Vernunft oder Fasanzucht: die Realität des ausgeschlossenen Dritten

Und schon wieder krachts im Nordburgenland, diesmal zieht man durch die Felder bei Pama, um dem vorher ausgesetzten „Wild“ in Form von tausenden Fasanen, die ahnungslos auf der Fahrbahn sitzen und bei Annäherung von Autos keinen Schritt zur Seite gehen, nachzustellen. Wieder ein Massaker der feudalen Art, Schusssalven wie aus dem Maschinengewehr, auf zig Vögel, die jeweils gleichzeitig auffliegen.

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Die Tragik des Schicksals dieser Tiere ist unverändert. Angeschossene Fasane fallen wie schwere Regentropfen vom Himmel, dazwischen prasseln die Schrotkügelchen herunter. Direkt neben mir knallt ein Gewehr im Stakato, sodass mein Trommelfell noch Stunden später vibriert. Die schwer verletzten Vögel flattern hilflos am Boden, dort raufen sich zwei Jagdhunde um ein Tier und zerreißen es förmlich.

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Wieviele entkommen angeschossen? Entsetzlich auch der Federschwall, wenn die Schrotgarbe den Körper zerfetzt. Eines der angeschossenen Tiere kracht im Flug in einen Baum und bleibt zwischen den Ästen hängen. Dort darf der Fasan dann langsam zugrunde gehen. Er ist keine Kugel mehr wert. Nur der Schuss auf den fliegenden Fasan ist weidgerecht!

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Aber danach blasen wir anständig ins Jagdhorn, wie es der Brauch so will. Hauptsache, die Tradition wird aufrecht erhalten. Am Galgen baumeln derweil hunderte Tiere. Sie haben ihre Schuldigkeit als Schießbudenfiguren getan. Der Film dazu: https://www.facebook.com/martinballuch/videos/10154706427074233/

In Tschechien und Ungarn kann man Fasane ab € 10 pro „Stück“ erhalten. Dann setzt man sie aus – verliert dabei den Großteil, der bis zum Jagdtermin nicht überlebt – und schießt sie gleich wieder ab. Die toten Tiere bekommt man dann bei Gasthöfen nur mehr für € 2 pro Leiche an. Das ist Ökonomie: Ankauf für € 10, Verkauf für 20 % davon. Sehr intelligente Form der Fleischproduktion!

Aber rationales Denken ist die Stärke dieser wilden Fasanabschießrecken nicht. Im Gespräch mit einem der Jagdaufseher dieser Jagd meint doch dieser glatt, man müsse die Fasane schießen, weil sie sonst die Felder schädigen. Aha, und warum setzt man sie dann zuerst aus? Das sei die Freiheit, die es in diesem Land eben noch gebe – außer man ist Grundbesitzer und will keine Jagd dulden, dann gibt es keine Freiheit, wie der Verfassungsgerichtshof kürzlich feststellte, siehe http://www.martinballuch.com/verfassungsgericht-lehnt-antrag-auf-jagdfreistellung-ab/. Also man hat die Freiheit, tausende Fasane auszusetzen, und dann die Pflicht, sie wieder abzuschießen, weil sie sonst die Felder schädigen. Das ist Vernunft a la Zuchtfasanjäger. Siehe: https://www.facebook.com/martinballuch/videos/10154709373944233/

Es wird Zeit, dass dieser unfassbar infantile Unsinn endlich verboten wird!

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2 thoughts on “Vernunft oder Fasanzucht: die Realität des ausgeschlossenen Dritten

  1. Guido Schmidt says:

    Hallo Martin,

    danke für diesen Text, auch wenn es mir wirklich schwerfällt ihn zu lesen…ich bin einfach unfassbar wütend, fassungslos und erfüllt von einer grenzenlosen Abneigung gegen diese Sport- und Hobbymörder.

    Viele Grüße
    Guido

  2. Franz Sölkner says:

    Bravo Martin,! Großartiger Text! Angesichts dieses unsäglichen Treibens der Treib- und Triebjäger fragt man sich notgedrungen, was psychisch und mental mit diesen Typen eigentlich los ist. Könnte sich da nicht einmal ein psychologisch oder gar psychiatrisch kompetenter Mensch einmal auf wissenschaftlicher Ebene umfassend damit auseinandersetzen?

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