Einen Hund darf man nicht unterschätzen!

Wir waren wieder einmal auf einer Recherche im Jagdrevier von Mensdorff-Pouilly unterwegs. Und mein tapferer Hundefreund Kuksi hat mich, wie so oft, dabei begleitet. Heute war niemand auf der Jagd, aber wir wollten diese Fasankisten finden, die sich kreuz und quer in diesem seltsamen Jagdrevier befinden. Diese Kisten sind wenige Quadratmeter groß und gerade einmal 50 cm hoch, ins Unterholz fix montiert. Dort lässt Mensdorff-Pouilly die Fasane aus der Voliere hineinsetzen, wenn sich hochgestellte Persönlichkeiten zur Jagd angesagt haben. Kaum stehen die Schützen vor dem Waldstück, in dem sich die Kisten befinden, öffnet ein Helfer die Käfigtür und die Fasane verteilen sich im Gebüsch, außer Sichtweite der JägerInnen. Dann schickt man die Jagdhunde in den Wald und schon fliegen die Zuchttiere, eines nach dem anderen, Angst erfüllt über die Wiese hinaus und können von den Schützen abgeknallt werden. Manche unserer Mitmenschen verstehen unter einer erbaulichen Freizeitbeschäftigung eine derartige Tätigkeit.

Kuksi ist jedenfalls heute dabei und schnüffelt so herum. Da fällt mir auf, dass meine Kollegin nicht mehr in der Nähe ist. Ich rufe sie, aber keine Antwort. Ich gehe noch einmal ein Stückchen zurück, aber keine Spur. Leider ist mir nur zu gut bewusst, dass sie dazu tendiert, im Wald verloren zu gehen, weil sie keine Orientierung hat. Da kommt mir eine Idee. Mit Kuksi habe ich öfter schon Schnüffelspiele durchgeführt. Dabei folgt er der Spur von mir oder auch von anderen Personen und fängt sie ein. Also gehen wir zu einer Stelle zurück, bei der ich mir sicher war, dass meine Kollegin noch vor kurzem mit mir zusammen gewesen ist. Dort bitte ich Kuksi, sie zu suchen. Er versteht sofort und findet ihre Spur ohne zu zögern. Schon galoppiert er außer Sichtweite, kaum, dass ich mithalten kann. Und tatsächlich, 10 Minuten später kommt er mit meiner Kollegin zurück. Sie war in eine völlig falsche Richtung davongegangen, um mich zu suchen. Wie gut, dass Kuksi heute wieder dabei ist.

Wir finden einige der Käfige und dokumentieren sie. Am Rückweg geht es an einer Pferdekoppel vorbei, der Zaun ist elektrisch geladen. Kuksi hat damit sehr schmerzliche Erfahrungen gemacht, er ist bereits in so einen Stromkreis gekommen. Er bemerkt sofort, dass die Drähte unter Strom stehen und bittet mich, wegzugehen. Das geht momentan aber nicht. Links von uns ist der Zaun, rechts ein tiefer Graben und auf dessen anderer Seite eine stark befahrene Straße. Kuksi hält aber nichts mehr, in einem Sprung ist er drüben und steht am Straßenrand. Bitte, Kuksi, rufe ich, komm zurück, das ist zu gefährlich. Er schaut mich an, duckt den Kopf nieder, kommt aber nicht. Bitte, schreie ich nun dringlicher, komm doch.

Und da geschieht etwas, das ich bei Kuksi noch nie gesehen habe. Er beginnt ganz schwer und auffällig zu humpeln, hebt seine rechte Vorderpfote und leckt ausgiebig daran, als ob er große Schmerzen hätte. Natürlich habe ich ihn schon einmal humpeln gesehen, z.B. als ein Reißnagel in seiner Pfote steckte. Aber es war eindeutig: er humpelte nur, um mein Mitleid zu heischen und einen Grund zu liefern, warum er nicht zu mir zurückwechseln kann. Ich traute meinen Augen nicht.

Aber Kuksi spielte seine Rolle so gut, dass ich ihm nicht böse sein konnte. Im Gegenteil, ich machte mich tatsächlich auf den Weg durch den Graben und kletterte zu ihm auf die Straße hinauf. Na, zeig mir deinen Fuß, fragte ich ihn mit ein bisschen Zweifel in der Stimme. Daraufhin sprang er auf und lief vor mir die Straße entlang, als hätte er noch nie auch nur den geringsten Schmerz in seinen Beinen oder seiner Vorderpfote verspürt. Also so etwas!

Da mussten wir also tatsächlich zuerst 8 Jahre lang zusammenleben, bevor ich diese Fähigkeit, mich so knallhart zu täuschen, bei ihm zum ersten Mal wahrnahm. Seitdem bin ich ein bisschen kritischer, sollte er mir mit Wehwehchen kommen. Dieser Hund ist wirklich mit allen Wassern gewaschen. Aber ein bisschen Stolz auf seine Intelligenz kann ich mir nicht verkneifen. Ich glaube tatsächlich, dass wir unsere Hunde immer wieder unterschätzen, auch ich hätte so etwas nicht bei ihm erwartet. Der kleine Kuksi ist eben ständig aufs Neue für eine Überraschung gut!

2 thoughts on “Einen Hund darf man nicht unterschätzen!

  1. friederike says:

    dachte nur Hundemädchen können das ! kenn ich von meinem Mäderl!

Leave a Comment

Your email address will not be published.


Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
40 Jahre Jagdverbot im Kanton Genf – eine Bestandsaufnahme

Kommen wir ohne die Jagd aus oder nicht? Wie oft hören wir, dass die Populationen vieler Wildtiere, oder zumindest der...

Eine Fachtagung des Grünen Kreuzes über Jagdethik: Stainz am 12. 11. 2015

Das Grüne Kreuz hat beim Tierschutz nicht den besten Ruf. Obwohl es zwar Jäger und Jägerinnen gibt, denen Tierschutz tatsächlich...

Anzeige wegen Mordversuch bei Gatterjagd Hausbrunn

Ich stand außerhalb des Gatterzauns, völlig legal, und dokumentierte die Tierquälerei bei der Treibjagd im umzäunten Gelände. An einer Stelle...

Schließen