Tatsächlich: „Tierschutz“-Minister Stöger will Mastgeflügelbesatzdichten erhöhen!

Seit 20 Jahren sind die sogenannten Besatzdichten für Masthühner in Österreich festgelegt. D.h. seit 20 Jahren gibt es Bestimmungen, wie viele Kilogramm lebendes Huhn man pro m² in eine dieser völlig strukturlosen Mastfabrikshallen stopfen darf. Seit 20 Jahren sind maximal 30 kg Lebendgewicht/m² zulässig. Tierschutz entwickelt sich weiter, von Generation zu Generation erwarten sich die Menschen höhere Auflagen, insbesondere in der Nutztierhaltung, die Tierschutzgesetze müssten also strenger werden und die Tierfabriken langsam verschwinden. Immerhin steht Tierschutz als Staatsziel seit letztem Jahr in der Bundesverfassung! Wenn der Tierschutzminister Alois Stöger, SPÖ, nun also die Verordnung über die Haltung von  Mastgeflügel verändern will, sollte es entsprechend eine deutliche Verbesserung dieser uralten Standards geben. Doch weit gefehlt! Man höre und staune: „Tierschutz“-Minister Alois Stöger will um ein Drittel mehr Masthühner pro m² als bisher erlauben und damit das Tierschutzgesetz in einem ganz wesentlichen Bereich gegenüber dem Standard von vor 20 (!) Jahren verschlechtern!

Was sagt das Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare der EU Kommission zu Besatzdichten?

EUZitatBesatzdichte
Mit anderen Worten: Schon 25 kg/m², die maximale Besatzdichte bei Bio-Hühnern, sind zu viel, aber ab 30 kg/m², dem momentanen Limit, steigt das Tierleid exponentiell an. Im Gespräch ist aber eine Änderung auf 38 kg/m²!

Tracey Jones von der Uni Oxford in England hat sich angeschaut, wie viel Platz Hühner mit verschiedenem Körpergewicht bei den entsprechenden Besatzdichten noch haben, wenn sie sich einerseits zum Schlafen hinlegen und andererseits sich ein bisschen bewegen wollen. Das Ergebnis:

Stocking Density

Dem Graph entnehme ich, dass bei einem typischen österreichischen Schlachtgewicht von 2 kg die Hühner bei einer Besatzdichte von 27 kg/m² beim Liegen bereits körperdicht aneinander anstoßen! Und um sich bewegen zu können, dürfen die Besatzdichten keinesfalls höher als 20 kg/m² sein. Wir erinnern uns: 25 kg/m² bei Bio, 30 kg/m² die 20 Jahre alte österreichische Regelung für konventionelle Besatzdichten und 38 kg/m² die geplante Verschlechterung durch den „Tierschutz“-Minister Alois Stöger!

Wie wird so ein verbrecherisches, tierschutz- und verfassungswidriges Vorgehen begründet? In Wahrheit geht es nur um ein „Entgegenkommen“ gegenüber der Geflügelindustrie, die damit 4-5 % an Produktionskosten einspart. Unter der Hand wird geflüstert, die SPÖ tauscht irgendeinen Vorteil für sie gegen diesen langgehegten Wunsch der ÖVP aus. Die Öffentlichkeit will man mit einem Propagandatrick fangen: Es gebe dafür ein Impfprogramm für Salmonellen und Campylobakter Bakterien, und man werde sich bemühen, die Antibiotikabeigaben im Futter zu reduzieren. Und für diese hehren Bemühungen will man die FabriksbetreiberInnen durch erhöhte Besatzdichten abgelten!

Diese Impfungen und die Antibiotikareduktion, so sie denn nicht nur heiße Luft bleiben sondern tatsächlich kommen, bringen nur den Menschen Vorteile. Einerseits ist das Hühnerfleisch dadurch weniger verseucht, was die KonsumentInnen freuen wird. Und andererseits sinkt mit dem Antibiotikaeinsatz die Gefahr der Bildung von antibiotikaresistenten Bakterienstämmen. Für diese Vorteile für die Menschen müssen die Masthühner noch enger zusammenrücken! Und das, obwohl diese Tiere sowieso schon eine absolut höllische Existenz auf Erden durchmachen müssen:
•    geboren in Brutmaschinen,
•    ohne Mutter,
•    als Küken in eine strukturlose Halle gesetzt, die sie erst wieder für ihre Schlachtung verlassen werden,
•    lebenslang dicht zusammengedrängt im eigenen Kot sitzen,
•    oft mit schweren Verätzungen an den Beinen wegen zu hoher Ammoniakbelastung,
•    ohne frische Luft und Tageslicht,
•    und mit einer künstlich angezüchteten Wachstumsgeschwindigkeit, die ihnen spätestens ab der 4. Lebenswoche Schmerzen bereitet, weil die Gelenke und das ganze Skelett durch das eigene Körpergewicht überlastet sind.

Und diese Wesen sollen noch mehr Belastung auf sich nehmen, damit ihre „BesitzerInnen“ motiviert sind, ihr Fleisch für die VerbraucherInnen mittels Impfungen weniger gesundheitsschädlich zu machen! Bei so viel Unverfrorenheit bleibt mir die Luft weg! Wenn dieser Schritt tatsächlich kommt – in der nächsten Woche soll die Verordnung in Begutachtung gehen – dann ist das eine Bankrotterklärung für den Tierschutz, dann waren unsere jahrzehntelangen Bemühungen für die Tiere völlig sinnlos. Ein Ausverkauf etablierter Tierschutzstandards ohne jede wirtschaftliche Indikation, lediglich, um Geld für einen verbesserten Verbraucherschutz einsparen zu können! Ein absoluter Skandal!

12 thoughts on “Tatsächlich: „Tierschutz“-Minister Stöger will Mastgeflügelbesatzdichten erhöhen!

  1. Heiz Fracht says:

    was wurde nun daraus? die geflügelfarmen sind das allerletzte was man tieren antun kann. ich hoffe aus diesen plänen wurde nichts!

  2. Martin Balluch says:

    am 4. dezember 2014 hat die neue spö-tierschutzministerin sabine oberhauser den geflügelmästerInnen eine absage erteilt.

  3. Sandro says:

    Das ist so hart mit diesen armen Tieren :'((( Und nebenher gibt es immer wieder Stars, die sich aufbauschen und diese Aktionen unterstützen: http://generationanders.com/gesellschaft/schon-gehoert/kuenstler-candy-ken-frisst-baby-vogel-7949/

    Der Typ bspw. zerrt einfach einen Vogel ausm Ei und frisst den! Vorbild für unsere Jugend!??!!! :'(

  4. Josephine says:

    Wir haben bei uns in der Nähe eine riesige Schlachtanstalt, wo die armen Tieren ihre Köpfe verlieren. Ich finde, dass es gesetzliche Reglements geben sollte, die den Wettbewerb einschränken. Dadurch würde der Fokus nicht auf Kostenminimierung liegen.

  5. Susanne Reger says:

    Verantwortungslos in jeder Hinsicht- es fehlen einem die Worte – reinstes Profitdenken- also liegt die Verantwortung bei uns indem wir eben „Bio“ Geflügel kaufen, wobei man auch da keine Garantie hat.

  6. Norbert says:

    Seit Bestehen der Menschheit hat es kein solches Ausmaß an Tierquälerei gegeben -sowohl in der Quantität wie auch in der Intensität -wie in unserer heutigen Zeit.
    Den zuständigen Politikern und all jenen,die ihr Geld mit Tierleid verdienen,wünsche ich daß sie bald in der Hölle schmoren mögen.

  7. Dean says:

    Oder im Idealfall sie ganz abschaffen, aber das ist glaub ich noch so utopisch das ich mich nicht mal daran denken trau!

  8. Dean says:

    Nicht aufgeben! Es war sicher nicht völlig Sinnlos!
    Es klingt so erschreckend und ich weiß auch nicht was man gegen diese Wirtschaftlichkeit der Tiere unternehmen könnte 🙁
    Man sollte ein Kontingent für Kebapstandln einführen, und der Bestand der darüber hinaus geht darf nur Falafel verkaufen!

  9. Martin C. says:

    Von dem Kuschelkurs zwischen SPÖ und ÖVP wird mir schon lange übel. So gesehen hätte auch gleich die ÖVP das Tierschutz-Ministerium übernehmen können, mit dem selben Effekt. Sollte dieses Gesetz tatsächlich kommen, dann wäre die Bezeichnung Ministerium für Tierausbeutung und Tierquälerei treffender.

  10. Susanne Veronika says:

    Man könnte das Parlament auf die – auf Menschen umgerechnete – Besatzdichte von Hühnern verkleinern und dann die Politiker dort hinein stopfen. Toiletten entfernen, Fenster zumauern. Dann wüssten sie was sie anderen antun. Der Steuerzahler würde sich so auch einiges an Geld ersparen, weil man das Parlament dann nicht mehr braucht. Es genügt eine kleine Lagerhalle. Man erspart Strom, diverses Reinigungspersonal, Heizung. Für die Zuschauer wäre auch noch genug Platz. Spielt ja keine Rolle, einige Menschen mehr oder weniger.

  11. Tina says:

    Hoffentlich ein Aprilscherz…

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