in Konflikt gerät, wurde relativiert. Man würde diese Tätigkeit nicht an die große Glocke hängen.

Über 400 Tiere waren zur Zeit meines Besuchs bereits seit Jahresbeginn im Spital gewesen. Wir trafen die Tierrettung vor dem Eingang an, gerade bei der Abfahrt zu einem Einsatz. Tierrettungen gibt es bereits seit 1896 in Österreich, bisher aber nur durch gemeinnützige Organisationen ehrenamtlicher Menschen. Seit etwa 10 Jahren haben sie erst das Recht auf Vorrang wie bei Einsatzfahrzeugen für Menschen erhalten. Immerhin. Nun fährt endlich auch eine städtische Tierrettung durch die Straßen. Der Notruf ist übrigens 01 400049090. Gleich ins Handy eingeben!

Dankenswerter Weise wurden wir zu zweit durch die gesamte Krankenstation geführt. Der Rundgang hinterließ bei mir den besten Eindruck. Die Pfleger_innen, mit denen wir sprachen, wirkten definitiv ethisch motiviert und kompetent. Die Unterbringungsmöglichkeiten für die Tiere waren außen wie innen vorbildlich für ein Wildtierspital. Natürlich kann man das mit einem gemeinnützigen Verein, der auf Spenden angewiesen ist, nicht einfach so vergleichen. An das Wildtierspital einer Stadt muss man höhere Ansprüche stellen. Aber auch denen wurde in diesem Fall entsprochen. Ich war wirklich positiv beeindruckt.

Hier einige Aufnahmen vom Wildtierspital der Stadt Wien:

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