Kampagnenerfolg: Parlament verbietet Aussetzen von Fasanen für die Jagd

Es ist ein so seltsames Verhalten, dass man landläufig davon gar nichts weiß. Fasane werden in Brutmaschinen ausgebrütet, bekommen den Schnabel gestutzt, werden dann in Massentierhaltung aufgezogen und mit dem Tiertransport in Volieren ins Jagdrevier gebracht. Von dort aus setzt man sie für die Jagd in die Felder. Die hilflosen Tiere wissen nicht, wie ihnen geschieht. Sie haben keine Ahnung, wie sie sich selbständig ernähren sollen, oder dass man Raubfeinden entkommen muss. Auch vor Autos fürchten sie sich nicht und weichen kaum aus. Bis die Treibjagdgesellschaft kommt. Dann hetzt man die Hunde in die Felder hinein und die zahmen Fasane fliegen schwerfällig auf. Bumm, bumm, knallt man in die Masse von oft 100 und mehr Tieren. Für € 10 pro „Stück“ kann man sie aus den ungarischen Zuchtbetrieben kaufen, für maximal € 2 pro totem Tier gibt man sie an Gasthöfe weiter, wenn man sie überhaupt wieder los wird. Wer pflückt schon gerne mühsam 10 Schrotkugeln aus dem Tierkörper? Und wer riskiert schon gerne, sich an den Kügelchen, die übersehen wurden, die Zähne auszubeißen?


Das ist die Jagdpraxis auf Zuchtfasane im Osten Österreichs. Etwa 500.000 hat man jährlich noch bis 2005 ausgesetzt. Damals führte der VGT erstmals eine Kampagne gegen diese seltsame Jagdform. In England, wo der Adel ungebrochen regiert, erleiden übrigens heute noch 40 (!) Millionen Fasane dieses Schicksal, in Ungarn immerhin noch 3 Millionen. Das Resultat unserer Kampagne 2005 war ein neues Gesetz: die Jagdvolieren mussten mindestens 2,5 m hoch sein und 18 m² pro Fasanpaar bieten. Auch wurde es verboten, die Schnäbel zu kupieren, und man musste einen Zeitabstand von 2-4 Wochen zwischen Aussetzen und Abschießen einhalten. In der Folge sank die Zahl ausgesetzter Fasane auf ein Viertel der vormaligen Menge, also auf etwas mehr als 100.000 pro Jahr. Zuzüglich tausender Rebhühner, Enten und Hasen.

Das war die Situation, als wir im Juli 2015 beschlossen, dem Aussetzen von Zuchttieren für die Jagd endgültig den Hahn abzudrehen. In der Saison 2015/16 waren wir bei 51 solcher Jagdevents, in der Saison 2016/17 weitere 27 Mal. Wir hielten 8 Pressekonferenzen ab, sowie etwa 400 Demonstrationen und 100 Medienevents. Zusätzlich versuchten wir auf allen Kanälen durchzudringen, über Anträge im Tierschutzrat genauso, wie durch zahlreiche Gespräche mit PolitikerInnen und MedienvertreterInnen oder durch Vorträge in der Öffentlichkeit. Insgesamt legten wir 5 wissenschaftliche Gutachten vor und ließen mehrmals von wissenschaftlichen Instituten die Meinung der Bevölkerung erheben. Ja, und wir mussten über 30 Prozesse vor Gericht ausfechten. Aber jetzt ist es soweit. Heute hat der Bundesrat dem bereits vom Parlament beschlossenen Verbot des Aussetzens von gezüchteten Tieren für die Jagd zugestimmt. Mitte April, wenn das entsprechende Bundesgesetzblatt veröffentlicht ist, wird das Verbot in Kraft treten. Ohne Übergangsfrist.

Wortwörtlich lautet das Verbot ein bisschen anders als erhofft: Tierquälerei begeht, wer ein in Gefangenschaft gezüchtetes Wildtier aussetzt, das zum Zeitpunkt des Aussetzens in freier Natur nicht überlebensfähig ist. Trifft das auf Fasan, Ente, Rebhuhn und Feldhase zu, wenn sie gezüchtet worden sind? Ja, eindeutig. Es gibt dazu zahlreiche Studien. Univ.-Prof. Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur in Wien, sicher kein Gegner der Jagd, berichtet in einem Artikel von Oktober 2016 von Studien (siehe http://www.martinballuch.com/wildbiologe-und-jagdwirtschaftler-klaus-hacklaender-ausgesetzte-fasane-enten-und-hasen-ueberleben-nicht/), die z.B. belegen, dass
– von 300 freigelassenen Enten in Frankreich ohne Bejagung nur 4 % bis zum nächsten Jahr überlebten,
– von 400 freigelassenen Fasanen in Niedersachsen nach nur 1 Woche bereits 59 % und nach 5 Wochen alle nicht mehr am Leben waren
– und von 44 freigelassenen Hasen in Italien innerhalb der ersten 10 Tage 68 % und nach 30 Tagen 78 % gestorben waren.

Aber wozu werden sie für die Jagd ausgesetzt, wenn sie so rasch sterben? Die Masse machts. Im Schlosspark in Thal bei Graz wurden Jahr für Jahr 1500 Fasane ausgesetzt und danach nur 300 bei den Treibjagden abgeschossen. Der Rest war unabhängig von der Jagd gestorben, keiner überlebte den Winter. Für Menschen mit genug Geld und ausreichend Lust am Abschuss solcher Tiere, ist dieser Prozentsatz offenbar ausreichend.

Aber damit ist nun endgültig Schluss. Wir haben bereits damit begonnen, in sämtlichen Jagdrevieren, in denen im letzten Herbst ausgesetzt wurde, den Ist-Zustand zu dokumentieren. Nirgendwo Fasane, Rebhühner oder Enten. Sollten also bis Herbst dort plötzlich Tiere in großer Zahl auftauchen, müssen sie ausgesetzt worden sein. Dann werden wir Anzeige erstatten. Das neue Verbot gibt uns jedenfalls ein sehr mächtiges Mittel in die Hand, dieses tierquälerische Verhalten endlich nachhaltig zu beenden.

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